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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Jeudi 6 septembre 2007
weinrallye-200.jpg Es ist wieder so weit, die Weinrallye geht weiter und diesmal wurde das Thema von Mathias Metze vom Blog Viva Vino gestellt: Riesling aus Bio-Anbau.

Ein passender Wein zu diesem Thema fiel mir sofort ein. Da der Winzer aber trotz seiner Praxis bio-dynamischer Methoden im Weinberg und selten schonender Weinbereitung nicht zu dem Kreis der durch staatliche Kontrollen zertifizierten Weinbauern gehört, habe ich mich natürlich erst einmal bei Mathias erkundigt, ob er meiner persönlichen Kenntnis auf diesem Gebiet genug vertraut, um auch einen solchen "Praktiker" ohne AB Stempel vertraut.

Seine erfreuliche Antwort war: "Anders als in meinem Laden, wo eine Art Kontrolle sein muss, denke ich, dass bei der Rallye die Vertrauenswürdigkeit eines Winzers ausreicht.
Also Iris, wenn du ihn kennst und weisst wie er arbeitet - ich freue mich auf einen Elsässer Riesling!"

Eine undogmatische Antwort, die es mir heute erlaubt, einen meiner liebsten elsässer Winzer mit einem seiner Riesling Weine vorzustellen.

Es handelt sich um Bruno Schueller aus Husseren les Trois Châteaux, dem "fils" der Weine, die noch unter dem Domainenamen Gérard Schueller & fils vermarktet werden.

Ich lernte Bruno vor einigen Jahren kennen, auf Anraten von Michel Legris, dem weit über Strasburg hinaus bekannten Weinhändler der Caves Le Vinophile , der eher Wert auf authentische Weine statt auf prestigefördernde Modeweine legt und dessen ausgezeichnete Streitschrift:

Dionysos crucifié
Essai sur le goût du vin à l'heure de sa production industrielle
1999.

leider bisher nur in französischer Sprache vorliegt.


Drei faszinierede Stunden in seinem Keller, umgeben von Fudern und Fässern, aus denen wir probieren konnten und die uns restlos von seinen natürlichen Anasatz, nicht nur im Weinberg, sondern auch in der Weinbereitung überzeugten, folgten und waren die Grundlage einer andauernder Winzerfreundschaft, die Bruno noch durch Gegenbesuche auf dem Hügel von Lisson im nächsten Jahr besiegelte.


Seine enge Freundschaft mit Didier Barral aus Faugères ist für mich nur ein weiterer Beweis für die "Schule" zu der er gehört.

Aber jetzt endlich zum Riesling. Es handelt sich um einen AOC Grand Cru Pfersigberg aus dem Jahr 2005.

Schueller-Riesling-Grand-Cru-Pfersigberg-2005.jpg


Die Lage Pfersigberg gehört zu den Grand Cru Lagen im Elsass. Bei dieser Riesling, der ab Gut für 14 € erhältlich ist, handelt es sich nicht um den in manchen Jahrgängen auch abgefüllten Pfersigberg H, was bedeutet: ungefiltert und ungeschwefelt, sondern um einen der "normalen" Weine Brunos, also vermutlich mit den von ihm praktzierten minimalen Schwefelmengen (oft nicht mehr als 12 mg) - was auch bei ausgiebigerem Genuß vor dem schweren Kopf am nächsten Tag bewahrt.

Natürlich bedeutet das Öffnen einer solchen Flasche zwei Jahre nach der Ernte einen "Kindermord" - die Rieslinge aus dieser Lage sind ohne weiteres 20 Jahre lagerfähig. Aber wie so oft, konnte ich meine Neugier nicht in Schach halten und kam so nach einer etwas längeren Lüftung des Glases in den Genuß eines Rieslings mit subtilen Noten weißer Früchte und einer sehr schönen Intensität im Geschmack, dessen natürliche Säurestruktur zusammen mit den 13° Alkohol auch diesem Jahrgang wieder die oben erwähnte Langlebigkeit garantieren wird.

