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Les Knödels

Les knödels débarquent
sur la blogosphère
Die Knödel erobern
die Blogosphäre

       l-anim-knoedel.gif 

A l'est du Rhin:
Bretzel & Café Crème  Flo
Cueillir les Étoiles  Laure
Desperate Hausfrau Schatz
Les Joues Roses La Grenouille
Marmite d'un p'tit point Clairechen
Tambouille & Délices Sonia
Tambouille et Gourmandise  Frédée
Tambouille & Pistouille Ellie
Tomaten Quiche Marion
Viaggiodinozze Jeanne
Wie Gott in Deutschland Véronique

A l'ouest du Rhin:
A Moveable Feast  Ulla
Bolli's Kitchen  Katia
Lisson: journal
d'une vigneronne
Iris
Weingut - Lisson:
ein Winzertagebuch
Iris


 

soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.
Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel

Jeudi 10 janvier 2008

undefinedDas heutige Thema, "alles außer Glas", also Bag in Box, Tetrapack und andere Weindosen, obwohl schon lange im Voraus vom Kaulweinblog angekündigt, scheint nicht nur mich vor Schwierigkeiten gestellt zu haben. So geht es auch mir so, dass ich vor den leicht erhältlichen Kanistern (bzw. inzwischen ja BiBs - Bag in Box) , die hier überall auf der Erde gestapelt auch aus lokaler Produktion beim Lebensmittelhändler oder sogar beim Fleischer (siehe Bild unten) erhältlich sind, zurückschrecke, weil ich nicht weiß, was ich mit den restlichen 4,9 Litern dann machen sollte.

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Als ich etwas mehr über die Weine  auf dem Foto wissen wollte, fand ich sie auf der Webseite der Coopérative  von Roquebrun (AOC Villages Saint Chinian) unter "Tonnelet" also kleines Fass, sehr witzig.

Es gibt hier (wie bei meinem schon erwähnten Metzger und auch überall sonst), eine durchaus große Auswahl:

AOC Saint Chinian rot , Cave de Roquebrun, 5 L, 2006, 14,90 €, gibt's auch in der 10 L Box für 27,45 €. Etwas preiswerter als AOC Coteaux du Languedoc und am preiswertesten als Vin de Pays Haute Vallée de l'Orb mit 10 Litern für 20,95 €. Hier übrigens mit einem Anteil von 25% einer Rebsorte, von der ich noch nie gehört habe, dem oder der "Consault". Ich konnte nichts darüber im Internet finden, es handelt sich aber vermutlich um eine (wohl produktive) Kreuzung von irgendwas mit Cinsault, der klassischen Traubensorte im Süden für leichte, fruchtige Weine und Rosés.

AOC/VDQS Weine
machen übrigens schon 30% des BIB-Markts aus.

Leider paßt diese Verpackung einfach nicht zu meiner Art des Weinkonsums. Der ist eher mäßig, deshalb lege ich Wert auf beste Qualität, selbst eine Flasche reicht manchmal über die Woche. Und bei Besuch, selbst wenn darunter eine Mehrheit als Vieltrinker bekannter deutscher oder englischer Gäste ist, bricht mein pädagogischer Eros durch, der hofft, dass sie vielleicht doch einmal den Unterschied schmecken und ich verzichte auf "Geiz ist geil" und hole aus dem Keller, was da an guten, zur Einführung vielleicht eher frucht- als tanninbetonten Weinen so lagert.

Leider ist bei den meisten Gegeneinladungen nicht damit zu rechnen, dass mir das mit Gleichem vergolten wird. Hier probiere ich immer mal wieder ein Glas dieser "Fotainenweine" (so werden sie auch gerne genannt), bei dem es dann auch wegen mangelnder Begeisterung meiner Geschmacksnerven bleibt -  weshalb ich auch immer ohne Probleme recht unkalkoholisiert auf der Rückfahrt das Steuer übernehmen kann... danke, liebe Freunde!

