Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.
Ihre Iris Rutz-Rudel

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In Deutschland noch kein Thema: Naturwein
Teil 1 - Interview mit Alice Feiring, dem internationalen Sprachrohr der "natural wines"
Während in Europa gerade die Meldung, dass es jetzt endlich ein Bio-Siegel für Wein und nicht nur für "Trauben aus
biologischem Anbau"gibt, durch die Presse geht und in Frankreich für heftige Diskussionen, gerade auch bei Liebhabern von eben solchen Bioweinen führt, wird in Deutschland kaum davon
gesprochen.
Hier sind viele Winzer und Konsumenten sich in ihrer Ablehnunbg der als zu lasch kritisierten Regelungen für
erlaubte Zusatzstoffe in der Weinbereitung einig - und das nicht nur bei den Anhängern von "Vins Naturel", den seit einigen Jahren immer beliebteren Naturweinen.
Da wir in Lisson auch seit Beginn unserer Arbeit im Weinberg und im Keller auf Chemie und Zusatzstoffe verzichten (ein
Blick in die entsprechenden Rubriken dieses Blogs, sei es die Arbeit im Weinberg oder die Kellerarbeit zeigt das seit Jahren) , möchte ich in lockerer Reihenfolge meine deutschen Leser und Kunden über diese Diskussion
informieren.
Neben dem schon erwähnten Artikel hier also heute zu Beginn meine Übersetzung eines Interviews, das zwei meiner Lieblingsblogger und Weinkritiker vereinte - mit freundlicher Genehmigung von Antonin und Alice.
Nakes Wine - letting grapes
do what comes naturally
Alice Feiring nackt – Naked Alice Feiring
''Naked Wine'', nackter Wein, das ist der ursprüngliche Titel des Buchs von Alive Feiring, das kürzlich in Französisch übersetzt wurde. Alice Feiring war gerade in Paris und Antonin Iommi-Amunategui hat sie einige Stunden in ein Café entführt . Eine Unterhaltung mit der Frau, die zweifelsfrei das internationale Sprachrohr des Naturweins ist.
Foto d'Alice Feiring par Antonin Immo-Amunategui
Sind Sie auf Ihrer Suche nach dem natürlichen Wein weiter gekommen, seit Sie das Buch beendet haben?
Alice Feiring: Aber immer. Ich bin zum Beispiel gant fasziniert von Georgien. Wie sich herausstellt, gibt es dort 21 Produzenten, die Naturwein machen, so wie sie es auch schon seit 8 000 Jahren machten. Traditionell wurden die Traubenbehälter eingegraben, 8 Monate später geöffnet, und voilà. “Naked Wine” wird jetzt auch auf Georgisch übersetzt, die Männer hinter dem Projekt möchten den Winzern zeigen, dass sie zu einem größeren Bild gehören. Ich bin immer auf der Suche nach Naturweinen. Frankreich braucht da meine Hilfe nicht, aber Orte wie die Kanarischen Inseln und Georgien könnten meine Stimme gebrauchen. Ich sage ihnen, dass, wenn sie Weine mit dem Herzen machen, das guter Wein ist, sie ein Publikum haben und davon leben können. Ichmuss Verantwirtung übernehmen. Ich fühle mich wie Super-Girl, ich schlage meinen Umhang um mich und los geht’s! (lacht)
Haben Sie Unterstützer?
Alice Feiring: Es gibt einige Unterstützer, aber es gibt nur wenige unabhängige Journalisten die machen, was ich tue. In Amerika, würde ich sagen, bin ich die Einzige. Aber Freunde und Sympathisanten, jede Menge! Ich beschäftige mich mit Naturweinen so ungefähr seit 1999-2000, das war gut vor allen anderen in den Staaten oder in Großbritannien…. Ich bin 2- 3 mal im Jahr in den Weinbergen; man kann die Arbeit nicht wirklich verstehen, wenn man nicht in die Weinberge geht. Wie kann man darüber reden, wenn man niemals dort war? Es ist schwierig, den Wein zu verstehen, die Philosophie, das Fehlen von Marketing, von Zynismus, die Begeisterung.
Wie würden Sie die weltweite Naturweinbewegung definieren?