Die Grundlage für die ungewöhnlichen und weltweit exportierten Weine der Schueller wird natürlich im Weinberg gelegt. Nicht zuletzt die für das Elsaß durch einen drastischen Winterschnitt niedrig gehaltenen Ertragsmengen ermöglichen die Konzentration der Aromen, denen eine traditionelle (im besten Sinne des Wortes) Weinbereitung im natürlich kühlen Keller ohne Zusatz von Reinzuchthefen oder andere Zusätze noch weiter zur Entfaltung verhilft.

par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
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Mercredi 18 juillet 2007

letourdefrance.jpg  Nach dem fulminanten Start der Weinrallye in Deutschland, war ich so richtig in Schwung, um mich jetzt endlich doch noch für die Durchfahrt der Tour de France zu interessieren, die am Freitag den 20. Juli auf ihrer 12. Etappe auch einige Minuten durch Olargues kommen wird.


Die Vorzeichen sind nicht zu übersehen: seit einigen Tagen tauchen in den Schaufenstern der einheimischen Bäcker, Metzger und Lebensmittelhändler diverse Dekorationen auf, die mit Radfahrern oder ihren Accessoires zu tun haben. Da werden Luftballons aufgeblasen, alte Stahlrosse aus dem Keller geholt und wie in einem Freilichtmuseum am Balkongitter festgezurrt ausgestellt. Es werden Broschüren verteilt,  die man nicht auf die öffentlichen Straßen werfen soll, aus denen man entnehmen kann, dass die Fahrer am Freitag Nachmittag von 15 Uhr 13 bis 15 Uhr 14 im Sprint um Olargues herumfahren werden und dass ein umfangreicher Entsorgungsdienst für den an der Strecke zu erwartenden Müll organisiert wurde.

Der örtliche Sportplatz ist frisch getrimmt für den Start der Übertragungshubschrauber des französischen Fernsehens reserviert, die einzige Straße durch das Tal, auf der der Tross (hier Caravane genannt) schon 2 Stunden vor dem Feld erwartet wird,  wird den ganzen Nachmittag für den Durchgangsverkehr gesperrt sein.

Zu ihrer Sicherheit wird den Zuschauern empfohlen, sich mit Mützen oder Hüten vor der Sonne zu schützen, Sonnenschutz zu verwenden, viel Wasser zu trinken und nur leicht zu speisen – und sich bitte nur am Rand der Straße aufzuhalten.  Es ist für alles gesorgt, jetzt müssen sie nur noch kommen, die bunten Blitze.

Meine frisch erwachte Neugier lässt mich die Webseite der ARD entdecken, in der zu meiner Freude und Überraschung nicht nur harte Sportfans bedient werden, sondern auch eher kulinarisch-kulturell angehauchten, unsportlichen  Menschen  wie mir zu interessanten Informationen um die Strecke herum verholfen wird.

Fernrohr.jpg

Gerade war ich so weit, schon mal in unseren Schränken nachzusehen, mit welchen Hilfsmitteln  sich das Ereignis auch aus der luftigen Höhe des Weinbergs von Lisson verfolgen ließe.

Sehhilfen.jpg

Kenner unserer Weinbergsgeographie, die sich die anschließende Verkostung schon einmal mit einem Aufstieg bis auf die obersten Terrassen des Clos du Curé verdient haben, erinnern sich an  den großen Steinhaufen, den höchsten Punkt unseres Berges, von dem aus man einen atemberaubenden Blick über das Tal des Jaur und die parallel dazu verlaufende Landstraße zwischen Mons la Trivalle und Olargues hat – das Ganze gegenüber überragt von der beeindruckenden Silhouette der „Femme Couchée“. 

Herbst-Blick-auf-Olargues.jpg

Welch einmaliger Standort, um aus luftiger Höhe den wackeren Tretern zuzuwinken, ehe sie in der Ferne in der Kurve der „Tour des Ponts“ (so heißt die Umgehungsstraße von Olargues) hinter dem Hügel mit dem berühmten Turm, dem „Tour d’Olargues“,  verschwinden.  Ob man von dort die einzelnen Kämpfer erkennen kann, ist nicht so sicher. Immerhin habe ich in der letzten Woche gelernt, dass offensichtlich die Eltern eines der jungen deutschen Talente in ihrer Jugend auch Peanuts-Fans waren, so wie ich.... das verbindet!