In örtlichen Bistros und Restaurants, wo die BIBs inzwischen für die offenen Weine auch Einzug unter der Theke gehalten haben, ist es mir manchmal lieber, ein Glas "Spezialbier" (es gibt fast überall eine breite Auswahl guter - belgischer - Marken) zu trinken, als mir den oxydierten  Hauswein anzutun. Dabei kann man bei den Rotweinen, falls sie noch nicht zu lange angezapft wurden (Haltbarkeit im BIB 6 Monate, nach Öffnung maximal 3 Wochen bei guter Kühlung) zur Pizza oder zum Steak Frites noch glimpflich davonkommen. Deutsche Touristen, die im Sommer ein Glas offenen Weiswein auf der Terrasse ordern, halte ich, falls es nicht ihr allererster Versuch ist, allesamt für Masochisten!


Wegen des schlechten Wetters in den letzten Tagen, habe ich es leider nicht geschafft, mich bis zum nächsten, wohlsortierten größeren Supermarkt durchzukämpfen (immerhin ca. 25 km entfernt), um  nachzusehen, wie weit die kleineren Alternativverpackungen, wie Tetra-Packs und Blechdosen, über die ich viel im Internet gelesen habe, dort inzwischen ihren Einzug gehalten haben. 1 Liter oder gar 0,25 Liter wären für den Selbsttest ja eine durchaus bekömmlichere Menge.

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Davon kommen, nach Testläufen in den letzten Jahren in USA, Kanada, Großbritannien und den skandinavischen Ländern, auch in Frankreich immer mehr auf den Markt. Irgendwie muß der Weinsee doch trocken zu legen sein. Da läuft das French Rabbit, das französische Kaninchen der Gruppe Boisset (Clos de Tart), um die Wette mit Produkten von Cordier und Duboeuf, alle nicht gerade Zwerge auf dem Weinmarkt.  Die Verkaufsargumentation geht von modern, leicht, praktisch mitzunehmen bis hin zu ökologischen Argumenten mit Recycling. Für 4 verkaufte französische Kaninchen wird in Kanada ein Baum gepflanzt und auch die Wiederverwertbarkeit wird illustriert. Es werden schon lange nicht mehr nur einfache Massenweine unbekannter Herkunft abgefüllt, sondern, wie in den BIBs auch AOC-Weine, nicht nur das  Languedoc, sondern auch Bordeaux sind in das Geschäft eingestiegen.

Die Marktanalysen in Frankreich sprechen, selbst bei jungen Leuten, zwar noch von einer Tendenz, den Wein als kulturelles Erbe anzusehen und so beim Packeging eher die "klassischen" Formen zu bevorzugen. Aber das gilt wohl doch hauptsächlich für den "festiven" Wein, wo die Flasche (und auch möglichst das Plop des Korkens, sei er denn auch aus Kunststoff) zum Outfit einer festlichen Tafel gehört.

Für die Hauptkonsumenten, für die der Wein, wie im vorigen Jahrhundert, noch ein Nahrungsmittel ist, das zum täglichen Essen gehört, zeigt sich zu meinem Erstaunen, dass die BIB-Konsumenten eher in den großen Städten leben und eher ältere Menschen (80 % über 50) und kinderlose Paare sind. Dabei zählen die "gutgestellten" Haushalte eher zu den BIB-Kunden als die aus der Kategorie "bescheidene Einkünfte". (Quelle hier)

Aber, wie es weiter so schön heißt: "Das kulturelle Gewicht der Flasche im Weinuniversum hindert aber andere Operateure nicht daran, in die Marktlücke der Weinkartons zu investieren. Die Firma Trilles (Val d'Orbieux - bekannt durch den so beliebten "Vin Mythique"), hat eine Palette von Vins de Pays d'Oc in 25 cl Kartons herausgebracht, die direkt aus der Verpackung getrunken werden können, mit einem Premium Teleskop Trinkhalm." was auch immer das sein mag. Die Seite der Firma ist im Moment leider "außer Betrieb".