Alice Feiring: Nun, zunächst muss ich sagen, dass ich es nicht mochte, als Eric Asimov sagte, dies sei eine “sogenannte” Bewegung. Ich glaube, dass es der Anti-Vietnamkriegs- Bewegung sehr ähnlich ist: sie ging vom Volk aus, sie ist unorganisiert, aber in Bewegung, Sturm zieht auf…egal. Es hat sich zu einem Mainstream entwickelt und darin liegt vermutlich das Problem. Solange die Weine nur in den Bars à vin naturel existierten, kümmerte sich niemand darum. Nun, als ich zu meiner ersten Dive ging, 2001, 2002, 2003, waren viele der Weine noch sehr instabil. Jetzt sind die Weine, sogar die neuen Weine, fast alle schön; das Weinmachen ist erwachsen geworden. Nun heißt natürlich zu sein ja nicht unbedingt schon großartig zu sein, es muss eben auch ein guter Wein sein und das haben wir inzwischen erreicht. Dass ist natürich sehr bedrohlich für große Firmen wie Chapoutier (der Französische Weinmacher Michel Chapoutier kritisierte vor kurzem Naturwein in einem Interview mit Decanter ]. Er, der zunächst „Monsieur“ Biodynamie, aber ohne Zertifikat, war mit hohem Schwefeldosen. Wenn die Leute sich erst mal wegen der Zusatzstoffe Fragen stellen werden, wird ein heftigerer Krieg ausbrechen. Chapoutier ist ein Weinmacher, er hat was zu verlieren, das macht schon Sinn. Aber Weinschreiber wie Mike Steinberger oder andere, was verlieren die denn? Das ist merkwürdig. Im übrigen, große Produzenten, wie Chapoutier, die tonnenweise Wein herstellen. Werden wohl bald ein oder zwei Cuvées als „Naturwein“ heraubringen, das müssen sie einfach*… Und ich glaube nicht, dass das eine schlechte Sache ist. Leute, die bei Nicolas (sowas wie Jacques, Ndr) oder in Supermärkten einkaufen, werden dann mehr Naturweine finden. Wenn sie mehr natürliche Produkte verlangen, dann sollten sie sie bekommen können.
Kann etwas gleichzeitig natürlich und industriel sein ?
Alice Feiring: Diesen Leuten ist das egal, sie wollen einfach einen guten Weinbau, ohne zu viel Chemie, zu viel Schwefel, und vielleicht werden sie auch nach Spontanvergärungen verlangen… selbst wenn die Weine keine „Seele“ haben, ist das für die Leute, denen es ziemlich egal ist, was sie trinken, schon ok. Und diese Weine werden billig sein, so um die 4 €. Ja, so billig, das ist meine Voraussage.
Kommen wieder neue Bücher?
Alice Feiring:
Es gibt mehrere Bücher, die ich gerne schreiben würde. Aber ich bin nicht so sicher, ob es da draußen noch jemanden gibt, er über Wein lesen möchte, selbst wenn e skein anderes Thema gibt, das Geschichte, Kultur, Wissenschaft, Kunst und den Menschen zusammen in eine Flasche bringt. Der Symbolismus und die Metapher für das Leben sind so zwingend. Meine Bücher sind nicht kommerziell, aber sie sollten es sein, ich schreibe sie, damit sie gelesen werden! Ich versuche sie so zu schreiben, als seien es Romane. Ich glaube, meine Bücher werden in Europa mehr gelesen, als in den Staaten und das finde ich sehr erklärlich; Ideen sind in Frankreich wichtiger … Es gibt eine Menge guter Sachen in Amerika, wie in Frankreich, und negative Dinge in beiden Ländern, aber Ideen und Diskussion leben eher in Frankreich… Jedenfalls denke ich, dass ich gerne ein Buch schreiben würde über Terroir und über Lagen, die nicht genug Beachtung finden, wie Basalt. Ich habe auch gerade einen Roman beendet. ''The case for my father''. Esist eine Geschichte, in der ein Vater auf dem Totenbett seine Tochter in sein Haus rufen läßt. Zum allerersten Mal will er oihr etwas geben. Sie geht hin, mit der Idee, dass er vielleicht einsam ist. Überraschung: er hat mit 80 eine neue Freundin. Er zeigt in eine Ecke mit einem kleinen StapelPapier, es ist die Niederschrift seines Lebens: Aus irgend einem mysteriösen Grund brauch et dringend Geld und hat die verrückte Idee, dass sie daraus ein Drehbuch machen könnte, das es bis nach Hollywood schafft! Es ist Fiktion, aber der Vater ähnelt meinem ziemlich… Der hat mir in der Tat ein Manuskript gegeben.
Hat Naturwein etwas mit Politik zu tun ??
Alice Feiring: Wissen Sie, ich war 1968 und während der Vietnamzeit noch zu jung. Ich war zu jung, um tatsächlich zu dieser Generation zu gehören, aber ich hätte gerne dazu gehört,so wie mein Bruder. Wir lebten in einem politisierten Haushalt; mein Vater war der Bürgerrechtsbewegung sehr verbunden, nahm an Kämpfen teil. Was das betrifft habe ich sicher etwas von meinem Vater in mir. Aber die späten 60ger Jahre waen eine unglaubliche Zeit für Aktivismus. „Occupy Wall Street“? Nicht ganz, nah dran aber nicht ganz so…Die Naturweinbewegung ist das, was im Geist an dieser Ära noch am nächsten kommt. Sie ist idealistisch und leidenschaftlich. Da sind Leute, die den Mut haben, ihren Herzen zu folgen, nicht dem Markt. Ok, jetzt will der Markt diese Weine. Aber vor 30Jahren? Eswar alles sehr isoliert. Und, ja, meist mit Leuten mit linker Tendenzm obwohl auch nicht zu 100%. Weine ist politisiert, warum sollte es sonst so viel Streit über etwas geben, was so wunderbar ist, wie Wein? Dahinter steckt etwas tieferes, Da gibt es etwas anderes… Noch ein Punkt, ich unterstütze gerne Leute, deren Weine ich mir leisten kann und ich bin nicht reich. Ja, ich identifiziere mich damit
Welche Winzer haben Sie in letzter Zeit in Frankreich gemocht?
