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Ihre Iris Rutz-Rudel

Nachem die Trauben dieses Jahrgangs und der nicht gerade leichten Ernte2010 endlich heil im Keller gelandet und dort versorgt und überwacht waren, stand der jährlichen Winterreise nach Deutschland nichts mehr im Wege.
Und wenn mein letzter Besuch in Düsseldorf im Juni/Juli voll unter dem Zeichen von Sonne und Hitze und ausgelassener Weltmeisterschaftsstimmung bei meinen Landsleuten stand, eine ungewöhnliche Periode, die vollan den bevorstehenden Klimawandel glauben ließ und bei dem ich Abkühlung eher im Museum als in der freien Natur suchte und fand stand, so fand ich schon kurz nach meiner Ankunft Ende November eine ganz andere Ambianz vor:
Schnee, früher als sonst auch hier, verwandelte die Stadtlandschaft während meines ganzen Aufenthalts (und noch Wochen darüber hinaus...)...
ich nutzte meine wenige freie Zeit für windgepeitschte, aber noch sonnenbeschienene Winterspaziergänge im Medienhafen, der mich durch seine Mischung aus neuer und alter Architektur immer wieder fasziniert...l
auch die allgegenwärtigen Weihnachtsmärkte in den Straßen, voll in holländischer Hand auf Seiten der Besucherströme, wenn mich meine Ohren nicht getäuscht haben, ließen sich nicht vermeiden . Neben dem vielen austauschbaren Folklorekitsch made in China gab es hier und da aber auch ein paar originelle Ideen und lokale Produkte zu entdecken...
und ein großartiges Weihnachtskonzert in der Philharmonie in Essen - zwei Violinkonzerte von J.S. Bach und nach der Pause (und vor dem Sturm auf große Buffet) die Neunte Sinfonie von Beethoven - großes Orchester der Philharmonie unter dem jungen, feurigen Chef aus Litauen, Ainars Rubikis, mit den 4 Solisten und dem weltweit bekannten Chor des Musikvereins Düsseldorf - ich war für Bach gekommen, der mir sehr lieb und vertraut ist - Beethoven, den ich für seine späten Streichquartette liebe, war eher eine blasiert erwartete Zugabe... und dann war es ausgerechnet diese zweite Partie des Konzerts, die mich mitriss... der bunte Wahnsinn des letzten Satzes, gespielt und gesungen mit solcher Begeisterung, dass es mir fast wie ein French CanCan in die Beine ging... eine echte Ode an die Freude an diesem Abend -seid umschlungen, Millionen... und dann nach der standing Ovation des begeisterten Publikums noch die ganz persönliche Freude, unter den 100 Choristen aus meiner Heimatstadt eine ehemalige Klassenkameradin zu entdecken, und beim Lauf durch die Kulissen des Festsaales einzufangen die ich seit 45 Jahren nicht mehr gesehen hatte... j
dazu die warmherzigen und köstlichen Essen unter Freunden, mit meinen Gastgebern, das Wiedersehen mit alten Besuchern, Abende bei Freunden meiner Freunde, gemeinsam im Restaurant ....
und dabei natürlich auch unzählige Weine aus allen Ländern und in allen Farben, das Vergnügen, Deutsche Weine, nicht nur Riesling und Weiße, sondern auch ausgezeichnete Rote, zu entdecken, aber auch eine breite Palette von Weinen aus anderen Ländern, wie man sie iim immer noch sehr weinchauvinistischen Frankreich so leicht und in so großer Vielfalt nur selten findet...
und natürlich das Wichtigste: die Zeit, die ich mit meiner Mutter verbringenkonnte... auch wenn ihr
langsames Entgleiten in die Demenz oft noch schmerzhaft für mich ist...die Freude, uns zu sehen überwiegt und auch dieses neue Verhältnis, das sich daraus entwickelt, gehört zu den Digen, die das
Leben uns lehrt...und läßt viele der Probleme,die uns sonst den Kopf bevölkern, recht nebensächlich erscheinen...
Das Thema der heutigen 40. Weinrallye wurde von
Wolf Hosbach, dem Blogger von Hausmannskost ausgerufen:
Autochthone Rebsorten.