"Der Bordeaux Händler Cordier setzt auch auf den Tetra Prisma 25 cl, aus zwei Bordeaux-Rebsorten, indem er Tandem als AOC Bordeaux auf den Markt bringt, mit einem "sensorischen" Trinkhalm mit mehreren Düsen, der "das gleiche Gefühl im Mund wie beim Trinken aus dem Glas" erzeugen soll." (hier)

"Dieser Markt für Spaßweine für den Nomaden-Konsum und/oder das Freilufttrinken führt auch zur Entwicklung von Büchsen  (siehe oben) oder mit Aluminium verschlossenen Gläsern."

Davon konnte ich schon nach meiner letzten Deutschlandreise aus dem TGV berichten (hier).

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Selbst Michel-Edouard Leclerc, Besitzer einer der größten Supermarktketten Frankreichs, führt in seinem Blog aus, dass, obwohl er sich anfangs irrte, weil er nicht an den Siegeszug des Weins in BIBs und Kartons glauben wollte, diese Form der Verpackung inzwischen schon 11,2% der Umsatzsumme und 18% des Umsatzvolumens in seinen Läden ausmacht. Leclerc besetzt inzwischen 20% des Bag in Box Marktes. 

Soweit also mein "Nichtartikel" für diese Ausgabe der Weinrallye. Ich hoffe, dass der Leser doch ein paar interessante Einzelheiten erfahren konnte und mir so verzeiht, dass bei mir auch in Zukunft der Normalfall einer Verkostung von Wein, der nicht aus der Flasche kommt, bei der Fassprobe in meinem Keller stattfindet.

Aber noch mal ein großes Bravo für all die tapferen Selbstversuche der anderen Rallyeteilnehmer, die ich heute schon gelesen habe und die uns der Kaulwein-Blog dann sicher in voller Breite vorstellen wird.



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye commentaires (0)   
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Vendredi 4 janvier 2008
Zum neuen Jahr gab's einen fulminanten Auftakt mit Sturmwarnung über der Küste des Golf de Lyon und Extra-Warnung für unser Hinterland des Espinouse wegen nächtlicher Gewitter mit starkem Dauerregen.

Meteo France hatte sich nicht getäuscht. Auch wenn wir auf unserer Talsohle vor den starken Windböen besser geschützt sind als die Mittelmeerküste, so wurden wir doch in den Stunden nach Mitternacht von Blitz und Donner wachgehalten. Auch am Morgen ist noch keine Sonne zu sehen, eine Wiederauflage von "singing in the rain" , von dem ich ja auch in vergangenen Jahren von Zeit zu Zeit berichten konnte.


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Am beeindruckendsten ist dabei wohl immer die Geräuschkulisse rings ums Haus. Unsere sonst trockenen Schluchten und das kleine Bächlein von Lisson verwandeln sich in rauschende Sturzbäche und die zahlreichen Wasserfälle erfüllen mit ihrem Tosen die Luft, auch wenn der Niederschlag längst wieder abgenommen hat.

An einen Ausflug ins Dorf ist dann für 24 Stunden nicht zu denken, die Furt über den Weg wäre unseren Motoren nicht zuträglich und auch die Gummistiefel sind nicht hoch genug...


wasserfall  wasserfall  undefined  undefined  die Furt

Also bleiben wir im Trockenen, kontrollieren von Zeit zu Zeit den Wasserstand in den Nebengebäuden (nicht besorgniserregend) und trösten uns damit, dass der Blitz die Telefonleitung nicht erwischt hat und auch noch kein Baum auf die Leitung gestürzt ist. Wasser können wir nach dem recht trockenen Jahrgang 2007 gut gebrauchen. Cela refait les reserves - das füllt die Vorräte wieder auf. Und irgendwann kommt nach Regen ja auch wieder Sonne und die Arbeit im Weinberg kann weitergehen.

