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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Mardi 21 novembre 2006
Bevor hier endlich wieder neue Nachrichten aus Lisson erscheinen, schon einmal vorweg rechts auf der Leiste ein paar Bilder, die unseren diesjährigen, wirklich goldenen Herbst illustrieren.

Die letzten Früchte wurden geerntet, das alljährliche Kastanienfest in Olargues, das auch dem "Vin Nouveau" gewidmet ist, den es inzwischen gut 3 Wochen vor dem Beaujolais Nouveau überall in Frankreichs Weinanbaugebieten gibt, zog wieder viele Menschen an, die sich die kalten Finger an den mit brio und etwas zu hohen Flammen frisch gerösteten Maronen in ihren traditionellen Tüten aus Zeitungspapier wärmten.

In den Wäldern lockten ungeahnte Mengen von Pilzen die Sammler in Massen an, Sorben, kleine, birnenförmige Früchte, die man aber erst nach längerer Lagerung essen kann, gab es dieses Jahr genug für ihre vierbeinigen und zweibeinigen Freunde - und wie jedes Jahr erfreuten die  gleichzeitig an den Bäumen hängenden Blüten und Früchte des Arbousiers (auf Deutsch sehr anschaulich "Erdbeerbaum" genannt) die Spaziergänger.

Und natürlich ist das Spektakel der sich nach und nach einfärbenden Kastanienwälder, die hoch bis fast an die Felsgrenze der gegenüberliegenden Berge heranreichen, ein besonderer Augenschmauss - sei es nun im Licht der aufgehenden Sonne oder im Schein der untergehenden, die den Bergen noch ein zusätzliches Relief vermittelt.

Caroux und Femme Couchée waren so wieder meine bevorzugten Motive - ehe die ersten Fröste und starker Nordwind (Tramontane) die letzten Blätter von den Ästen vertreiben und auch den wilden Wein an der Fassade von Lisson endgültig in die Winterruhe schicken.

Für uns beginnt der neue Zyklus wieder mit dem Rebschnitt - aber davon ein andermal mehr.


 

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Jeudi 15 décembre 2005

Paris-Köln mit Thalys

Kleine Panne nach dem Start: die heiß ersehnte und mit einem1. Klasse Ticket bezahlte Steckdose liefert keinen Saft. Auf  Nachfrage bei der freundlichen Hostess wird mir mitgeteilt, dass ich auf den Kontrolleur  warten muss, der allein das Geheimnis des kleinen Knopfes kennt, auf den man in einem solchen Fall drücken muss.

Leider werden wir diesmal ausnahmsweise zwischen Paris und Brüssel nicht kontrolliert.
Erst in Brüssel taucht einwichtiger Herrin den mausgrauen Farben von Thalys auf, dem ich mein Anliegen mitteilen kann- und kurze Zeit später verkünden ein sonores Spannungsgeräusch und ein rotes Lämpchen an der Steckdose neben meinem Knie, dass das magische Knöpfchen gedrückt worden ist.

Aber diesen kleinen Fehler kann ich doch schnell verzeihen, denn das kleine Klapptischchen wird für das  Tablett des am Platz servierten und im Preis einbegriffenen Mittagessens gebraucht. Und da häufig die erster Klasse Tickets günstiger angeboten werden, als die regulären Preise der 2. Klasse, wird jeder verstehen, warum  ich nur noch 1. Klasse reise und mich auf eine kurzweilige Benutzung meines Schlepptops freue.

Dazwischen bleibt auch noch Zeit für einen kurzen Blick aus dem Fenster, der je nach Landschaft auch mal länger ausfallen kann- aber auf der Fahrt von Paris nach Köln lohnt das nur auf der Strecke durch die Ardennen, der Rest ist – vor allem bei grauem Himmel – doch zu trist und flach und eintönig, das „platte land“ eben.

Zum Mittagsmenü (kaltes Fleisch mit Sauce, einer Beilage und kleinen Gemüsen, einem Stück Camembert, Butter und einer Mischung aus französischem Baguette und deutschem Brötchen, belgischem Tafelwasser und immer einem schmackhaften Dessert, gibt es eine reiche Auswahl an Getränken. Nachdem ich mich beim ersten Mal mit Tafelwasser zufrieden gegeben hatte, war ich diesmal fest entschlossen, den Wein zu testen.  Immerhin gibt es drei Sorten in kleinen Fläschchen mit Schraubverschluss zur Auswahl. Neben Weißwein, locken zwei rote, die als Bordeaux und als Cabernet Sauvignon angekündigt werden.  Kurz entschlossen entscheide ich mich für Cabernet Sauvignon (und stelle mir im Stillen die Frage, was ich mir dann unter einem „typischen“ AOC Bordeaux vorzustellen hätte).

Und siehe da, es handelt sich um einen „Eindringling“ – kein Vin de Pays d’Oc, sondern ein weit gereister Wein vom Cap:

Kloof en Berg – South African Ruby Cabernet – wine of  Origin Breede River Valley, 14°

schallt mir vom Etikett entgegen.



