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Ihre Iris Rutz-Rudel

bis zur Weinernte wird noch einige Zeit vergehen - und vorher wagt in diesem Jahr wohl kaum ein Winzer, Prognosen über den Jahrgang abzugeben... aber diese Parzellen und Weinstöcke waren heute doch ein erfreulicher Anblick, wenn ich an die schwierigen Wetterverhältnisse dieses Frühjahrs und den kühlen, regnerischen Sommerbeginn zurückdenke, der meiner überstürzten Abreise nach Düsseldorf vorausging...
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Nur erstaunlich wenige Spuren von Verrieselung der Trauben, angesichts des extrem instabilen Wetters während der Blüte - auch so gut wie keine Spuren von Mehltau (Mildiou), wenn man bedenkt, dass der Weinberg in diesem Jahr von uns noch kein einziges Mal mit Kupferkalk gesprüht wurde. ... Einziges, bisher zu konstatierndes Problem: das kalt-feuchte Wetter vor meiner Abreise erlaubte es nicht, rechtzeitig wie sonst üblich mit Schwefelpuder gegen den falschen Mehltau (oidium) zu sprühen, der nur wirkt, wenn die Temperatur anschließend auf mindestens 25 °C ansteigt ... einige Trauben auf den engen Terrassenenden weisen nun den entsprechenden Pilzbefall auf...
3 Wochen nicht ganz freiwilliger Urlaub vom Weinberg, der es mit zum Glück nicht übel genommen hat, dass ich ihn Mitte Juni so schnöde im Stich gelassen habe und bei meiner Rückkehr in glühender Sommerhitze grün und gesund, mit sich langsam entwickelnden Trauben erwartete.
3 Wochen in Düsseldorf, beherbergt von lieben, großzügigen Freunden, deren Gastfreundschaft und Bewirtung mir immer wieder das Herz erwärmt...
3 Wochen, in denen Deutschland und natürlich auch Düsseldorf voll im Fieber der Fussballweltmeisterschaft lebten
3 Wochen mit hochsommerlichen Temperaturen, die Düsseldorf so nur selten
erlebt und bei denen auch meine Mutter auf unseren kleinen Ausflügen mit dem Rollstuhl in der Fussgängerzone von Erkrath ein kühles Eis genoss, während sie sich langsam von
ihrem Krankenhausaufenthalt, dem Anlass meiner Reise, erholte
3 Wochen, die mir diesmal etwas mehr Zeit ließen, meine alte Heimatstadt zu durchstreifen - auf der Suche nach Ruhe und Erholung und Frische für Körper und Geist...
Gefunden habe ich sie bei meinen Streifzügen rund um die Altstadt in den vielen Parks - seis' nun der Hofgarten oder der Rosengarten am Speeschen Graben, mit seiner wunderbar verwilderten Atmosphäre und den vielen Skulpturen - oder Heinrich Heine, erst spät geliebter Sohn der Stadt und Exilant.
Und neben Kaufhäusern und Boutiquen, die nicht zu meinen Lieblingsaufenthaltsorten zählen, sind vor allem die klimatisierten Museen für den hitzegeplagten oder fanmeilengeschädigten Promeneur nur zu empfehlen.
Ein Wiedersehen mit dem Glasmuseum Hentrich, in dem ich mit meinem Vater als Kind regelmäßig bei unseren sonntäglihen Besuchen im Kunstmuseum, damals noch vollständig im Ehrenhof gelegen, zu Gast war, überraschte mich so mit seiner atemberaubenden Sammlung moderner Glaskunst, dass ich für die Schatzkammer im neuen Untergeschoss gar keine Zeit mehr hatte.
Einen geplanten Besuch der laufenden Ausstellungen im Museum Kunst-Palast gegenüber - le Grand Geste - und Ein bläulich silberner Duft der Ferne (Schirmer) schaffte ich nicht mehr - so sehr schlug mich das vegetative Nervensystem von Gerda Steiner und Jörg Lenzlinger im Foyer in seinen Bann, das mich an so manche improvisierte Kreation in Lisson erinnerte:-)
Fortsetzung folgt!
