Mercredi 28 novembre 2007
Während draußen die letzten Blätter im Weinberg vom kühlen Nordwind, der Tramontane davongeweht werden, wird es Zeit, die
Olivenernte zu beginnen. Ein Teil wird auf Netzen eingesammelt, die wir unter den Bäumen ausbreiten, aber die meisten pflücke ich direkt vom Baum, indem ich sie von Hand von den
Zweigen abstreife. Das nennt man die Olivenbäume "melken". Wenn wir genügend Oliven zusammenbekommen, können wir sie wieder in die kleine Olivenmühle nach Saint André de
Sangonis bringen und von dort mit unserer kleinen Reserve Olivenöl zurückkommen.

Olivenbäume und damit die Produktion von Olivenöl lgehörten in unserer Gegend lange Zeit zur lokalen Ökonomie. Uns wurde erzählt, dass in Lisson früher bis zu 300l
Olivenöl produziert wurden. Wenn man weiss, dass es ungefähr 6kg Oliven braucht, um 1l Olivenöl zu erhalten, dann kann man ausrechnen, dass hier ungefähr 2 Tonnen
Oliven geerntet wurden. Damit kam sicher mehr Geld in die Kasse als mit dem Verkauf des losen Weins und die Oliven bildeten zusammen mit Maronen und Trauben das dritte Standbein der früher
üblichen Polykultur.

Auch heute gibt es in Lisson noch zahlreiche Olivenbäume in unseren Terasse hinter dem Haus. Die Bäume sind zum Teil beim großen Frost von
1956, der in allen Kulturpflanzungen der Region enorme Schäden anrichtete, erfroren. Und da das Gut damals schon verwaist war,
wurden die toten Büme auch nicht durch einen entsprechenden Rückschnitt sofort wieder aufgefrischt und neu geformt. Wir finden also noch zahlreiche bizarre tote Baumstämme inmitten von neuen
Trieben, die vom Wurzelstock ausgingen und sich in ungezügeltem Wildwuchs zu einer Hecke entwickelt haben. Jedes Jahr nehmen wir uns einige davon vor, schneiden das alte Holz heraus und
wählen drei oder vier der neuen Bäume aus, um dem Ganzen Luft zu geben und die Kronen zu öffnen, damit das Licht wieder überall hin vordringen kann, diese "Bäume" sich entwickeln können und wieder
mehr Frucht tragen.
Ich muß zugeben, dass es mir manchmal schwer fällt, mich von einem der toten Veteranen zu trennen, die für mich Zeugen der jahrhundertelangen Geschichte dieser Bäume sind, historische
Monumente und einmalige Skulpturen auf ihre Art. Aber ich sehe auch, dass die so befreiten, verjüngten Bäume in kurzer Zeit wieder prächtig wachsen und gedeihen, wenn man sie von der
Konkurrenz des Wildwuchses befreit hat.

