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Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Dimanche 20 avril 2008

Der Hefetrub, diese Ansammlung von Hefen, Bakterien und ausgeflockten organischen Elementen, die aus dem neuen Wein ausfallen und sich unter Einwirkung der natürlichen Kälte im Keller während des  Winters als Bodensatz in den Barriques absetzen, wird bei dem ersten Abzug im Frühjahr vom Wein getrennt. Das war das Ziel unseres ersten Abzugs des Jahrgangs 2007 am letzten Samstag.  



Mit Hilfe der Abzugsstange (liebe deutschsprachige Winzerkollegen: Hilfe: wie heißt das Ding, das man auf dem Foto sieht in meiner Muttersprache, ich habe nirgendwo im Internet etwas Vergleichbares finden können...) also mit diesem "Dingsbums" für Barriques (la canne de soutirage in Französisch), die durch eine Schraube am unteren Ende so geregelt werden kann, dass der Bodensatz bei vorsichtigem Abpumpen nicht mitkommt, verlagern wir den Wein aus einem Barrique in ein anderes. Bei Bernhard Fiedler kann man hier nachlesen, wie das in großem Stil gemacht wird. Am Ende der Operation wird das fast geleerte Barrique mit dem Spundloch nach unten gedreht und ich fange die ca. 5 L Trub (und leider immer auch etwas Wein) auf, die noch drin sind.

Rouge violacé, légèrement fade: violettes Rot, leicht fade, heißt es zum Farbton, der auf französischen Farbkarten als lie de vin definiert wird. 

Urteilen Sie selbst, wie wenig das mit der abwechslungsreichen Realität übereinstimmt:




Ich liebe diese reiche, nuanzierte Farbpalette, immer unterschiedlich, je nachdem ob es sich um Mourvèdre, Cabernet oder Pinot  handelt- und auch von Jahr zu Jahr verschieden, abhängig von der Konzentration der Trauben an roten Farbstoffen, also Anthozyanen. Die Konsistenz ist cremig, dicht und ich fülle jedes Jahr ein paar kleine Flaschen mit diesem gut riechenden Satz (garantiert ohne Pestizidrückstände) ab, die ich für einen kochenden Freund verwahre, der damit seine Saucen anreichert.

Da wir beschlossen hatten, dem schönen Jahrgang 2007 einmal wieder einen Ausbau in
neuen Barriques zu spendieren, wurde jedes Barrique sorgfältig mit unserem Quellwasser gespült, bis nur noch klares Wasser aus dem Spundloch fließt. ..



Anschließend wird der Wein wieder in sein Originalbarrique zurückgepumpt, weitgehend unter Luftabschluss - für mich an der kleinen Handpumpe ein zweiter workout, den meine Bauchmuskeln mir dann am nächsten Tag auch signalisierten:-). 



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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Mardi 15 avril 2008
Auch wenn die Arbeit im Weinberg uns weiter in Atem hält und jede Minute schönen Wetters jetzt dort genutzt wird, so gab es am Wochenende doch noch einmal einen Szenenwechsel. Hochdruck, Sonne und Nordwind - ideale Konditionen, um den Wein im Keller zu bewegen.



Eine besondere Freude war dabei die Abfüllung des Jahrgangs 2006. Nach fast drei Jahren Hege und Pflege, vom Rebschnitt über die Weinbergarbeit zur Ernte, von der Gärung über den Abstich, das Keltern zum Ausbau in die Barriques, nach Kontrolle, Abziehen, leichtem Schwefeln und wieder Kontrolle und Verkostung war es nun so weit, Flaschen und Korken lagen bereit, das Wetter ideal, also konnte diese liebste Arbeit des Winzers, die einen Zyklus zum Abschluss bringt, zügig durchgeführt werden.



Einen ausführlichen Bericht über die dabei eingesetzte Technik gab es ja schon im vergangenen Jahre. Auch die Bilder gleichen sich dabei immer wieder. 



Nur der Wein ist jedes Jahr neu und wird natürlich auch an diesem Tag noch einmal besonders kritisch beäugt und zwischen Zunge und Gaumen geprüft.

Tief dunkelrot, fast schwarz im Glas verströmt er seine Aromen, neben den reifen Fruchtnoten ist eine verhaltene Blumennote erkennbar, die Tannine werden noch einige Zeit brauchen, um sich abzurunden - die für Lissonweine typische Frische läßt wieder den Alkohol in den Hintergrund treten - Mourvèdre, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot, Cor und Petit Verdot sind diesmal gemeinsam in der Flasche vertreten und versprechen einen Wein, der die Jahre überdauern wird.

Nach der üblichen Ruhepause - erst aufrecht, um den Wein vollständig zu entgasen, dann horizontal, um eventuelle undichte Korken zu entlarven, werden die Kinder eingekleidet und in die Welt entlassen werden.




par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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Mercredi 7 novembre 2007


Der letzte Bericht über die Kellerarbeit in Lisson berichtete vom Abstich der Tanks und der Arbeit mit dem kleinen Kelter (hier). Inzwischen nahmen wir auch den großen Kelter, noch gut bekannt aus den vergangenen Jahren, wieder in Betrieb, um den Mourvèdre abzupressen.