Alice Feiring: Gestern habe ich Reynald Héaulé besucht (gleich außerhalb von Orléans). Ich hatte einen Wein probiert, dann musste ich ihn aufsuchen…Er hat nur 2 ha und ist ein Schüler von Claude Courtois, dessen Weine ich liebe (wie auch die von Julien). Er arbeitet übrigens einige Tage in der Woche für ihn, neben seinem eigenen Gut. Reynald ist fanatisch, seine Weine sind von schöner Klarheit und voll Leben. Pinot Meunier, Pinot Noir, Côt…Halten Sie nach ihm Ausschau, wenn Sie können, er ist schwer zu kriegen. Aber es gibt natürlich auch viele andere. Andere als diese, einige neu für mich, Sextant und Claire Naudin. Eine Menge Leute im Jura. Einige Weine von den Kanarischen Inseln, meine alten Freunde von der Loire und aus dem Beaujolais. Die Liste ist zu lang, um wirklich alle zu nennen.
Kennen Sie einige französische Weinblogs ?
Alice Feiring: Ich kenne Le blog de Olif. Ich lese auch Bertrand Celce, Wine Terroirs, schon seit Jahren. Und einen (amerikanischen) Blog, Paris by Mouth… Aber ich lese nicht viele Blogs. In Amerika reden so viele Blogs nur über andere Blogs! Das ist Kanibalismus.
Träumen Sie davon, Ihren eigenen Wein zu machen?
Alice Feiring: Nein, aber ich würde gerne richtig Wein schneiden können und ich würde gerne mal wieder für jemanden den Tresterhut eintreten. Da ist so was Wunderbares dabei, wenn man die Veränderung spurt… Aber abgesehen davon, ich denke, wenn man kein Winzer ist, ist Weinmachen extremlangweilig. Es ist so, wie darauf warten, dass das Wasser kocht…Also kein Wunder, dass die Industrie dem Wein so viel antut. Einige sagen, Wein macht man wie ein Küchenchef… Nein! Weinmachen ist Teil eines Zyklus, der das Leben ist. Wein ist Kunst für mich. Der Wein, den ich trinke, ist immer der Ausdruck einer Persönlichkeit.
Was würden Sie den Winzern raten?
Alice Feiring: Oh, es ist immer gefährlich, Ratschläge zu geben…Wenn Sie Ihrem Herzen folgen, werden Sie Menschen finden, die Ihren Wein schätzen. Das ist alles, was ich sagen kann..
* :Nicht einmal eine Woche nach diesem Treffen hörte man, dass Gérard Bertrand (bekannter Großindustrieller der Weinindustrie, ndr)sich anschickt, eine Palette von Weinen ohne Schwefelzusatz für Supermärkte herauszubringen, Naturae.
(Hervorhebungen im Text wurden von mir vorgenommen)
Link zum Original des Interviews in Englisch und Französisch
wieder abseits der ausgetretenen Pfade:
Les Gaillardises font du Hors Piste
2. Ausgabe

Quand/When/Wann:
Dienstag 21 Februar 2012 von 11 bis 20 Uhr
Où/Where/Wo:
Aéroport Hôtel, 34130 Maugio, Montpellier
Tel. 33(0)4 67 20 07 08
(gratis Shuttle von Vinisud bis zum Hotel)
Infos: http://horspiste.over-blog.fr
oder http://gaillardises.over-blog.com
25 VIGNERONS / WINEMAKERS / WINZER:
DOMAINES PIERRE GAILLARD
(AOC Cotes Rotie, Condrieu, Faugères, Colliuore)
www.domainespierregaillard.com
DOMAINE DU CLOS DE LA PROCURE
(Provence)
DOMAINE OUSTAL BLANC
(AOC Minervois-La Livinière)
DOMAINE LISSON
(Vin de France, Midi-Languedoc)
DOMAINE LE GRAND VALLAT
(AOC Ventoux)
DOMAINE JEAN ROYER
(AOC Chateauneuf-du-Pape)
DOMAINE O'VINEYARDS
(AOC Cabardès)
DOMAINE SALEL & RENAUD
( Coteaux d'Ardèche)
DOMAINE LUCAS DE BAR
( Vins de Pays d’Oc )
DOMAINE DES COTES DE LA MOLIÈRE
(AOC Beaujolais)
DOMAINE DES BROSSES
(AOP Sancerre et Menetou-Salon)
DOMAINE CALENDAL Les Halos de Jupiter
(AOC Côtes du Rhône)
DOMAINE LA COLLIERE
(AOC Rasteau)
PITHON-PAILLE
(AOC Val de Loire)
DOMAINE DE LA GRAMIÈRE
(AOC Cotes du Rhone)
DOMAINE DE LA CROIX-ROUSSE
(AOC Cotes de Provence)
CHÂTEAU L'INSOUMISE
(AOC Bordeaux)
DOMAINE ERIC TEXIER
(AOC Rhone et Macon)
CHÂTEAU ST MARTIN LA GARRIGUE
(AOC Coteaux du Languedoc)
DOMAINE PECH DE LUNE
(AOC St-Chinian)
CHATEAU MAZERIS
(AOC Canon Fronsac)
DOMAINE BOYER-MARTENOT
(AOC Meursault, Puligny-Montrachet, Pommard)
CHÂTEAU BACHELARDS
(AOC Beaujolais)
DOMAINE LA CASENOVE
(AOC Muscat de Rivesaltes, VDP des Côtes catalanes)
DOMAINE ROCHE
(AOC Cairanne)
Da hab ich mich ja auf was Schönes eingelassen - den Inhalt für das zweite AdtzVentzTürchen des großen Überraschungskalenders von HundertachtzigGrad zu liefern - und das als seit über 30 Jahren im Wald im Languedoc lebende Exil-Düsseldorferin.