Der Vorteil unserer alten Sorten liegt auch darin, dass sie keine Spritzungen benötigen, die die Bauern sonst heute zahlreich aufbringen, um die produktiveren und
empfindlicheren Sorten vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Die meisten, subventionierten Plantagen der letzten 20 Jahre wurden mit sogenannten Speiseoliven, also solchen,
die schon vor der Reife für die Konfiserie geerntet werden, bepflanzt, wie der hier sehr beliebten Luque, die mir viel anfälliger erscheinen.
Leser meines französischen Blogs haben sicher schon bemerkt, dass mir diese Periode zwischen Ernte, Kellerarbeit und Beginn des Rebschnitts mehr Zeit läßt, aus
dem Tal herauszukommen und meine Streifzüge vom Weinberg bis in die Dörfer und auf Märkte und auch in die weitere Umgebung auszuweiten.
Die Artikel, die sich dabei ergaben, haben mich ansprechbar gemacht für eine Anfrage von Guillaume Lapaque vor einigen Wochen, der mich aufforderte, an den rencontres des blogs d’expression locale dem Treffen lokaler Blogs im Internet teilzunehmen. Da es
bei diesem Treffen auch einen Wettbewerb in der Rubrik économie locale, lokale Ökonomie auch für
Winzer, gab, habe ich meinen französischen Blog dort eingeschrieben. Wir sind in dieser Kategorie noch nicht sehr zahlreich, aber es ist ja auch erst das 2. Treffen dieser Art. Die meisten
anderen teilnehmenden Blogs kommen aus nördlichen Regionen, wie der Bretagne, so dass ich mich als einziges Südlicht etwas einsam fühle....
Falls sie die Französische Sprache beherrschen, schauen Sie doch einmal auf die entsprechenden Seiten. Ich werde hier nicht dazu aufrufen, für meinen Block abzustimmen, sondern
möchte Sie wirklich anregen, einmal in dieser Zusammenstellung lokaler Blogs zu blättern und ihre Entdeckungen zu machen - auch über den Teller- bzw. Glasrand hinaus.
par Iris Rutz-Rudel
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Vendredi 16 novembre 2007
Die 5. Weinrallye,
ausgeschrieben von Wolf Hosbach vom Blog Hausmannskost, hat mich trotz eifriger Bemühungen aus der
Kurve getragen. Das Thema diesmal, Sangiovese - möglichst nicht aus der Toskana. Klingt recht einfach, wenn
man in Deutschland lebt (und nicht nur für die Toskana Fraktion). Italienische Weine sind seit vielen Jahren nicht nur in Pizzerien - wie in meiner Jugend - zahlreich vertreten.
Enotheca heißt sicher mehr als ein Weinfachgeschäft und selbst beim Discounter um die Ecke bieten die Regale reichlich Auswahl für unkonditionelle Italienfans.
Ganz anders sieht das hier in Frankreich aus. Jedenfalls wenn man außerhalb der großen Städte auf dem Land lebt, hat man kaum eine Chance, eine gute Flasche aus Italien
importierten Weins in die Hand zu bekommen. Wenn im Languedoc von italienischen Weinen die Rede ist, dann geht es meist um Tanks von Containerschiffen, die ein aufgebrachtes Aktionskommitee der verzweifelten Winzergenossen ins Meer geleert hat, ehe sie, von
heimischen Großabfüllern auf den internationalen Markt gebracht werden und so der eigenen Massenware Konkurrenz
machen können.
Supermärkte führen zwar inzwischen auch Weine aus Übersee, aber doch eben nur die "grosse cavalerie", also Nichts, was den Weinliebhaber vom Hocker werfen könnte - kurz: die Ausbeute meiner
Recherchen war mehr als mager. Ich konnte eine einzige Flasche Chianti Classico zum Preis von 2,59 € bei einer in Deutschland beheimateten Discounterkette finden, die zwar als DOC
ausgezeichnet war, deren Rückenettiket mir aber über die darin enthaltene Rebsorte nicht einmal Auskunft gab.
Ich gebe es zu, ich war feige: ich habe sie zwar gekauft, aber nicht gewagt, sie zu öffnen und hier vorzustellen.
Und so hing ich nur meinen Erinnerungen an die Reise durch das Weinangebot Italiens und speziell der Toscana nach, die ich vor Jahren bei einem Besuch auf der
Vinexpo, der weltgrößten Fachausstellung für Wein in Bordeaux, gesammelt habe. Fast jeder Wein war eine Enthüllung für unsere französischen Geschmacksknospen. Eine alte
Visitenkarte von Alessandro Francois (die Familie wanderte im 19. Jahrhundert aus Frankreich nach Italien ein), erinnert an diese Entdeckungen. Die Weine seines Castello di Querceto aus dem Greve, gehörten zu unseren schönsten Entdeckungen. Bezugsadressen in unserer Gegend gab es damals nicht - ob sich das wohl
inzwischen geändert hat?
Wolf gab mir den Tip, dass ich ja vielleicht über einen korsischen Wein berichten könne. In der Tat findet man dort (und nirgendwo anders in
Frankreich, wo es strenge Gesetze für die Auswahl der erlaubten Rebsorten gibt) Rotweine aus der als typisch geltenden Rebsorte Niellucio, die
nichts anderes ist als der aus Italien stammende Sangiovese.
Aber auch diese Piste führte nur in eine Sackgasse. Zwar weiss ich, dass die Weine aus Patrimonio schon auf dem französischen Festland
angekommen sind. Einer der bekanntesten Winzer mit Charakter ist Antoine Arena, der vor allem im Kreis der Liebhaber naturreiner Weine seine Berühmtheit hat. Ich fand wunderschöne Fotos seiner Weinberge, enthusiastische Besprechungen seiner Weine, aber 50 km in der Runde (und so weit sind die
nächsten Fachgeschäfte - hier Caviste genannt - entfernt), keine einzige Flasche.
Und so muss die Weinrallye diesmal ohne einen flüssigen Beitrag aus Lisson weiterfahren - schade, denn ich fühle mich in ihrem Pulk schon recht heimisch. Vielleicht habe ich bei der
nächsten Etappe mehr Glück - ich bin schon gespannt, wohin die Reise gehen wird!
Da die winterliche Kälte inzwischen bis nach Südfrankreich vorgedrungen ist, hier aber noch ein korsisches Sprichwort, das man sich zu Herzen nehmen kann:
"e donne e u venu scaldanu l'omu"
Frauen und Wein erwärmen den Mann!
par Iris Rutz-Rudel
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Weinrallye
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Dimanche 11 novembre 2007
In Köln wird das Rathaus von den Narren gestürmt - in Frankreich wird der Toten des ersten Weltkriegs gedacht. Auch der 11. November ist ein Tag, der, wie der 9. in
Deutschland, viele Facetten hat.
Aber heute steht keine Verteidigungslinie mehr am Rhein, wir leben im vereinten Europa und durch die Wellen des WWW sind die Grenzen der Kommunikation noch durchlässiger geworden.
Und so freue ich mich, dass mich eine Gruppe von Bloggerinnen, die als Französinnen in Deutschland oder, wie ich, als Deutsche in Frankreich leben und über ihren Alltag und ihre Erfahrungen
schreiben, eingeladen hat, mit Ihnen gemeinsam unter dem schönen Titel:
Les Knödels débarquent dans la blogospère - die Knödel erobern die Blogosphäre
zu zeigen, wie wir heute das Zusammentreffen unserer zwei Kulturen wahrnehmen. Und da der 11. November vor allem im Rheinland und in Bayern eine durchaus jecke Veranstaltung ist, haben wir unsere
Fähnchen in ein für Französen sehr geheimnisvolles Objekt der deutschen Küche gesteckt.

Katia aus Paris hat das in ihrem heutigen Beitrag - wie immer in unseren zwei
Sprachen - gut auf den Punkt gebracht. Die Links zu allen anderen Mitgliedern unseres Clubs finden Sie links (wo das Herz schlägt) in der Randspalte.
Ich verspreche, über die "Mariage mets vin", die "ideale Verbindung von Wein und Gericht", die auf Französisch so viel romantischer eine "Hochzeit" genannt wird,
nachzudenken und Sie an meinen Schlüssen teilnehmen zu lassen.
Ideen erfahrenerer Food- und Drink-Blogger (es können auch Männer sein), sind herzlich willkommen!
par Iris Rutz-Rudel
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