In diesem Sinne wünschen wir allen Freunden von Lisson noch ein gutes, feuchtfröhliches Neues Jahr. Möge sich all das Wasser in guten Wein verwandeln!







par Iris Rutz-Rudel publié dans : Allgemeines commentaires (0)   
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Dimanche 23 décembre 2007

Langsam geht auch dieses Jahr  seinem Ende entgegen.  Schnee und Eis  haben sich schon wieder verabschiedet.

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So, wie wir uns darüber freuen können, dass seit gestern die Sonne wieder täglich später unter geht, die für uns auf der Talsohle dunkelste Zeit des Jahres also langsam wieder vorbei ist, so zeigen sich auch unter Frost und Eis schon die kleinen Rosenknospen, die uns schon aufs Frühjahr und seine neuen Blütenträume hoffen lassen.

Im Weinberg sollte es durchaus ruhiger zugehen: hier steht noch der gesamte Winterschnitt bevor und es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass die alten Triebe verholzen und der Saft sich auf die Stöcke und Wurzeln konzentriert, ehe ein neuer Zyklus anbricht.

Ein paar Tage Ruhe zum Jahreswechsel werden wir genießen, denn zu guter Letzt hat uns doch noch die Erkältungswelle, die im Tal grassiert, erreicht und unsere Ernegien etwas lahm gelegt.  Da ist es gut, dass wir eh keine Feiertagspläne hatten - Geschenkerummel schenken wir uns schon lange - Festtagsvöllerei muss auch nicht sein - also einfach ein paar friedlich, besinnliche Tage als Pespektive, bevor es mit neuen Kräften wieder ins Gelände geht.

Und so steht für den ersten (und in Frankreich einzigen) Feiertag zwar Wildschwein auf dem Programm - ein, wie der diesem Blog geneigte Leser inzwischen weiß, Dauerthema in Lisson. Aber eben nicht in seiner unverdaulichen Form als Eindringling im Weinberg oder schwer verdaulich mit Klößen, sondern sehr informativ auf dem Bildschirm:

In der Reihe Arte-Wunderwelten wird am Dienstag, dem 25. Dezember um 12 Uhr 35  der sehr sehenswerte Beitrag

Japan - Brennpunkt Wildschwein

von Motohito Nishibashi wiederholt, der uns 46 Minuten lang die Erkenntnisse von Professor Eguchi aus Tokio vorstellt:


"Wildschweine haben es Professor Eguchi aus Tokio ganz besonders angetan. Entgegen aller Vorurteile und Abneigungen in der Bevölkerung fand er heraus, dass sich hinter deren schwerfälligen Erscheinung ungeheure Kraftpakete mit großer Lernfähigkeit verbergen. Für Bauern bleiben die gefräßigen und wehrhaften Tiere stets Feinde ihrer Landwirtschaft. Professor Eguchi hat es sich zur Aufgabe gemacht, eben diesen Ruf in Frage zu stellen und das ungeliebte Borstenvieh und seinen Bestand zu schützen.

Im Bezirk Shizuako liegt ein Freizeitpark, der sich die außergewöhnlichen Fähigkeiten der Tiere zu Nutzen gemacht hat. Seine Attraktion: dressierte Wildschweine. Der Besucher kann die Tiere bei zahlreichen, ausgefallenen Renn- oder Schwimmvorführungen erleben. Für Professor Eguchi ist der Park jedoch in erster Linie ein hervorragendes Versuchslabor, in dem er die Tiere und ihr Verhalten beobachten kann. Zusammen mit seinen Studenten führt er Experimente durch, um herauszufinden, wie man Bauern helfen kann, deren Felder von Wildschweinen heimgesucht werden. Er nimmt die Sorgen der Bauern ernst und bemüht sich, mehr über Wildschweine zu erfahren, um sie in der Folge auch besser schützen zu können."