Und dann heute Mittag: patatrass – wie man hier sagt: die neue Dopingenthüllung und der Übertragungsstopp von ARD und ZDFkeine Bilder aus Olargues für Deutschland – wie schade!

Wenn man wie wir seit vielen Jahren in südlichen Gefilden einer körperlich oft sehr anstrengen Arbeit nachgeht (unser Sport findet ja bekanntlich im Weinberg statt, ob mit Rückenspritze, Motorsense oder Hacke, Rebschere  oder  Traubenkisten), ja, der weiß, was es heißt, Höchstleistung bei  sommerlichsten Temperaturen erbringen zu sollen. Hier lernt man, wie in allen südlichen Ländern, das dann möglichst in den frühen Morgenstunden zu erledigen – wer dabei in den heißesten Mittagsstunden gesehen wird, gilt automatisch als verrückt – oder gedopt.

Und da wir, dank der einen Stunde Zeitverschiebung zum Sonnenstand, den wir auf diesem Längengrad immer haben und der zusätzlich verordneten Sommerzeit wissen, dass die Sonne ihren Höchststand, ihr High-Noon, Midi, erst um 14 Uhr erreicht hat, käme wohl niemand auf die Idee, sich in dieser und den folgenden Stunden auf die Piste zu begeben.

Aber vielleicht müssen die armen Kerle gerade deshalb um diese Zeit in der Sonne schwitzen: weil da in südlich-ländlichen Gefilden die anderen ihre Siesta halten, also Zeit haben, den Fernseher anzuschalten und mit kühlem Kopf dem heißen Rennen zuzusehen! Sollte man mal untersuchen.

Jetzt bleibt mir noch eine Frage zu stellen, die ich – da wie schon gesagt, absolut unsportlich – nicht selber zu beantworten weiß: gilt Rotwein, der doch sonst so gesundheitsfördernd und, das wusste schon meine Großmutter, vor allem  blutbildend ist, inzwischen auch als Dopingmittel? – oder ist dieses Symbol des French Paradox beim abendlichen Boxenstopp ein erlaubtes „remontant“, ein Mittel, das einem, (natürlich mit modération also mit Maßen) wieder auf den Sattel hilft? Vielleicht kann das nach der Tour mal jemand untersuchen.

Dann ist in Olargues auch wieder Ruhe eingekehrt  und die Landstraßen sind wieder das Paradies für ältere Radfahrer  in hautengen Trikots und mit futuristischen Kopfbedeckungen, die in den kühlen Morgenstunden den Col (Pass) hinter Roquebrun erklimmen, um sich auf der langen Abfahrt ins Orbtal wie Eddy Merckx oder Jacques Anquetil zu fühlen (das waren doch hoffentlich Radfahrer?....)

Eine Diskussion über Parallelen zwischen Sport/Doping und Wein verschieben wir auf kühlere Jahreszeiten!




par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
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Mardi 10 juillet 2007
weinrallye-200.jpg

Ich starte mit leichter Verspätung, denn wie der Winzerblogger und Initiator dieser ersten Weinrallye schon mitteilte, waren die ersten Beiträge zur soeben aus der Taufe gehobenen Weinrallye, der deutschen Version des Wine blogging Wednesday oder der französischen Vendredis du Vin, schon kurz nach Mitternacht auf der Piste.