Susa hat mir sogar das passende Logo - mit Weinblatt - für den heutigen Tag geschickt:
Meine zaghaften Versuche, deutsche Weihnachtsbräuche in diese, bis vor wenigen Jahren vom ganzen Adventsrummel noch unberührte Gegend einzuführen, waren doch eigentlich schon vor langer Zeit klaghaft gescheitert...
Natürlich hatte ich im ersten Jahr, in der ersten Wohngemeinschaft meines auch damals schon nicht mehr so jungen Lebens in mühevoller Kleinarbeit einen Adventskalender bestickt - wie im lang zurückliegenden Handarbeitsunterricht: auf Stramin,mit klaren Farben und den üblichen Motiven - und vor allem einem roten Kalenderrahmen im Plattstich und allen 24 Zahlen, unter denen dann die handgenähten Säckchen mit den mühsam zusammengesuchten Überraschungen für meine beiden französischen Alt-Achtundsechziger Mitbewohner aufgehängt wurden - die geraden Tage für Pierre, die ungeraden für Philippe - aber irgendwie sind beide über die ersten Tage nicht hinweggekommen mit dem Öffnen - und so ab dem 7. habe ich dann das morgendliche Drängeln aufgegeben und in aller Stille die restlichen Säckchen selber aufgeschnürt und ausgeräumt - nur mit den "Überraschungen" war es so natürlich nicht mehr so weit her....
In den folgenden 20 Jahren, schon in Lisson, mitten im Wald am Fuß unseres wilden Hügels, der in den nächsten Jahren langsam zum Weinberg werden sollte, ließ ich es dann bleiben und versuchte erst gar nicht, meinen französischen Ehemann und Bauernsohn mit solchem Schnickschnack zu betören. Immerhin gab es da ein paar Jahre lang einen Weihnachtsbaum vor der Tür - unser Versuch, die von Nachbarn in ausgerissenen Weinfeldern an unserem Wegrand aufgrund obskurer Subventionprogramme gepflanzten Fichten subversiv zu dezimieren, die wir in unserem trockenen Klima fürebenso nutzlos, da viel zu langsam wachsend, als auch unangebracht (Bodenversauerung) und sogar gefährlich - da leicht brennbar - hielten...
Kerzen gabs in diesem nicht an das Netz des französischen Atomstroms angeschlossenen Ort das ganze Jahr über, um unsere Abende und Nächte etwas zu erhellen, also hatte auch das keinen besonderen, auf eine bestimmte Jahreszeit beschränkten Reiz, Weihnachtsgeschenke waren in meiner katholischen Schwiegerfamilie nicht üblich - wichtiger war der Besuch zu Neujahr, wo dann diskrete Umschläge mit den "Etrennes" für nützliche Anschaffungen an die 5 erwachsenen Kinder verteilt wurden (natürlich erst nach einem üppigen 3 stündigen Neujahrsmahl - traditionell mit oeufs mimosa als entré und der der knoblauchgespickten Hammelkeule in der Mitte...
Immerhin ersparte das mir,nach ersten Versuchen mit kleinen, sorgfältig eingepackten Geschenken, die eher leichte Peinlichkeit auslösten, da es eben keine vorgesehenen "Gegengaben" in gleichen Stil gab, in den folgenden Jahren den den Stress der vorweihnachtlichen Geschenkejagd.
Deutsche und englische Freunde und Verwandte sorgten in der Vor-Internetzeit immerhin noch für die bunte Weihnachtskartenguirlande an den alten Eichenbalken unserer Zimmerdecke, die ab Beginn Dezember etwas Weihnachtsstimmung in den sonst undekorierten Raum brachte. Franzosen verschicken ihre guten Wünsche erst nach Weihnachten fürs Neue Jahr, sozusagen zu einem Zeitpunkt, wo man eher an den bald wieder anstehenden Frühjahrsputz mit guten Vorsätzen fürs Aufräumen denkt und deshalb den Krimskrams eher diskret in einer Pappschachtel verschwinden lässt.