Die duchgeführten Experimente ergänzen unsere eigenen Beobachtungen zum Verhalten dieser Tiere in freier Wildbahn und geben durchaus interessante Hinweise darauf, wie man z.B. einen Elektrozaun so konstruiert, dass er wirklich als Hindernis wahrgenommen wird. Wir haben ja schon mehrmals über unsere Schutzmaßnahmen berichtet und Klaus hat auch in Fachkreisen schon erregte Diskussion mit seinen Fragen nach technischer Information ("wieviel Ohm hat ein Wildschwein?") ausgelöst (siehe hier).  Durchaus auch lesenswert für den technischen Laien, da unser Thema auch bei Elektronikern zu einen wahren Sturm von kuriosesten Ideen geführt hat.

Dass auch im japanischen Beitrag "Hausmittel", wie Löwenexkremente, zur Sprache kommen, hat uns amüsiert -  beliebt sind auch "Humanurin" und "Menschenhaare" - aber die Studien über das konkrete Sprungverhalten der Wildschweine oder den Einsatz von Schafherden zur wildschweinabschreckenden Landschafts- und Brachenpflege sind  durchaus weniger exotisch und auch (oder gerade) in Europa leichter umzusetzen. Zumal hier auch die gleich mitgedachte Weiterverwertung von Hammel- und Lammfleisch auf ein empfangsbereiteres kulinarisches Umfeld stößt, als in Japan...

Vielleicht gehören dann irgendwann solche Bilder wirklich nur noch ins Reich der Fantasie....

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In diesem Sinne: Frohe Feiertage!




par Iris Rutz-Rudel publié dans : gelesen oder gehört commentaires (3)   
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Mardi 18 décembre 2007
weinrallye-200.jpg
Die 6. Weinrallye, ausgerufen von Lars vom Blog Schreiberswein, stellte uns vor die Frage: "Mit welchem Schaumwein feiert ihr ins neue Jahr?". Dazu erfuhr man, dass der heutige Tag, der 18. Dezember gleichzeitig auch der Internationale Tag der Migranten ist. Also für mich doppelter Anlass, einen Beitrag von Lisson vorzubereiten.
Seit Mitternacht berichtet Lars schon über den Zwischenstand, etliche Schaumweine haben es schon über die Ziellinie geschafft.

Um regional zu bleiben, hätte ich nun über eine Blanquette aus Limoux, klassisch oder nach der méthode ancestrale, berichten können. Oder über eine Clairette  oder einen Crémant de Die.
Aber es geht ja um einen besonderen Anlass, nämlich um den Übergang ins neue Jahr und da sollte es schon ein besonderer Schaumwein sein. Also heißt es hier und heute:

Vive le Champagne!

zwei-gaeser-champagner.jpg

Dass es sich dabei schon um ein besonderes Getränk handelt, fiel mir vor ein paar Jahren auf der Prowein in Düsseldorf so richtig auf. Damals arbeitete ich als Dolmetscherin am Stand eines französischen Champagnerhauses aus Reims und stellte während der drei Messetage fest, dass kein einziger der professionellen Kunden an diesem Stand auch nur ein einziges Mal den Spucknapf benutzen wollte, der an Weinständen, außer von eingeschlichenen Privatbesuchern, sonst immer fleißig gefüllt wird. Obwohl ich schon für diverse Winzer auf Messen gearbeitet habe und dabei natürlich schon aus Prinzip (schließlich "arbeite" ich ja) nicht schlucke, muss ich zugeben, dass es auch mir nicht möglich war, den Nektar mit den prickelnden Bläschen wieder auszuspucken.

Nach dieser Erfahrung konnte ich den von Lily Bollinger überlieferten Spruch besser verstehen:

Ich trinke ihn, wenn ich froh bin
und wenn ich traurig bin.
Manchmal trinke ich davon, wenn ich
allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe,
dann darf er nicht fehlen.

Wenn ich keinen Hunger habe,
mache ich mir mit ihm Appetit.
Wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn
mir schmecken.
Sonst aber rühre ich ihn nicht an.
Ausser, wenn ich Durst habe.