Dabei "verschwand" der neue Wein durch die alte Klappe im Boden per Schwerkraft im Gewölbekeller, um dort für die nächsten andertalb Jahre zur Ruhe zu kommen. Diesmal haben wir ihm aber ein besonderes Bett bereitet. Ein so guter Jahrgang  2007 verdiente meiner Meinung nach auch ein besonderes Lager. Also bestellten wir bei unserer Haus-Tonnellerie, Maison Boutes, für alle Weine dieses Jahres neue Barriques aus französischer Eiche.


bruno-barrique.jpg
Nicht irgendwelche, sondern die schon in der Vergangenheit zu unserer Zufriedenheit getesteten Barriques der Serie "Grande Réserve" wurden also bestellt. Diese Barriques haben zwar ihren Preis, unsere Erfahrungen seit 2000 im Vergleich mit herkömmlichen Barriques vom gleichen Hersteller, aber auch aus anderen Häusern, haben uns davon überzeugt, dass das Versprechen von Boutes, die bewußt an das Vertrauen des Winzerkunden appellieren, kein leeres Gerede ist. Ich habe Ihnen die Produktbeschreibung einmal übersetzt:

Intensität und Respekt der Frucht

Konzeption:
- es handelt sich um ein unkonventionelles Barrique, das nur in beschränkter Stückzahl hergestellt wird.
- Wir haben versucht, die Wahrnehmung von Holznoten im Wein zugunsten von Fruchtnoten und Respekt der Lage zu verringern.
- Wir schlagen Ihnen dieses Barrique ohne Angabe über die Herkunft der Hölzer, ihren Reifeprozess oder den Typ der Röstung vor, die bis heute unser Geheimnis bleiben sollen; vertrauen Sie uns einfach.

Qualitäten und Grenzen:

- das Barrique Grande Réserve ist nicht für einen Ausbau geeignet, der Toast-, Röst- oder Brandnoten zum Ziel hat.
- Die Grande Réserve zeichnet sich durch einen sehr großen Respekt von Frische, Reinheit und Lebhaftigkeit der Frucht aus, gleichzeitig werden Fülle, Geschmeidigkeit und Länge im Geschmack gefördert.
- Dieses Barrique födert auch eine schnellere Integration des Holzes und erhöht das Phänomen der Oxydo-Reduktion (stark vereinfacht: Atmung des Weins, notwendig u.a. für den natürlichen Säureabbau) und erlaubt so, schneller ausgewogenere Weine zu erreichen.

Dieses Barrique entstand auf Nachfrage einiger unserer Kunden, die ihre Weine in neuem Holz ausbauen möchten, ohne dadurch das aromatische Profil zu verfälschen. Sie wünschten einen vom Barrique konstruierten (nicht maskierten) Wein
.

Tonnellerie Boutes
Für uns ist das Holzfass von Anfang an der angemessene Behälter für den Ausbau unserer Lisson-Weine und ihre Reifung während der 18 Monate im Keller gewesen.

Natürlich ist die erste Bedingung für eine gelungene Vermählung von Wein und Fass die Qualität der beiden Partner.  Optimale Reife der möglichst wenig behandelten Trauben, respektvolle Verarbeitung ohne Zusatzstoffe bei der Gärung auf den natürlichen Hefen; lange Maischestandzeiten und sanftes Keltern, Verzicht auf brutale Beförderungen von Maische und Saft (eben Handarbeit und Schwerkraft) verhelfen uns zu naturreinen Weinen von tiefdunkler Farbe mit intensiven Fruchtaromen (den echten, keine englischen Drops).

Die gilt es, nicht mit Holznoten zu erschlagen, sondern in ihrer weiteren Entwicklung sanft zu begleiten. Da ist das Barrique mit seinen 225 L Inhalt ein ideales Gebinde, das auch beim Ausbau weiterhin einen schonenden Umgang mit dem Wein ermöglicht (sanftes Abziehen nach dem ersten Winter, gutes Absetzen der Trübstoffe und damit eine natürliche Klärung im Verlauf der Lagerzeit, die jedes Schönen und Filtern vor der Abfüllung überflüssig machen - eine sehr gemäßigte Zufuhr von Sauerstoff, also eher eine "natürliche Atmung" - alles eben eher slow als fast...


der Küfer
Und das Bild des Küfers im Emblem von Boutes erinnert uns daran, dass auch dies ein altes Handwerk ist, dessen Liebe zum Material und zum Detail, dessen Respekt der Tradition eben auch eine Kunst ist, deren Resultat uns bei unserer Arbeit im Keller unterstützt.