Wären da nicht unsere Freunde im Nachbardorf gewesen, die immerhin ab Anfang Dezember die alte Familienkrippe mit den provenzalischen Santons aus dem Keller holten und mit viel Moos und Schiefersteinen die entsprechende Landschaft auf der Fensterbank aufbauten, um diese bunte Schar gekonnt in Szene zu setzen - bis hin zum wichtigen Detail, die schwangere Maria auf ihrem Esel zu Weihnachten gegen die schlankere auszutauschen - mit dem zuletzt ausgepackten Jesuskind, das endlich in der Krippe liegen durfte, ich hätte mich weiter darauf beschränken müssen, in melancholischen Momenten heimlich meine alte Schulblockflöte aus dem abgegriffenen Etui zu holen, und leise vor mich hin mein Flötenbüchlein aus ebenso vergangenen Zeit rauf und runter zu spielen...mit kommet ihr Hirten, es ist ein Ros' entsprungen und Stille Nacht, heilige Nacht....wobei der deutlichste Kommentar zu diesen musikalischen Darbietungen viele Jahre von Philibär, unserem sonst so treuen Hund kamen, der sich dann leise winselnd auf die Kellertreppe flüchtete.
Dank der schon oben eingeführten Freunde bekam ich aber doch noch einen tieferen Einblick in das traditionelle ländlich katholische Weihnachtsprogramm - nix mit Weihnachtsspaziergang am Heilig-Abend-Spätnachmittag mit Papa, während Mutter den Baum schmückt und Beschehrung beim Nach-Hause kommen nach Ansingen der (echten!) Kerzen, Aufsagen vom "draus vom Walde" und vor dem Kartoffelsalat mit Würstchen (für mich Cocktailwürstchen auf besonderen Wunsch des sonst als strikt vegetarisch bekannten Kindes und ein Stück geräucherten Aal für Vater - jedem seine Extrawurst!) Ach ja, es gibt da ja auch noch das alte Schwarz-Weiß-Photo (das muss ich jetzt einfach noch mit PH schreiben!) im Familienalbum mit der Unterschrift "Muschi auf dem Puff mit Flöte", aber das war hinterher, denn da liegen noch jede Menge sorgfältig fürs nächste Jahr zusammengefaltete Geschenkpapiere neben dem goldbedruckten Skai Sitzkissen...
Ein klassischer französischer heiliger Abend ist da eine ganz andere Sache. Man trifft sich am späten Abend, neben der Krippe (siehe oben, Maria noch auf dem Esel), früher wurden dann sicher Geschichten erzählt, wie an jeder "Veillé", dem nach Anbruch der Dunkelheit stattfindenden geselligen Zusammensitzen - heut darfs auch schon mal das weihnachtliche Fernsehprogramm sein, das im Hintergrund läuft und für die einstimmende Geräuschkulisse sorgt. Dann scheiden sich die Weicheier von den Hartgesottenen - die ersteren fahren im Auto in die Kirche, in der der reisende Landpastor die erste Christmette abhält - je mehr Paroissen er abhaken muss, desto eher hat man die Chance, einen Termin zu finden, der es erlaubt, um 8 oder 9 wieder zum Essen zu Hause zu sein. Die Traditionalisten warten stoisch bis zur letzten Messe, der einzig echten - eben die um Mitternacht - und natürlich geht man so weit wie möglich zu Fuß, jedenfalls solange es nicht in Strömen regnet. In den glücklichen klaren kalten Nächten, wenn die Sterne am noch nicht lichtverschmutzten Himmel blinken, hat das durchaus was, fast ist man dann versucht, den berühmten Kometen zu suchen, während man durch die Weinberge zur kleinen romanischen Abteikirche auf ihrem Hügel wandert... und dort, in der klirrenden Kälte auf den harten Bänken ist man als ungeübtes Protestantenkind dann dankbar für die wärmende Gymnastik des vielen Aufstehens und Hinsetzens, immer sorgfältig darauf achten, was die Banknachbaren machen ...und wenn dann zum Schluss gesungen wird - les anges de nos campagnes - il est né le divin enfant und natürlich Minuit Chrétien, bei dem sich die Tenöre unter den Anwesenden so richtig ins Zeug legen können:
"Peuple debout! Chante ta délivrance,
Noël, Noël, chantons le Rédempteur!
Und dann ab nach Hause, denn jetzt kommt das, worauf alle schon den ganzen Abend gewartet haben und was die leise knurrenden Mägen in den Gesangspausen schon andeuteten: Das Weihnachtsessen!
Zu Hause wartet die vorbereitete lange Tafel: la grande bouffe kann beginnen.
Entrée: wahlweise Lachs, Jakobsmuscheln und Austern, Riesencrevetten oder gar Languste, natürlich begleitet von der selbstgemachten Aioli.....gerne begleitet von einem Picpoul de Pinet oder einfach einem Glas Champagner (oder einer Blanquette de Limoux für die Regionalisten).
Danach mit Vorliebe Fois Gras - und traditionell vom Hausherrn selbst zubereitet und serviert: Ragout Fin - (Rezept
kann bei Matthias vom ersten Türchen nachgelesen werden;-) - in anderen Haushalten kommt auch mal die nur zu Feiertagen servierte Boudin Blanc zum Einsatz, die ich (irrtümlicherweise?) lange Zeit
für die französische Variante von Weißwurst gehalten habe...
Natürlich verschiedene Salate (grüner mit Olivenöl, Feldsalat mit frischen Wallnüssen natürlich mit dem entsprechen Nussöl)) - große Wurstplatten mit Bergschinken, Saucisse sèche und diverse hausgemachte Terrinen - und die ersten Rotweine - meist regional, also aus dem Languedoc, also Grenache, Syrah, Mourvèdre und Carignan in diversen Assemblages, meist relativ jung serviert.
