oder: how to become a flying-winemaker...
Ein Buch, das hilft, die Sprachbarrieren zu überwinden, die uns viel zu oft noch daran hindern, unsere Leidenschaft für den Wein und seine Entstehung über die Grenzen und Ozeane
hinaus nicht nur zu teilen, sondern uns auch darüber auszutauschen.
Winemakers’ Essential Phrasebook, 344 pages
Mitchell Beazley, Octopus Publishing Group Ltd 2004.
Ein Buch in 6 Sprachen: Englisch, Französisch, Deutsch, Italienisch, Spanisch und Portugisisch – ein Leifaden durch
Weinberg, Weinbereitung und sensorische Analyse von Wein in ganzen Sätzen, nicht nur in Wortgleichungen, wie in klassischen Wörterbüchern, das es dem Benutzer
ermöglicht, im größten Teil der Weinwelt zu kommunizieren.
Der erste Teil enthält nützliche Sätze für ein allgemeines Gespräch über önologische Theman. Der Weinbau wird in
Themenblöcken wie Wetter, Pflanzung, Erziehungssysteme im Weinberg, Rebschnitt, Schädlinge, Bodenarten und vieles mehr gegliedert, bis hin zur Beurteilung der
Traubenreife und zur Ernte.
Der umfangreichste Teil ist der Weinbereitung gewidmet, die in allen Spielarten, vom Einbringen der Trauben über Auslese, Kelterarten, Malen und
Entrappen, Maischestandzeiten, Zusatzstoffe, Behandlungen und Korrekturen des Weins über Ausbau, Holz bis hin zu Fragen der Abfüllung behandelt wird. Der Winzer findet hier fast
alles, was ihm je im Keller begegnen kann - ich finde Dinge, die mir nie begegnet sind - der Laie bekommt einen Eindruck von der Komplexität und den
Wahlmöglichkeiten während dieser Vorgänge.
Die Rotweinbereitung wird ebenso behandelt, wie die der Weiß- und Roséweine oder der Schaumweine, Porto und Xeres ebenso wie
Süßweine, edelfaule oder andere, Barriqueausbau, Klärung, Laboranalysen und vieles mehr... bis hin zur
Flaschenabfüllung findet sich immer der passende Satz, um die richtige Frage in jeder der Sprachen zu stellen oder das, was man macht, zu erklären.
26 Seiten mit Wortschatz und Sätzen zur sensorischen Beschreibung werden den Leser von Degustationsnotizen in anderen Sprachen
glücklich machen und so manchen vielleicht ermutigen, sich selbst einmal dazu aufzuschwingen und auch an internationalen Diskussionen teilzunehmen.
Für den Übersetzer stellt dieses Buch die Worte in ihren fachlichen Zusammenhang. Man
findet auch amüsante Unterschiede. im Teil über die Kellerarbeit (ich habe während unserer Arbeit mit der Presse einmal das entsprechende Kapitel geöffnet) bemerkt man, dass im
Französischen hier zwischen Chef und Hilfskraft geduzt wird, während die Deutschen Beispiele brav in Siezform daherkommen. Der Autor
des französischen Textes, Bruno Prats, ehemals Château Cos d'Estournel, scheint mir da realitätsnaher zu sein, wenn ich an die Atmosphäre denke, die in
dieser betriebsamen Zeit in den Kellern herrscht.
Die deutsche Bearbeitung stammt von Ernst Loosen, vom Weingut Dr. Loosen an der Mosel, der viel Erfahrungen mit Praktikanten aus aller Welt hat und hofft, dass
das Buch "jedem Benutzer einen tieferen Einblick in die internationale Weinwelt erlaubt" und auch die Bedeutung des Weins in den verschiedenen Kulturen der Welt
besser zu erfassen hilft.
Das Buch ist so natürlich vor allem eine ideale Vorbereitung und Begleitung für jeden angehenden Winzer, der als Praktikant in
anderen europäischen Ländern oder auch in Übersee einmal über den Glasrand hinaussehen will.
Vielleicht könnte auch der eine oder andere Journalist hier lernen, welche Fragen er beim eigenen Besuch und der Recherche in den Weingütern der
Welt stellen könnte, wenn nicht mehr ausschließlich nach dem copie/paste Verfahren aus schon bekannten Sammlungen und Presseverlautbarungen abschreiben möchte.
Für den Weinliebhaber, der sich auch dafür interessiert, wie sein Lieblingsgetränkt gemacht wird, bietet das Buch auch die Möglichkeit, beim
Blättern und Schmökern durch die verschiedenen Stadien der Entstehung zu reisen, einmal auf andere Art, als in den üblichen Weinführern. Bei der nächsten
Kellerbesichtigung im Urlaub kann er dann vielleicht auch einmal das fragen, wie denn eigentlich über den Verschnitt der Sorten entschieden wird oder nach welcher
Methode der Süßwein gemacht wurde.
Und an dem Tag, an dem Sie den schönen Satz "Haben sie ein Gerät für die Mikro-Oxidation? Wir sollten es benutzen." oder "Holzschips sollen in
ein Musselintuch gegeben und in den Tank gehängt werden" in einer der 6 Sprachen erkennen, wissen Sie, dass die Globalisierung auch hier angekommen ist.
Nehmen Sie also in Ihrem Lieblingssssel Platz, mit einem Glas Ihres Lieblingsweins und wenn er Aromen von feuchtem Pelz oder Heu, Quitte, Lakritze oder zerriebenen
Blättern hat, können Sie das im Handumdrehen in die anderen Sprachen übertragen und ihre Mitmenschen damit verblüffen, dass Sie jetzt auch die Notizen ihres liebsten Weingurus im
Original verstehen. Und auf dem Rückenetikett ihres Mitbringsels von der letzten großen Reise entziffern Sie ohne Wimpernzucken, dass Sie nach baunilha,
manzana, lampone, quince oder chamuscado riechen wird.
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