Zitat gefunden in  einem Buch über Champagner (Christian Göldenboog, Klett-Cotta, 1998), dessen Autor auch an unserem Stand Halt machte. Es enthält alles, was man immer schon über dieses Getränkt wissen wollte - und vieles mehr, z.B. auch die Erklärung zu Aussage : "Kluge Liebespärchen trinken nie Champagner".

francisblogboulard.jpgAber jetzt zu meinem Auserwählten: einem Champagner von Francis Boulard, Ihnhaber, mit seiner Frau Jeanne, des Guts Champagne Raymond Boulard aus
Cauroy les Hermonville.

Francis habe ich zwar noch nicht persönlich getroffen, aber da er auch zu den emsigsten französischsprachigen Winzerbloggern gehört, sind wir auf diesem virtuellen Weg inzwischen durchaus Freunde geworden.

Seine schöne Webseite wird durch den Blog, der uns an Francis Arbeit in Weinberg und Keller, aber auch an seinen Reisen und Entdeckungen auf internationalen Weinmessen teilnehmen läßt, lebendig ergänzt. Nicht zuletzt die wunderschönen Fotos aus der Champagne lohnen, sich einmal durch seine Archive zu klicken.

Die ersten Flaschen von Champagne Boulard sind übrigens durch einen "Ringtausch" in meinen Besitzt gelangt. Und so hatte ich das Privileg, Ende 2005, nein, nicht an Sylvester, sondern zu einem improvisierten Essen mit Freunden, die um Lisson frische Steinpilze gesammelt hatten, die legendere Cuvée La Comète zu genießen.


comete-2000.jpg

Dabei handelt es sich (und hier übersetze ich Ihnen den französischen Text des Gutes), um eine Cuvée, die von langer Hand vorbereitet wurde. Der Grundwein für diese zweite Cuvée des Jahrgangs 1986 lagerte 12 Jahre in den Kellern des Gutes, um seine qualitative Höchstform für das Jahr 2000 zu erreichen. Ein vollreifer Champagner, der für die Liebhaber alter Jahrgänge reserviert wurde. 1986 war der Jahr des Halleyschen  Kometen, daher der Name. Die hier assemblierten Crus stammen aus 7 traditionellen Lagen, darunter der Grand Cru Vallée de la Marne-Rive Droite und der Montagne de Reims.

etiquette-comete2.gif

Die Rebsorten sind :
    weiße Trauben : Chardonnay 60 %,
    rote Trauben: Pinot Noir 20 % et Pinot Meunier 20%.

Böden: Kalklehm und Kalk-Lehm-Kieselerde Böden.

mittleres Alter der Reben : 30 Jahre.
Handlese "halb-spät", um eine optimale Reife zu erreichen, einen natürlichen hohen Zuckergehalt und volles Aromenpotential. Strenge, wiederholte Auslese im Weinberg.

Die einzelnen Chargen wurden auf einem Membrankelter, der 4000 Kilo faßt, sanft gepresst. Nur die Cuvées, die das höchste Alkoholpotential hatten, sowie die speziellen Geschmackskomponenten, die für den Jahrgang aussagekräftig waren, wurden für die Erarbeitung dieses Jahrgangschampagners ausgewählt. Die Weinbereitung erfolgte klassisch  in kleinen  Edelstahltanks mit 50Hl. Kältebehandlung, keine malolaktische Gärung. Dieser Champagner wurde nicht dosiert (bei der endgültigen Abfüllung wurde kein Zucker mehr zugefügt).

bulles.jpg
Meine Verkostungsnotizen erinnern mich an die feinen Perlen, die in den Gläsern aufstiegen, an den warmen Bernsteinton und die vollen Aromen, in denen eine leicht oxydative Note sich vereinte mit den Aromen von Honig und Früchten (wie Quitten), die eine ideale Vereinigung mit unserer Choucroute eingingen.