Alles natürlich mit reichlich frischem (oder angesichts der späten Nachtstunde nochmal kurz aufgebackenem) Baguette
begleitet.
dann ist eigentlich der erste Trou Normand angesagt - das kann auch statt Alkohol ein einfaches, erfrischendes Sorbet sein, schließlich ist das Mahl noch lange nicht zu Ende...
Und dann kommt langsam das Hauptgericht - plat de résistance genannt - also tief durchatment und den Gürtel aufschnallen...
Da gibt es entweder die gefüllte Ente oder Gans (natürlich mit Marons d'Olargues) - oder eben die sanft gegarte Hammelkeule - natürlich auch hier wieder mit viel Knoblauch - dazu - je nach Herbstwetter - die selbst gesammelten Steinpilze oder Pfifferlinge - seltener um diese Jahreszeit noch frisch zu finden, aber auch gerne gesehen getrocknet in den diversen Saucen oder süß-sauer eingemacht als Konserve..
Natürlich gibt es auch diverse Gemüse - aber irgendwie kann ich mich, trotz meiner persönlichen Vorliebe für diesen Teil der Ernährung nicht mehr richtig daran erinnern... es ist inzwischen so irgendwas zwischen 2 und 3 Uhr Morgens, da nimmt mit zunehmender Nahrungsaufnahme (und diversen Toasts) auch das Fassungsvermögen meines Hirns und meiner Geschmacksknospen langsam nach. Das ist natürlich besonders schade,weil hier jetzt meistens die älteren Weine, sorgfältig am Nachmittag entkorkt und zum Atmen in ihre Karaffen umgefüllt, auf den Tisch kommen. Entweder ein besonders alter Jahrgang vom kleinen Winzer des Vertrauens, oder auch mal ein älterer Bordeaux oder Burgunder, der von einem früheren Besucher mitgebracht und der hiesigen Sitte folgend, nicht sofort geöffnet, sondern erst mal im Keller eingelagert wurde.
So, jetzt ist Zeit für den nächsten Trou Normand - diesmal darf er ruhig aus einem kleinen Glas Alkohol bestehen,
zum Beispiel einer Poire Williams oder einem anderen geistigen Getränk...
Jetzt folgt narürlich noch die Käseplatte, der Weihnachtsroquefort - entweder der aus der flachen silbernen Dose, die Société zum Fest herausgibt, oder, noch besser, der nachgereifte aus dem Deputat eines Milchlieferanten für die Großmolkerei, von denen jeder einen auf dem Larzac kennt, der ihm diese Köstlichkeit von Zeit zu Zeit überlässt - und natürlich auch ein alter Lagiole, nur echt mit dem wenig dezenten Stallgeruch auf der dicken Kruste und wer das voher nicht schon beim Braten getan hat, kramt spätestens jetzt sein gleichnamiges Lieblingsmesser aus der Hosen- oder Handtasche...(das, das mir immer im letzten Moment siedend heiß einfällt, wenn ich mit dem Koffer am Flughafengepäckschalter stehe...). Die kleinen regionalen Ziegenkäse aus der Gegend, die sonst in allen Reifegraden in der Ronde des Fromages nicht fehlen dürfen sind nur noch als besonders reife und kräftige Exemplare vertreten, da hier ja jeder weiß, das ein anständiger Chevrier die Produktion im Herbst einstellt, um sie erst im Frühjahr, nach dem Lämmern wieder aufzunehmen. Aber natürlich hat man sich eine große Tome de Chèvre in Reserve gelegt die jetzt zu Ehren kommt...so denn noch jemand Platz hat. Obwohl, wenn man einmal gelernt hat, dass nichts so verführerisch ist, wie noch ein Stückchen Käse zum letzten Schluck Rotwein (ja, richtig gelesen, Rot, nicht unbedingt nur Weiß, denn da verteitigen sich bei der hier geschilderten Auswahl eben auch unsere Lisson-Weine sehr gut:-) - und dann natürlich noch ein Schluck Rotwein zum letzten Stück Käse und.....
Ja, und dann, nein, immer noch nicht die Bescherung (für die, die bemerkt haben, dass davon noch nicht die Rede war), nein, jetzt erst das Dessert - und das ist natürlich die Buche de Noel - diese baumstammförmige Variation unserer Buttercrèmetorte...oufff....
danach braucht man absolument einen kleinen Café - und den Pousse Café - den alten Cognac oder, sozusagen medizinisch gerechtfertigt, die alte Chartreuse...und während jetzt endlich die Geschenke ausgepackt werden können (die Uhr zeigt langsam 4 Uhr morgens an...)...gibt es für die weniger reichlich bedachte ältere Generation noch die traditionellen 13 Desserts de Noel - ein bunter Teller von gefüllten Feigen und Datteln, Callissons d'Aix und den restlichen 10 anderen Süßigkeiten, die zum Fest nicht fehlen dürfen.