Nun, für mich wäre es beinahe ein Fehlstart geworden. Inselweine sind in Frankreich eher selten. ( Inzwischen weiß ich dank Mario Scheuermann, dass es mehrere Inselweine in der Girondemündung gibt - die Weinrallye bildet). Die Weine der Domaine Courtade von der Insel Porquerolle findet man leichter auf der Prowein in Düsseldorf als bei einem hiesigen Cavistes (französische Weinhändler). Weine von Inseln in Binnenseen sind mir nicht geläufig und dann bleibt eigentlich nur noch Korsika, la Corse, l’Ile de la Beauté, die Insel der Schönheit, mit ihrem recht gespaltenen Verhältnis zum französischen Festland.
Von genau dieser Insel glaubte ich noch eine Flasche köstlichen Muskatweins im Keller zu haben, den ich heute pünktlich zur Weinralley und für die zum Essen eingeladenen Besucher öffnen wollte. Das wären zwei Fliegen mit einer Klappe gewesen, ein frischer Beitrag und ein geteiltes Trinkvergnügen.

Leider gab es die erhoffte Flasche nicht mehr – sie muss einem früheren Anlass zu geteilter Freude zum Opfer gefallen sein – und so wollte ich schon fast enttäuscht aufgeben, wäre mir nicht im letzten Moment und ganz hinten unten im Kellerregal diese etwas verdächtige, staubbedeckte Flasche in die Hände gefallen.

Vin-corse-alt.jpg

Von der Form her fast etwas zu dekorativ, um bei mir gleich Vertrauen zu erwecken, muss es sich um ein Geschenk handeln. Eher die Sorte, die man zwar noch lange gerne als Wasserkaraffe verwendet, über deren Inhalt man aber meist schnell hinweggeht. Aber keine Vorurteile, vielleicht ist dieser Rosé „Viva Corsica“ Mis en bouteille à la propriété, Vin de Corse, Appellation de Corse contrôlée /AOC) von 1999 ja doch etwas mehr Aufmerksamkeit wert.

Immerhin verrät mir das Rückenetikett, dass es sich um einen Wein der Cave Saint Antoine, also einer Winzergenossenschaft, handelt, die sich bei Ghisonaccia befindet. Und diese Kellerei, die 400 ha Weinberge umfasst, hat immerhin auch eine Internetseite, die es sogar in deutscher Fassung gibt, was bei französischen Winzern nicht unbedingt gang und gäbe ist, da sie meist davon überzeugt sind, „die Deutschen“ verstünden eh alle genug Englisch, um auf diese Marketinganstrengung verzichten zu können.

Der Korken war wohl nicht für eine so lange Verschlusszeit gedacht – eher kurz und klein und aus einer Art Pressspänen zusammengeklebt, verschließt er zwar noch dicht, fühlt sich dann aber doch verdächtig krümelig an.


Glas-ros---Corse.jpg

Immerhin ist die Farbe für einen Rosé sogar recht kräftig, der optische Aspekt noch klar. Leichte Fruchtaromen steigen noch aus dem Glas in die Nase und im Geschmack verteidigt sich dieser Wein mit seinen 12,5° noch recht gut. Natürlich fehlt es ihm nach so langer Lagerung (immerhin fast 8 Jahre) an fruchtiger Frische, aber zu einem Barbecue kann man ihn durchaus noch trinken.

Die Rebsorte heißt übrigens  Sciaccarellu und ist eine korsische Spezialität, die aufgrund ihrer geringen Farbintensität gerne für Roséweine verwendet wird.


Vin-Corse-Flasche-Glas.jpg

Und die Flasche mit dem korsischen Kopf im Relief, die laut Webseite tatsächlich als Karaffe vorgesehen ist, wird sicher bei den Gästen heute Abend einen Liebhaber finden, bei dem sie noch lange für Wasser oder losen Wein ihren Dienst tun wird.

125px-Flag-of-Corsica.svg.png





Im Verlauf des weiteren Abends wird es übrigens noch ein  paar andere „Inselweine“ geben, die aber vielleicht keine Gnade vor dem Herrn des Reglements gefunden hätten. Ich habe einen Rolle und eine Cuvée Terrasses von Château Coujan vorgesehen, die ja bekanntlich aus den Überresten einer alten Koralleninsel (Ile de Corail)  aus dem Helvetischen Meer des Jura  wachsen...


par Iris Rutz-Rudel publié dans : Weinrallye
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