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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Samedi 6 octobre 2007
Für die Freunde von naturbelassenen Weinen aus Frankreich ist jetzt ein neuer Wein- und Winzerführer erschienen "Vins, vignobles et vignerons" (Wein, Weinberge und Winzer),  der quer durch Frankreich 950 Winzer vorstellt, die es sich zum Prinzip gemacht haben, Umwelt und Böden im Weinberg, aber auch die natürliche Qualität der Trauben im Keller, bei Weinbereitung und Ausbau, zu respektieren.

Viele darunter haben ein offizielles Biolabel oder auch die Biodynamie gewählt,  die anderen folgen den Prinzipien aus freien Stücken.



Man kann den Weinführer direkt beim Verlag Ellébore bestellen (25 Euro).

guide-Ellebore-verso.jpg
Hier der Versuch einer Übersetzung des Klappentextes:

Guide Ellébore

- Sehr ausführliche Datenblätter, auf denen die Güter beschrieben werden
- ein Kommentar über jedes Gut und seine technischen Charakteristika: Rebsorten, Anbaumethoden, Weinbereitung.
- eine Liste der Weine und der Bezugsmöglichkeiten beim Winzer oder bei Fachhändlern.
- eine Auswahl von Winzern, die biologische oder biodynamische Anbaumethoden einsetzen.
- das beste Preis/Leistungsverhältnis in jedem Anbaugebiet.
- eine Auswahl ausländischer Winzer.
Die Globalisierung hat auch den Weinbau erreicht, wie viele andere Gebiete. In der Praxis haben wir es mit einer Weinbau mit zwei Geschwindigkeiten zu tun: der eine ist die Domaine der großen Investorengruppen, die sich in Australien, Chile, in Argentinien niederlassen – wo die Kosten geringer sind und effiziente technische Methoden es erlauben, Weine von ständig gleichbleibender Qualität aber ohne Persönlichkeit zu produzieren – und die andere, die von Winzern in der Nachbarschaft praktiziert wird, die sich um ihr Terroir kümmern, eine sorgfältige Weinbereitung betreiben, die Qualitätsweine mit einer echten Persönlichkeit hervorbringt. Zwischen diesen beiden Polen gibt es keinen Mittelweg!
Wir haben die letzteren ausgewählt: sie stellen nur einen ganz geringen Prozentsatz dar, sind fast ausschließlich dem biologischen oder biodynamischen Anbau verpflichtet und schließen sich in professionellen Vereinigungen zusammen, um ihre Konzepte zu verteidigen. Sie gehen Risiken ein, indem sie untypische Weine oder solche ohne Schwefelzusatz machen. Sie verhelfen uns zu einem Anteil am Glück. Wenn Sie sie treffen, reden sie von der Authentizität ihrer Weine in der Sprache des Herzens. Vom bescheidensten Landwein, der Sie mit seiner Ehrlichkeit beglückt, bis zu den Grands Crus, die unvergessliche Erinnerungen bleiben, hoffen wir, dass Sie durch uns die Terroirs entdecken, die Appellationen und wir Sie anregen, diese Weine zu probieren. Eine begeisternde Entdeckungsreise, die man jedes Jahr wieder neu  beginnen kann.

Natürlich findet man auch einen Eintrag über Lisson (S.22, direkt hinter Didier Baral).

Zu meiner Verwunderung fand ich unser Gut im Inhaltsverzeichnis als Vin de Pays (Landwein) unter der Rubrik Languedoc: Faugères aufgeführt, was zeigt, dass selbst ein solcher Führer noch Schwierigkeiten hat, ein Gut, das für sich nur die Bezeichnung "Vin de (très bonne) Table" beansprucht, weil es außerhalb der offiziell klassifizierten Lagen (nördlich von Saint Chinian) liegt und mit seinen für die Gegend ungewöhnlichen Rebsorten und Steilhanglagen auch nicht in die Standartnormen der Anbauschemata der Appellationen paßt, richtig einzuordnen.

Es sind eben "Vins sauvages" - wilde Weine...



Lundi 5 mars 2007



Los Sonidos del Vino - Die Klänge des Weins
heißt eine Bild-Ton Collage, die ich dank  der Märzausgabe der Zeitschrift Vinum im Internet gefunden habe.

Wenn Sie ein wenig Zeit haben, bietet Ihnen dieser kleine Film der eine Reise durch das Weinjahr - vom Keller über den Weinberg bis zur Ernte und zurück in den Keller. Aber eben nicht nur in Bildern und untermalt von sanften Gitarrenklängen, sondern auch von den "echten" Bodegas Monje auf TeneriffaGeräuschen, die den Winzer durch das Jahr begleiten.

Es gluckert im Keller, sanfter Regen perlt und erfreut das Ohr und das Herz, das Laub raschelt im Herbst, die Rebschere klackt und begleitet uns durch den Winter, Vögel zwitschern im Weinberg, die ersten Insekten brummen im Frühjahr, Frauen versüßen sich die ersten Laubarbeiten mit Gesang, die Traktoren fahren aus, aber auch die Hacke ist noch im Gebrauch, hier wird der Schwefelpuder gegen den Mehltau noch mit der Puderdose ausgebracht - wie auf den engen Terrassen von Lisson zu Beginn der Vegetation.

Die Ernte erfolgt in aller Ruhe mit geflochtenen Körben, die Trauben werden mit den Füßen zerquetscht und man hört das satte schmatzende Geräusch. Die vertikale Presse mit ihrem Klick-Klack und schließlich die Freude beim traditionellem Umzug und der abschließenden Feier.

Bis wieder Ruhe im Keller eintritt, wo der Wein in seinen Fässern dann reift.