Und da uns Thomas, vom Winzerblog schon einmal im April 2009 eine ähnliche Aufgabe gestellt hatte, ist es mir ein leichtes, zu
diesem etwa schwierigen Zeitpunkt des Jahres, da schon etwas ausgefüllt von all den Feiertagen und zusätzlich noch erschwerten Lebensbedingungen durch selbst hier spürbare starke Kälte und Frost,
ein besonderes lokales Produkt, das genau zu Wolfs Aufgabenstellung paßt, hervorzuholen: nämlich den Wein - und da auch nur auf einen ganz speziellen, der aber voll den von Thomas geforderten Kriterien
entspricht.

Und es ist er, der auf der
Suche nach alten, an Klimat und Boden angepasten Rebsorten, sich an diese letzte Reihe fast vergessener Rebstöcke erinnerte, die noch seit der Zeit seiner Vorväter ihr Leben fristeten:
Der Ribeyrenc, den man auch Aspiran nennt, oder
auch Spiran, Espiran (schon 1686 von Magnol) erwähnt, Espirant noir, Epiran, Piran. Im Aude heißt er : Riveyrenc, Riveyrène, Riverain (ein
Name, den man auch für den Rosé im Var findet), Verdaï, Verdal noir, Peyral, Peyrar. Ferrandel (in einer alten Rebsammlung in Saumur). Rutherglen (in
Australien).
all das lernen wir auf der Seite der ehrwürdigen ENSAM

Wenn Sie alles über die abenteuerliche Geschichte der Rettung und Wiedereinführung dieser fast vergessenen Rebsorte erfahren wollen, die natürlich aufgrund der sehr strengen französischen Pflanzbestimmungen (was nicht aus der Liste der "erlaubten" Rebsorten für eine Anbaugegend steht, ist automatisch "verboten"), und des Französischen ein wenig mächtig sind, können sie die Geschichte direkt aus dem Mund des Retters, Thierry Navarre - und mit dem so schönen lokalen Akzent des Midi, hier sehen und hören.
Die Gärung in unseren Tanks ist nun schon lange abgeschlossen. Der Saft, den uns die Trauben in den zwei Ernteperioden dieses Herbstes lieferten, haben sich allmählich in den zukünftigen Jahrgang 2010 verwandelt.
Wir haben in Lisson eingentlich noch nie das Problem gehabt, die Temperaturen "automatisch" regeln zu müssen, was ja meist heißt, dass die Maische heruntergekühlt wird, um die Gärung zu verlangsamen und einen zu schnellen Ablauf und das gefürchtete "Überschäumen" der Tanks zu vermeiden und die empfindlicheren Fruchtaromen nicht zu zerstören. Dafür liegen unsere Ernteperioden schon zu spät im Herbst und die frischen Nächte hier in den Vorbergen der Cevennen regeln das ganz natürlich für uns.
Eher könnten wir die Befürchtung haben, dass unsere Spontanhefen aus Weinberg und Kellerumgebung es manchmal schon ein wenig zu kühl finden, um den Zucker zügig zu vergären und deshalb geneigt sein, die Temperatur eher anzuheben. Auch dafür bietet die Industrie natürlich schon längst die entsprechenden energieaufwändigen Apparaturen an - wie die Klimaanlagen in Haushalt oder Autos sorgen diese Systeme, die entweder in den Tank eingehängt werden, oder schon außen in die Wand des Tanks eingebaut sind, für die vom Winzer als notwendig erachtete Temperaturführung.
Nun, unsere Erfahrung hat gezeigt, dass wir auch da nicht auf unserer "No-Watt" -Prinzip, das unseren Altag so weit wie möglich bestimmt, verzichten müssen. Ein paar überzählige Decken oder eine gerade zur Verfügung stehende Pappe, ein guter Gurt - und schon kann man für jeden Tank die Isolierung improvisieren, die ihm hilft, seinen Inhalt vor dem nächtlichenTemperaturabfall zu schützen. Man muss sich nur zu helfen wissen.