Bretter, die man für die heute so beliebte Aromatisierung in den Tank hängt, Sägespäne in Teebeuteln überlassen wir den Fast Food Kandidaten unter den Weinproduzenten - es gibt schon genug davon.

Einen sehr guten, ausführlichen Artikel über den Barriqueausbau findet man übrigens auf dem Blog des österreichen Winzerkollegen, Bernard Fiedler.


wilder Wein
Und unser Dank gilt auch unseren Kunden, die unseren Vin de "très bonne" Table lieben, sorgfältig behandeln, geduldig im Keller lagern und mit Genuß trinken und unsere Preispolitik nach einer Führung durch Weinberg und Keller ohne "Geiz ist geil" Diskussion akzeptieren - so schließt sich der Kreis.



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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Dimanche 28 octobre 2007
Die letzte Woche war wieder mit einer entscheidenden Etappe bei der Weinbereitung gefüllt: die Maische in den Edelstahltanks war duchgegoren, die natürlichen Hefen hatten ihre Arbeit getan und allen Zucker, trotz schon kühlerer Kellertemperaturen, in Alkohol umgewandelt, die Weine eine kräftige Farbe im Kontakt mit der Maische angenommen und dem Abstich stand nach sorgfältiger Verkostung nun nichts mehr im Wege.

Für die kleineren Mengen des Pinot und der Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Merlot und Petit Verdot haben wir uns diesmal von einem Freund eine kleinere Presse ausgeliehen und uns die große Presse, die treue Leser schon aus den vergangenen Jahren kennen (siehe hier), für den großen Tank mit dem Mourvèdre aufgespart.

Nachdem der Saft oder Vorlauf durch die Schläuche mittels Schwerkraft hinunter in den Keller in die Barriques abgelaufen war, hatte ich wieder das große Vergnügen, die Tanks von Hand zu leeren und die aromatisch duftenden Traubenreste, den Trester, in das Holzrund der Presse zu füllen.



petit pressoir - kleine-presse-1

Das ist jedes Jahr wieder ein sinnliches Vergnügen für Augen, Nase und Hände, auf das ich nicht verzichten möchte. Hier begreift man den Wein im wahrsten Sinne des Wortes.


petit pressoir - kleine-Presse-2

Man sieht, dass noch viele ganze Trauben im Trester enthalten sind, die erst im sanften Pressgang ihren Saft, der so in der Beerenhaut vergoren wurde, entlassen werden.


Iris-an-presse Pinot 2007
Auch hier wird die Arbeit wieder durch das rhytmische Klick-Klack des Mechanismus der Presse begleitet und vom Plätschern des abfliessenden Weins. Kellermusik!

gâteau de marc - Trester-Kuchen

Übrig bleibt der Tresterkuchen, Mischung aus Trauben, Kernen und Rappen, die sich gleichzeitig auf der Presse nützlich erwiesen haben, da sie für ein besseres Ablaufen des Saftes sorgten und auch schon Hefen und Trübstoffe ausfiltern halfen.

Erst nach Abschluss des Pressvorgangs kann der Winzer die jeweiligen Erntemengen in Hl wirklich kennen. Jede Traube hat eine andere Saftausbeute und jeder Jahrgang liefert, je nach Klima, unterschiedliche Saftmengen. In diesem Jahr der hoch konzentrierten Beeren war die Saftausbeute beim Pinot besonders gering, dafür wird der Jahrgang aber auch wieder gehaltvoller als z.B. der Jahrgang 2005 ausfallen.

Aber es ist noch ein langer Weg - und im nächsten "Kapitel" werden wir erst mal die neuen Heimstatt des jungen Weins im Keller kennenlernen.
par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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Mardi 4 septembre 2007
Das Ernten der Trauben im Weinberg ist ja jedesmal erst wieder der Anfang der Herbstarbeit. Danach folgte diesmal erst einmal die Auslese der Trauben. Natürlich von Hand - und "sur table", auf dem Tisch , wie der französische Fachausdruck lautet. Freunde von Lisson werden ihn erkennen, diesen Tisch - und der Schatten des Sonnensegels war bei dieser Arbeit willkommen.


Danach folgt das Einmaischen, also das leichte Zerdrücken der Trauben, das den ersten Saft austreten läßt und auch einen Teil der Beeren von den Stengeln löst, die bei uns mit vergoren werden, wenn sie reif genug sind, um keine grünen Tannine mehr abzugeben, weil das einen klareren Presssaft ermöglicht. Hier kommt wieder der gute alte Holzstampfer zur Geltung, den Klaus und ich abwechselnd schwingen.

Die Saft-Traubenmischung, die Maische, wird dann in den Tank gefüllt und vor Beginn der Gärung wird der Gesamtzuckergehalt der Mischung gemessen (mit einem schwimmenden Dichtemesser traditioneller Art, dem Mustimeter "nur original von Dujardin", wie auf der grünen Papphülle steht) und der erste Saft kann verkostet werden.



par Iris Rutz-Rudel publié dans : Kellerarbeit
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