Nehmen Sie sich die Zeit, ein paar besinnliche Momente mit Bild und Ton zu verbringen.



Mercredi 7 février 2007
Ein kleiner Nachtrag zum meinem Artikel über Mangas, Crime and Wine von letzter Woche bietet sich an.

Inzwischen hat mir ein treuer Leser meiner französischen Blogseite den Hinweis gegeben, dass auch in Frankreich der Weinkrimi bereits eine fest installierte Größe ist.

Ein Autorenduo,  Noel Balen und Jean-Pierre Alaux, veröffentlicht seit einigen Jahren bei den Editions Fayard in der Reihe

Le Sang de la Vigne - Das Blut des Weinbergs

Krimis, die bisher in fast allen bedeutenden Weingebieten Frankreichs gespielt haben.

Goldhochzeit in Yquem - ed. Fayard

Ihr Held ist der Verfasser eines berühmten Weinführers namens Benjamin Cooker, dem Namen nach wohl nicht ohne Absicht seinem amerikanischen Kollegen Robert Parker verwandt, vielleicht gekreuzt mit Michel Rolland und Hercule Poirot, der die spannenden Fälle zusammen mit seinem Assistenten löst.


In Flagranti auf der Romanée-Conti, ed. Fayard


Leider habe ich selber noch keinen der Bände gelesen. In einem Interview mit einem der Autoren erfuhr ich, dass die Titel bereits in zahlreiche Sprache, darunter Englisch, Spanisch  und Japanisch, übersetzt sein sollen und auch schon Verhandlungen für eine baldige Verfilmung laufen.

Sollte sich ein deutscher Verlag dafür interessieren, würde ich mich gerne als Übersetzer zur Verfügung stellen - es wäre eine gute Methode, das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden!


Dimanche 4 février 2007
Gerade erhalte ich wieder den monatlichen Newsletter, den Jean-Pierre Mascaron von Collection Privée tire bouchon (privatsammlung von Korkenziehern) regelmäßig verschickt.

Obwohl ich selber nicht zu den Sammlern gehöre (jedenfalls nicht zu den Korkenziehersammlern...), fasziniert mich seine ausführlich gestaltete und illustrierte Webseite seit dem ersten Besuch.



Sie ist übersichtlich und gut gegliedert, jeder Navigationspunkt bietet neue Aus- und Einblicke in das Thema, viele grundsätzliche Informationen sind nicht nur in Französisch, sondern auch in Englisch erhältlich - und der Newsletter ist eben immer wieder eine wahre Fundgrube und ein Augenschmauß.

Schauen sie doch einfach mal hinein.

Und für Hinweise auf vergleichbare Seiten aus dem deutschen Sprachbereich bin ich natürlich dankbar!

Viel Spaß!


Samedi 3 février 2007
Während draußen nach einer kurzen, willkommenen Kältewelle der Winterschnitt weitergeht, wobei die Minustemperaturen der letzten Woche den Reben endlich zur dringend notwendigen Winterruhe verholfen haben (im Dezember „weinte“ das Rebholz noch während des Schnitts), nutze ich das ruhige Wochenende, um mich wieder ein wenig im Internet umzusehen.

Der Artikel eines Winzerkollegen aus Frankreich, der erfreut vom Rekordabsatz eines seiner Weine in Japan berichtet, nach dem die Flasche in einem Manga erwähnt wurde,  hat mich nach weiteren Informationen zu diesem Thema suchen lassen.

Wenn ich von der Begeisterung und Treue meiner japanischen Kunden auf die Sensibilität und die Entwicklungsfähigkeit des japanischen Marktes schließen kann, so scheint mir auch diese Form der Publikumsinformation durchaus geeignet, um einen ersten Anstoß für neue Verbraucherschichten zu geben.

Ich bin selber mit dieser Publikationsform nicht sehr vertraut – selbst die hier in Frankreich sehr verbreitete Kultur der „bande déssinée“ (des Comics) hat mich nie voll in ihren Bann ziehen können – ich mag immer noch eher Bücher mit viel Text, um meine Fantasie anzuregen.

Immerhin ist es mir auf diese Weise aufgefallen, dass in Deutschland inzwischen im Rahmen der Diversifizierung der Krimi-Literatur und ihrer regionalen Varianten der Weinkrimi sich wachsender Beliebtheit erfreut. Selbst der Tourismus hat das Thema Crime and Wine für sich entdeckt.



Auch ich habe mir, angeregt vom Angebot in der Kölner Bahnhofsbuchhandlung beim Umsteigen auf Deutschlandreise, schon den einen oder anderen Vertreter dieser Kategorie „reingezogen“ und natürlich vor allem die „fachlichen“ Grundlagen der Handlung genossen.



In unserem täglichen Winzerleben gibt es etwas weniger Leichen, auch wenn ich mir durchaus bewusst bin, dass mit zunehmender Konkurrenz und immer neuen technischen Möglichkeiten, sich den marktgerechten Tropfen mit möglichst geringen Betriebskosten zurechtzumischen, der kriminellen Energie unlauterer Kollegen überall auf der Welt kaum Grenzen gesetzt sind.



Aber natürlich kenne ich in meinem persönlichen Bekanntenkreis niemanden, für den das gilt – und ansonsten spricht man darüber  auch nicht, wie schon der Winzerblogger in einem seiner letzten Beiträge feststellte.

In Frankreich findet man übrigens kaum „Polars“ also romans policiers, die das Thema behandeln. Vielleicht wird es jetzt beliebter, nachdem auch hier die Verfilmung von Peter Mayles „Ein gutes Jahr“  durch Ridley Scott angelaufen ist, die neben dem üblichen provenzalischen Lokalkolorit auch das Thema des „Garagenweins“ noch einmal vulgarisieren könnte.




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