Ja, und dann ist es Zeit, sich durch die verknüllten Papierberge zum Mantel zu kämpfen, im Gepäck die neuen Geschenke und noch ein paar eingepackte Reste vom langen Mahl und möglichst heil nach Hause zu kommen (auf Taxen darf man hier auf dem Land nicht rechnen - mit Gendarmen aber meist zu dieser spät/frühen Stunde auch nicht...). Und wenn man Glück hat, wird man von den Schwiegereltern eben erst am Neujahrstag um punkt 12 bei Tisch erwartet und nicht am 1. (und hier einzigen) Weihnachtstag...
So, das war das, was mir jetzt beim Schreiben im Morgengrauen, während draußen der hier so lang ersehnte Regen gegen das Balkonfenster meiner Oberkasseler Gastherberge pladdert, zu diesem zweiten Türchen eingefallen ist.
Nicht lesen werden die Anhänger von 180° also meine ursrünglich geplante Abhandlung über die Entwicklung des In-Tieres für die Advents und Weihnachtszeit in Düsseldorfer Schaufensterdekorationen, (letztes Jahr wars der Hirsch - um wenigstens etwas zu verraten, was den geneigten deutschen Lesern wohl auch kaum entgangen sein dürfte), den Glühwein im Allgemeinen und seine Vertreter in Supermarktregalen im besonderen (nachdem mein Coputer letzte Woche schon einen Totalcrash nach Virus hatte, habe ich von Selbstversuchen am eigenen Körper Abstand genommen - eine "Vergiftung" à la fois genügt.
Nicht sehen kann man leider auch die Bilder, die natürlich eine solche Aufzählung von Gaumenfreuden bei einem guten Blogger ergänzen sollte - aber es handelt sich hauptsächlich aus Erinnerungen aus vordigitalen Zeiten - als noch gegessen werden konnte, ohne erst langwierig das richtige Licht für's Foto der dekorieten Teller und Platten zu suchen...
Und jetzt muss der Inhalt dringend online gehen, so denn mein Blog-Provider wieder mitspielt - was zu Beginn meiner frühmorgendlichen Sitzung gerade mal wieder nicht der Fall war (um 3 Uhr 15 aus einem Alptraum erwachtund aufgesprungen : ich hab meinen Türchenartikel noch nicht fertig....Susa kriegt nen Fön...). Also dann, ich freu mich schon auf die nächsten Türchen, die ich dann ganz in Ruhe ausgeschlafen lesen werde:-)! Bis dahin, frohe AtzVentz-Zeit!
(übrigens: korrigiert wird erst später, vielleicht streue ich dann auch noch ein
paar Links über den Text - für heute morgen muss es so gehen, sonst werde ich nie fertig - gearbeitet soll ja heute auch noch werden..)
"Arthurs Tochter gibt den Löffel ab!"
so hieß die Botschaft vor einigen Wochen bei Astrid, die seit unserer sehr flüchtigen Bekanntschaft beim Vinocamp in Geisenheim in meinen Focus geraten ist und sich schnell mit ihrem Blog zum Kreis meiner Lieblingslektüren gehört. Dafür muss man nicht unbedingt selber kochen, denn es gibt auch jede Menge Geschichten ohne Rezept und meist noch mit richtig viel Text, womit sich der Besuch für eine Leseratte wie mich erst recht lohnt. Nebenbei verrät sie auch gerne, was sie zum Essen so trinkt und das ist oft Wein und macht den Eindruck, dass se davon auch was versteht:-).
Also mehrere Gründe, warum ich mich spontan als möglicher Gastgeber gemeldet habe, als sie von ihren reiselustigen Löffeln erzählte.
Ich konnte dem ins Haus stehenden Gast zwar nicht unbedingt versprechen, dass er prominente Personen an weltbekannten Orten treffen würde - da sind schon unsere GPS-Koordinaten vor - aber eine für ihn untypische, verrückte Situation, losgelöst von seiner gewohnten Küchenumgebung und der täglichen Essenszubereitung würde sich in Lisson wohl finden lassen.
Und so lag er wenige Tage später wohl frankiert in meinem Briefkasten:-)
Der Anblick von Esskastanien, Eichen und Olivenbäumen hat ihn wohl etwas gewundert, die strahlend heiße Sonne am Himmel erst geblendet, aber dann liess er sich doch neugierig vom Briefkasten den Weg hinunter zum Haus tragen, wo ihm erst mal ein Platz im Schatten der Pergola zugewiesen wurde. Ein paar Tage diente er während der Überlegungen, wo er seinen besten Einsatz finden könnte, als Rückenkratzer - aber dann wurden ihm doch ernsthaftere Aufgaben als Winzerlehrling zugewiesen - immerhin war er ja in einem Weingut gelandet.
Es war die Zeit der Erwartung: wann sind die Trauben endlich so reif, dass wir sie ernten können, ehe der
größte Teil der Ernte wieder in den Mägen von Wildschweinen, Dachsen und anderen Liebhabern von vollsüßen, saftigen naturbelassenen Früchten landet...die Kunde von dieser ständigen Gefahr war ja auch schon bis nach Deutschland gelangt....