Und auch die Überwachung der ersten Hefeaktivitäten kann ganz einfach von statten gehen: wenn die ersten CO2 Blasen sich ihren Weg durch die Maische bahnen, hilft ein altes Stethoskop, ihrem beruhigenden Geräusch zu lauschen:
blub, blub, blubblubblub...
einatmen... ausatmen...
und so zeigt auch jede Probe die Veränderung an
und die Überprüfung mit dem Mustimeter zeigt dann, wie nach und nach nur noch wenige Grade Traubenzucker zu verwandeln sind - der neue Wein zeichnet sich ab, jedes Jahr das gleiche kleine Wunder - für den Mourvèdre vor allem das Auftauchen der floralen Geißblatt- und Rosen-Noten, die dann im Laufe der Ausbaus von eher würzbetonten überlagert werden...und wenn im Spätherbst noch eine leichte Trübung die Aktivität unserer Hefen belegt...
so werden die Proben dann immer klarer
und so konnte ich nach Einbringen der letzten Trauben und dem Abstich des Tanks in die winterlich kühle Ruhe des Barriquekellers Ende November, dann doch noch in Ruhe meinen Winterbesuch in Düsseldorf antreten...
Vaut mieux tard que jamais, sagt der Franzose, also wage ich es, meinen Beitrag zur 39. Weinrallye "Wein und Humor", ausgerufen von Carsten
Henn vom Vinum Blog schon für den 19. dieses Monats, heute doch noch zu veröffentlichen.
Und da in Deutschland ja bekanntlich die Pünktlichkeit die Höflichkeit der Könige ist, hier noch meine Entschuldigung für den Gastgeber von Vinum: am Rallyetag befand ich mich hoch über den Wolken auf dem Weg nach Deutschland - und "jetlag oblige" - komme so erst nach Einlauf aller Teilnehmer und bereits im Stechschritt erfolgter Veröffentlichung der Rallyezusammenfassung zu diesem kleinen Nachklapp aus französischer Sicht. Milles excuses, möge man mir verzeihen!
"Nachrichten aus der Welt des Weins, die schon an Realsatyre grenzen", hätten mich ja auch gereizt, aber die lasse ich mir jetzt für lange Winterabende - heute geht's kurz und bündig, nach dem Motto, ein Bild sagt oft mehr als tausend Worte.
Und das haben sich auch in diesem Jahr einige meiner französischen Kollegen aus dem Beaujolais gedacht. Sie haben das modische Beaujolais Bashing, mit den üblichen Generalisierungen über Standartgeschmack und Aromahefen, die ihnen jedes Jahr wieder aus der Presse entgegenschallen, satt und nehmen die Sache jetzt mit (druchaus verkaufsföderndem) Humor:
von Lilian Bauchet, bloggender Winzer von Château Bacherlards hat wohl das durchschlagendste Beispiel geliefert, wie man der ewigen Pauschalkritik begegnet und auch sein Kollege Cyril Alonso dreht den Spieß einfach um, und liefert uns in diesem Jahr eines der beliebten Klischees auf seinen Etiketten:
Aber die Krone des Humors in diesem Jahr gebührt meiner Meinung nach einem "outsider" aus dem Languedoc, dem unermüdlichen Neuwinzer und Videoblogger Ryan O'Connell, dessen englischsprachiger Blog OVineyards jedem zu empfehlen ist, der von bierernsten Selbstbeweihräucherungen vieler Weinseiten die Nase voll hat.
Ob er von den gerade modernen Camps und Koferenzen berichtet (vinocamp, ewbc, oder parisweb) und uns den Troll in seinem Kopf mit kommentieren läßt, oder sich selbst in Szene setzt, bei einer der mutigsten Verkostungen, die wohl jeh vor der Kamra durchgeführt wurden, der Mann hat wirklich Humor!
Le gout du Terroir - or tasting dirt in the Languedoc
und wer eine weibliche Version unkonventioneller Live-Verkostungen bevorzugt, kann ja mal bei Aurélia Filion vom erfrischenden kanadischen Video-Blog: Bu sur le Web reinschauen:-)!
Viel Spaß beim Zuschauen
!
Um meinen Lesern die Wartezeit bis zum nächsten Bericht über das Ende der Weinernte und den Fortschritt des Moste im Keller zu vertreiben (alles sieht gut aus und schmeckt bisher auch so;-)) und bevor es wieder auf Reisen ins Web und nach Deutschland geht, hier einige Impressionen von meinem Gang zum Briefkasten heute Morgen - 150 m, auf denen man eine ganze kleine Welt entdecken kann, wenn man nur die Augen aufmacht:-)!
auf das Bild oder hier klicken, um die Diashow zu
sehen
und hier noch die passende musikalische Untermalung
Verkostung Vinisud Off:
Die WinzerBlogger
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