Leider kann ich diese Erfahrung zu Sylvester nicht mehr wiederholen. Aber es wartet eine weitere Flasche von Francis auf uns: diesmal wird es seine Cuvée Petraea sein, deren Korken knallen wird.

etiquette-petraea2.gif

Auch hier geben die Ziffern XCVII - MMIV wieder Aufschluss über den Werdegang der Cuvée. Der Name Petraea stammt von der Eichensorte der Quercus petraea, aus der die feinsten Eichenbretter (merrains) für die Fabrikation von Eichenfässern gemacht werden.  Es ist eine Assemblage aus den Ernten von 1997 (XCVII) bis 2003 (MMIV). Die drei ersten Jahrgänge wurden dabei in Eichenfässern  (Quercus Petraea) vinifiziert und ausgebaut getrennt nach Rebsorten und Lagen. Die Fässer waren Barriques, die bereits 3 Weine enthalten hatten, mit nur 10% neuen Holz. Die Assemblage erfolgt erst kurz vor der Abfüllung auf Flaschen.

Anschließend wird jedes Jahr der neue Wein des Jahrgangs hinzugefüllt, im Rahmen eines Viertels ders Gesamtvolumens. Von diesem Mischsatz wird dann jeweils die dieser "Auffüllung" entsprechende Menge abgezogen und auf Flaschen gefüllt, da man ja jedes Jahr nur einen Teil des Gesamtvolumens abzieht.

Dieses Prinzip wird Solera genannt, es erlaubt die Präsenz alter Jahrgänge in der Assemblage: eine Solera, die vor 50 Jahren begonnen wurde, enthält also immer, wenn auch nur noch in geringen Mengen, Weine, die bis zu 50 Jahre alt sind, da eben immer nur soviel jährlich davon abgefüllt wird, wie vom neuen Jahrgang dazukommt. 

Es ist diese "Basis" von 75% älteren Weinen in der Reserve, die es möglich macht, eine gleichbleibende Qualität, unabhängig vom Jahrgang zu erzeugen, die auch die Lage gleichbleibend zum Ausdruck bringt.

Cuvée Petraea :

Gobales Volumen = 75 hl, + ou - 25 hl die zugefügt und abgezogen werden. 
Natürliche Hefen. Weinbereitung ohne Schönung und Filterung. Aufrühren der feinen Hefen der neuen Ernte, je nach Maßgabe des Jahrgangs. Für die Phase der Schaumbildung wird der Druck auf 5at/cm2 beschränkt (statt 6at für die klassischen Cuvées), um einen feinen, diskreten Schaum zu erhalten, der die Struktur und den Weincharakter der Cuvée besser unterstreicht, ohne die Eleganz zu mindern.

Dosierung : 7 g / l. Traubenmostkonzentrat.
Assemblage :
Pinot Noir 60 % + Pinot Meunier 20 % + Chardonnay 20 %.
Mittleres Alter der Reben: 30 ans.

(Preis im Fachhandel zwischen 24 und 28 €)

champagner-petraea.jpg
Soweit also die theoretische Vorbereitung auf den Sylvesterabend - bisher ist der Genuß noch rein virtuell...

champagner-bulles.jpg

.. aber dann werden sie wieder aufsteigen im Glas, les fines bulles, die feinen Bläschen, die uns so beleben und inspirieren und mit denen wir anstoßen werden, auf ein hoffentlich gutes Neues Jahr!


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye commentaires (4)   
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Dimanche 16 décembre 2007

Auch im Süden Frankreichs  breiten manchmal düstere Wolken ihre Schwingen aus.

schneefl--gel.jpgFoto: Klaus

Schnee fällt über Nacht - aber schon der nächste Morgen bringt wieder wohltuenden Sonnenschein.

Schnee und Eis sind schnell  abgetaut

tauwetter.jpg
Unser Bergpanorama erscheint wieder klar und reingewaschen.

berg.jpg



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut commentaires (0)   
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