Knabbern beim Wein, das Thema, der 34. Weinrallye, ausgerufen von Thomas vom Winzerblog, gehört
eigentlich nicht zu meinen Gewohnheiten. Wein wird von mir außerhalb der Kellerverkostungen eigentlich am liebsten und bekömmlichsten zum Essen getrunken - aber es gibt natürlich auch hier, wie
bei jeder "Regel", die ja oft auch nur eine gute alte Gewohnheit ist, Ausnahmen.
Auch wenn "Foodpairing", das kunstvolle Zusammenstellen von "Mets et Vin" - Essen und Wein - das in Frankreich oft gar mit einer Hochzeit - mariage - verglichen wird, in der Weinliteratur und in Kreisen der Weinliebhaber eine große Rolle spielt, bis hin zu marketingträchtigen Empfehlungen auf Weinbeschreibungen und Rückenetiketten, so muss ich zugeben, dass ich so manchen hervorragenden Tropfen schon zu schlichten Spaghetti mit Olivenöl genossen habe - andererseits fällt es mir schwerer, mir ein besonders gutes Essen mit einem eher langweiligen Wein zu verderben, wie man ihn leider zu häufig gerade im Restaurant oder auch manchmal bei Einladungen findet, deren Gastgeber zwar die Küche und ihre Zutaten pflegen, dann aber beim Wein eher auf Menge, als auf Qualität achten....
Aber da ich diesen Beitrag zum Thema eh schon verspätet abliefere - hier ein schönes Beispiel zum gestellten Thema, das mir auf meiner momentanen Deutschlandreise begegnet ist. Nach einem langen Reisetag mit den üblichen Strapazen und kulinarischen Grausamkeiten von Billigflugairlines und Flughafenrestaurants endlich bei lieben Freunden angekommen, gab es einen ersten Umtrunk auf der von der Abendsonne gebadeten Terrasse - ein frischer, gut gekühlter weißer Spanier, über den ich nicht viel mehr als den Namen weiß, fruchtig, ohne ins Süße abzugleiten, wurde dieser Malvasia aus der Appelation Toro von den Bodegas Francisco Casas S-A.
Von einem improvisierten Vorspeisenteller begleitet, auf dem frisch aufgeschnittener Gouda, feiner Schinken und dazu Pumpernickel und Vollkornbrot, die für mich die alte Heimat symbolisieren, für die notwendige Unterlage für das zweite Glas sorgten, mit dem auf die erfolgreich verlaufene Reise und den warmherzigen Empfang durch meine Freunde angestoßen wurde.
Beim dritten Glas gesellte sich der im Koffer mitgebrachte Ziegenkäse aus Roquebrun dazu und auch für ihn war der Spanier ein angenehmer, nicht zu aufdringlicher Begleiter
und die spät hinter dem Horizont versinkende Sonne ließ uns Zeit, in dieser entspannten Atmosphäre auch noch
das anschließende "richtige" Abendessen in aller Freundschaft zu genießen, bis nur noch die schmale Mondsichel und die Sterne am Himmel standen....
Immer noch viel Arbeit im Weinberg und daneben Planung für die neue Broschüre, denn bald soll der Jahrgang 2008 ins Angebot - und dann Lisson Wein auch leichter nach Deutschland kommen.
Und so nur beschränkte Aktivität im Blog - aber wenigstens ein paar aktuelle Bilder, die einen Eindruck von unserem Leben und unseren Aktivitäten im Mai vermitteln auf dem "Notizblock von Lisson", dem
das es mir erlaubt, in kurzen Notizen Material, das nicht oder noch nicht zu einem Blogartikel geformt werden konnte, für mich - und auch für alle, die sich für Lisson interessieren - festzuhalten.
einfach mal reinschauen und rechts auf Archive klicken:-)....
Wieder ein Beitrag zu einer Weinrallye von mir, der erst mit Verspätung ins Ziel kommt - aber es gibt halt sehr viel Arbeit im Weinberg im Moment und abends, trotz des schönen Ruheplätzchens nicht mehr so viel Energie und Konzentration, um noch genussvoll eine Flasche zu
öffnen und dann auch noch darüber zu schreiben... Aber Robert Freudenthaler vom Blog Vinissimus hat mir schon Absolution erteilt und
versichert, dass er auch einen Nachzügler zu dem von ihm für diese Weinrallye # 33 ausgerufenen Thema "Aromasorten - alles für die Nase" akzeptieren wird.