Unter einem pastellig gemalten Bild eines Herrenhauses vor Felsmassiv und umrahmt von Rebzeilen, geht die Poesie noch weiter:

Beauty of the Cape Dutch architecture with the curling white gables of its houses scattered thought the Arcadian country side.

All das “Product of the Republic of South Africa”, aber immerhin “Selected, imported and bottled by Paul Sapin at F-71090 D – France.

Immerhin scheint Herr Tannenbaum der Hoflieferant der Eisenbahngesellschaft zu sein, denn auch die beiden Bordeauxweine stammen aus seiner Abfüllung, unter dem fantasievollen Markennamen „James Deschartrons“ kommen der rote und der weiße Bordeaux ,die schamhaft ihren Jahrgang verschweigen, als AOC daher, allerdings in der Sprache Shakespeares verraten, dass sie Schwefel enthalten (contains sulphur).



Und jetzt kann ich mich nicht länger davor drücken, hier muss jetzt meine erste Verkostungsnotiz der Reise folgen.

Nun, rot war er, der Cabernet Sauvignon vom Cap, rubinrot sogar, wie auf dem Etikett versprochen – also eher die Farbe eines klassischen Pinot. Er muss für seine 14° nur sehr kurze Zeit auf der Maische verbracht haben. Das wurde dann aber sehr wahrscheinlich durch Zugabe von fruchtigen Hefen Typ englische Bonbons (die runden kirschroten Dinger, die ich als Kind immer mit Begeisterung von ihrem Holzstäbchen ablutschte, na gut, dünner, aber trotzdem aufdringlicher  Geschmack von Cassis ), ausgeglichen. Für mich hätte es auch durchaus einer der vielen ununterscheidbaren Carignan, Grenache, Cinsault aus einer Kooperative des Languedoc sein können – aber auch Merlot ist mir schon mit diesem Einheitshefengeschmack begegnet. Trinkbar, „ohne Fehler“ vermutlich, aber auch ohne jede Persönlichkeit. Schade, von einem so weit angereisten und offensichtlich sonnengereiften Herrn hätte ich zwar keine Wunder, aber durchaus etwas mehr Charakter erwartet.

Ein gutes Beispiel für die Ursachen der gegenwärtigen Absatzkrise französischer Massenweine: woanders wird genauso industriell und standardisiert gearbeitet, aber vermutlich eben doch soviel billiger, dass sich die weite Reise bis zur Abfüllanlage des Herrn Sapin lohnt – zumindest für diesen.

Den weißen AOC Bordeaux aus dem gleichen Haus, den man mir freundlicherweise für das Foto gab und dann auch noch schenkte, werde ich auch noch probieren, versprochen – aber nicht mehr heute!






par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Jeudi 1 décembre 2005


 

Ein  verregnetes Wochenende im Internet hat ein paar Gedanken zurückgelassen, die mir im Kopf herum gehen.

 

Zunächst ein kurzer Text, der die Meldungen zusammen fasst:

„ Die Zulassung amerikanischer Praktiken bei der Weinbereitung für den Import dieser Weine nach Europa teilt die Kritiker in zwei Lager. Hier die Liste der Maßnahmen, die bisher in Europa noch verboten sind: 

Zusatz von bis zu 7% Wasser
Aufzuckern bis zu einem Gehalt von 13,5° Alkohol
Mehr zugelassene Mittel, um den Säuregehalt zu korrigieren
Eichenspäne, um die Weine geschmacklich abzurunden
Korrektion der flüchtigen Säure
Entalkoholisierung
Zuführung von Aromen“

Was soll man dazu sagen:

Zunächst einmal könnte es einen Winzer ganz schön wütend machen, zu sehen, dass noch mehr zusammengepanschte Weine am Markt sein werden – aber dann hört man mit Erstaunen, dass es auch schon Stimmen gibt,  die diesen Katalog nur kritisieren, weil sie darin eine illoyale Bevorzugung der Konkurrenz sehen und durchaus bereits wären, die gleichen Methoden zu verwenden, wenn sie dadurch Marktvorteile bekämen. 

Meine Webspaziergänge haben mich dann auch auf andere Seiten gebracht – und was ich dort im Angebot sah, hat mich doch recht nachdenklich gemacht. All das kann man in Frankreich schon lange kaufen – es wird hier fabriziert – also ist es auch hier zugelassen – und wenn all die Pülverchen zugelassen sind und zum Verkauf stehen, dann heißt das, es gibt auch genügend Winzer, die sie benutzen.

Schon vor einiger Zeit  mischte sich auch Hugh Johnson, dessen Bücher ich immer als interessant und lehrreich erlebt habe, auf sehr polemische Weise in die Diskussion über so genannte “authentische  und natürliche Weine“ ein..