Auch ich habe zunächst an eine der typischen "Duftsorten" gedacht, wie den Muscat à petit grains (gelber Muskateller?), einer Spezialität ganz aus meiner Nähe, die entweder als Süßwein wie in der Appelation Muscat de Saint-Jean du Minervois oder auch als Muscat Sec durchgegoren, aber eben immer noch mit dem deutlichen Muscataroma. Auch mit einem Gewürztraminer aus dem Elsass habe ich geliebäugelt, die Weine aus dieser Rebsorte, wie sie Bruno Schueller aus Husseren les trois Châteaux erarbeit, sind mir immer gerne gesehene Gäste bei Tisch - leider waren sie das zu häufig im vorigen Jahr, es gab also kein Exemplar mehr im Keller.
Meine Wahl fiel also auf die letzte Flasche eines anderen, für Auge, Nase und Gaumen durch seine besondere, komplexe Aromatik
lieben Weins - dazu noch ein Wein, der von einer Winzerin stammt - und als Liquoreux ein idealer Begleiter zu einem improvisierten Toast mit
Gänseleber.

Die Rede ist vom Sauternes 2000 Cru Barréjats von Mireille Daret.

Die Gänseleber stammte von Joël Buraud, Serbat, 47 600 Nérac, Tel: 05.53.65.36.11 – einem kleinen Produzenten, der
uns seit Jahren auch per Post Gänsekonserven von gleichbleibender hervorragender Qualität liefert, das Brot, ein "pain du Somail“ von einem unserer beiden
Dorfbäcker Gosset-Granier in Olargues, besonders wenn es schon ein wenig abgelagert ist, eignet es sich hervorragend als Pfannentoast - mit
einer Spur Butter aufgebacken.
Aber zurück zum Wein - für einen Sauternes noch fast jung aber auch so schon ein großer Genuss. Man findet alle Aromen, die der Duft schon ankündigt -
Zitrusfrüchte, Orangen, Aprikosen, Honig und Gewürzkuchen auch im Geschmack wieder - aber was mir immer schon beim ersten Schluck das große, glückliche Lächeln aufs Gesicht
zeichnet, ist diese geschmeidige Umarmung meiner Zunge, die Streicheleinheiten aus Honig und Würznoten, die ein taktiles, fast erotisches Gefühl sind, ehe die
Geschmacksnerven sich analysierend einschalten, ein Vergnügen, das lange anhält, nachdem man sich schließlich entschlossen hat, diesen goldfarbenen Nektar durch die Kehle gleiten zu
lassen...

Wer mehr darüber wissen möchte, kann auf die Webseite des Cru Barréjats gehen, auch da erwartet uns ein wirklicher Augenschmaus. Diese
preisgekrönte Webseite ist eine Arbeit von Remi Loisel vom Studio Amarante. Wie alle seine Kreationen ein Feuerwerk von Bildern und Ideen, um die Besonderheiten seiner
Kunden und ihrer Passionen zum Ausdruck zu bringen. Besonders schön finde ich die Seiten: La ronde des arômes, auf der man
glücklich lächelnd durch die subtilen Nuancen der Farben der repräsentierten Jahrgänge tanzen kann...
Konklusion: Auge, Nase, Gefühl und Geschmack sind untrennbar, bei jedem Wein, werden sie aber gleichzeitig so umfassend befriedigt, wie bei diesem Wein, ist das Glück
perfekt und man kann sich ins Gedächtnis schreiben, dass man einem großen Wein begegnet ist:-)!
Soweit die schöne Geschichte - alles ist wahr, nichts frei erfunden - und so fand sie auch vor 3 Jahren eines schönen Frühsommerabends in Lisson statt - leider konnte ich sie diesmal nicht wiederholen, meine letzte, sorgfältig im Keller bewahrte Flasche dieses Nektar erwies sich leider als ein eindeutiger Korkschmecker.
Ersetzt wurde er also spontan durch einen Champagner von Francis Boulard, dem Winzerbloggerfreund, den Lesern dieses Blogs von der Weinrallye # 6:
Schaumwein bekannt und so war der Abend dann doch noch gerettet.
Verkostung Vinisud Off:
Die WinzerBlogger
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