 "Nature doesn't make wine. Nature makes vinegar. Only by interfering with the natural process do we stop it at the stage of 'wine'. In fact, wine wouldn't even exist without mankind." (die Natur macht keinen Wein, die Natur macht nur Essig. Nur durch unsere Eingriffe in den natürlichen Prozess bewahren wir die Stufe des „Weins“. In Wirklichkeit würde es ohne den Eingriff des Menschen gar keinen Wein geben).

Im Prinzip nicht falsch, aber wenn  er anschließend die Kritik an der Industrialisierung, wie sie im19. Jahrhundert geboren wurde, auf die Gegenkultur des Anti-Establishments der 70ger und 80ger Jahre extrapoliert, und diese Bewegungen als die Quellen der Traditionsbefürworter ortet, die Authentizität als oberstes Prinzip fordern und dann auch noch eine Opposition von Tradition und Qualität konstruiert, bekommt auch sein abschließendes Credo einen bitteren Nachgeschmack:

“Drink what you like, regardless of how it's made. That's the only true yardstick for you to use. Evaluate with your palate, not some idealistic romance-novel views of what the world should be...”

(Trinken Sie, was Sie mögen, egal, wie es hergestellt wurde.  Das ist die einzige Elle, mit der Sie messen sollten. Bewerten Sie mit Ihrem Gaumen, nicht mit irgendwelchen idealistischen Ansichten aus romantischen Romanen, darüber, was sein sollte...).

So sehr ich unterschreiben würde, dass man trinken sollte, was einem schmeckt, so sehr  bin ich aber auch davon überzeugt, dass  der Genuss noch erhöht werden kann, wenn man weiß, was man trinkt, wie das, was man trinkt zustande kommt! Und wenn ich sehe, welche Manipulationen heute möglich und auch schon üblich sind, dann will ich noch dringender wissen, wer was wie macht. Und ich möchte Antworten auf meine Fragen. Wenn die Praktiken hinterfragt werden, bleiben Authentizität und Natürlichkeit keine leeren Worte, die nur als Artefakte einer neuen Marketingstrategie, einer neuen Marktmode eingesetzt werden.

Seien wir also neugierig, auch über den Rand unseres Glases hinaus und stellen unsere Fragen, auch wenn sie manchen stören, und wenn das überlebter romantischer Idealismus sein soll, seien wir mit Überzeugung romantische Idealisten!

 

 

 

 

 

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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Mercredi 30 novembre 2005


Wird hier eine neue Rubrik heißen, nach den Dingen, die man bei einem Spaziergang am Meeresufer findet und auf morgendlichen Spaziergängen gerne einsammelt. Fundstücke könnten sie auch heißen, all diese Dinge, die man mit nach Hause nimmt, ohne noch recht zu wissen, was man damit eigentlich machen will. Manchmal ist noch etwas Nützliches dabei, manchmal wird man zum Basteln angeregt, kreiert sogar ein neues Dekorationsstück, manchmal ist der Fund aber von Nahem betrachtet gerade noch gut fürs Feuer. Und wer hat noch nicht davon geträumt, eines Tages die Flaschenpost vom anderen Ufer des Ozeans zu finden....


Und selbst wenn man, wie ich, weit vom Meeresstrand entfernt lebt, kann man auf den Wellen des Web surfen, durch die Seiten eines Buches, einer Zeitschrift spazieren, ein Stück einer angeregten Unterhaltung vom Vorabend mit nach Hause bringen. All das breitet man tagsüber in seinem Kopf aus- und abends, bei einem Glas Wein neben der Tastatur, kann man sein Strandgut, sein Fundstück, verarbeiten.

Einige dieser in unserem Kopf gestrandeten Gedanken können uns einen ganzen Tag lang bei der Arbeit begleiten. Über einen Weinstock gebeugt während der Ernte oder während des Vorschnitts im Winter, nur unterbrochen vom Refrain „Achtung, nicht in die Finger schneiden“. Wie bei anderen Berufen gibt es auch für Weinbauern recht eintönige Tätigkeiten, bei denen man ein Thema braucht, das man im Kopf drehen und wenden kann, um seine Gedanken zu beschäftigen und aufkommende Langeweile und die allgegenwärtigen Rückenschmerzen zu übertönen. Mitgesenktem Kopf erfindet man also die Welt neu, findet Antworten auf nie gestellte Fragen, entwirft den Vortrag, den man gerne den Weinliebhabern halten würde, die passende Antwort für das nächste Mal, wenn jemand fragt: „Was ist das eigentlich, dieses berühmte „Terroir“?... und so gelangt man schneller zum Ende der Rebzeile, ans Ende der Terrasse, zum Feierabend, wenn die Sonne versinkt.

Ich wünsche mir also noch viel Strandgut, viele Fundstücke am frühen Morgen, die mich über Tag begleiten können. Dinge, die ich abends am Laptop dann gerne mit Ihnen teilen möchte – und keine Sorge, ich werde versuchen, den Rest rechtzeitig ins Feuer zu werfen.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Strandgut
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