Also heißt es regelmäßg kontrollieren und Proben nehmen, die dann auf ihren Zuckergehalt überprüft werden. Und da konnte der hölzerne Helfer seine erste Bewährungsprobe erleben - und da ja auch rote oder blaue Trauben vor dem Einsatz der Gärung erst mal nur weißen Saft haben, wurde so seine zarte helle Haut, die ihn so jungfräulich erscheinen ließ, nicht gleich mit unseren tiefdunklen tanninreichen Säften verschreckt...
der erste Einsatz des Löffels als Winzerlehrling: Saftpressen für die Oechsleprobe
Nachdem er sich hier gut bewährt hatte (kein Wunder - welcher Löffel hat nicht schon mal in seinem Küchenleben irgend was durch ein Sieb gestrichen...) - sollte sein nächster Einsatz einpaar Wochen später ihn aber auf eine harte Probe stellen:
der Löffel als Maischestampfer - hier gerät er deutlich an seine Grenzen
Die Trauben waren inzwischen geerntet - eingemaischt und in die Tanks eingefüllt -die spontane Gärung hatte auch pünktlich begonnen und jetzt galt es täglich, den Tresterhut einzudrücken, damit das "Dicke" - also Strünke, Kerne, Traubenhäute, die oben auf dem Saft, der aus den Trauben austritt, schwoimmen und dort einen dicken Pfropfen bilden, der von den aufsteigenden Gärgasen über Nacht immer wieder in die Höhe gedrückt wird, dieses Dicke also, das so schön bldlich "chapeau de marc" - eben Tresterhut genanntwird, wieder nach unten in den gärenden Saft zu stampfen, damit alle Bestandteile gut durchfeuchtet bleiben und von den fleißigen Hefebakterien auch der letzte Zucker aus den Trauben noch in Alkohol verwandelt werden kann, der dem zukünftigen Wein sein Rückrat und Schutz für seine Lagerfähigkeit gibt.
Nach kurzer Zeit gab unser Löffel durch leichtes knacken und stöhnen zu verstehen, dass diese Arbeit nun wohl doch zu schwer für so einzartes Geschöpf aus Weichholz sein.. und überließ seinen Platz aufatmend und schon mit hochrotem Kopf dem altgedienten Stampfer aus hartem Eichenholz, das schon seit Generationen in der Familie Rudel diese Aufgabe wahrnimmt und auch die entsprechende braunrot gegerbte Haut aufweisen kann.
Leicht frustriert war er aber schon und wäre sicher in eine Depression verfallen,hätten wir ihm im letzten Moment nicht doch noch etwas gefunden, für das er wie geschaffen ist und das sein Selbstwertgefühl gehörig aufwerten konnte:
Der Löffel als Lebensretter !
So konnte er schießlich doch mit hoch erhobenem Kopf seine Ruheposition im Löffelglas bei den älteren Hausbewohnern wieder einnehmen...und wird später seinen Kindern und Enkeln noch die Geschichte seines entscheidenden Einsatzes bei der Schneckenrettung aus der Maische erzählen ...und wer weiß, vielleicht schmückt er die Geschichte dann noch etwas aus...in seinen Löffelträumen sieht es wohl jetzt schon so aus:
....Löffels Traum von einem einem berühmten Ort....
Ich habe schon häufiger von Auswüchsen der französischen Gesetzgebung, wenn es um Wein und die Kommunikation darüber geht, berichtet. Ob es das Loi Evin von 1991 ist, dass die Berichterstattung über Wein fast schwieriger macht, als die über Pornographie, die Auswüchse, die damit zusammen hängen und jede genussbetonte Werbung oder Schreibe darüber jederzeit per Justiz abstrafen lassen können. Dass in Frankreich die Verkostung von Wein im Fernsehen vor laufender Kamera verboten ist und geahndet werden kann, Fernsehsender, die sich dem Wein (immerhin entscheidender Bestandteil der als Weltkulturerbe anerkannten französischen Gastronomie) widmen wollen, müssen versuchen, aus dem Ausland zu senden... die Berichterstattung im Internet wurde erst vor wenigen Jahren wenigstens halbwegs legalisiert. findet aber immer noch in einer noch geduldeten Grauzone statt...
All das hilft den Winzern zwar nicht, ihre Kommunikation und damit ihren Vertrieb im eigenen Land sinnvoll auszuweiten, ist
aber irgendwann eine Frage der Gewohnheit, ...on se débrouille.., wie man hier sagt - man passt sich an und spielt auch gerne in Grenznähe...oft mit viel Humor, der zum Glück
noch nicht allen vergangen ist. Die Weine aus Lisson tragen nicht umsonst seit Beginn ein augenzwinkerndes "Vin de (très bonne) Table" auf dem Etikett.
Aber wehe, wenn da jemand zu viel davon zeigt, von diesem Humor, der die strengen gesetzlichen Regelungen der alles kontrollierenden Administration auf die Schüppe nimmt....
Dann schlägt der Amtsschimmel mit Unterstützung der Justiz zurück - und trifft da, wo es am wehesten tut: auf dem Bankkonto.
So geschehen für Olivier Cousin, einen Biowinzer aus dem Anjou, Demeter zertifiziert und seit vielen Jahren bekannt für sein Engagement für lokale Rebsorten, den Einsatz von Pferden für die Arbeit im Weinberg, den Verzicht auf Zusatzstoffe bei der Weinbereitung und eben seine trinkbaren Weine, die nicht nur in Frankreich, sondern auch in den USA und Japan eine große Fangemeinde gefunden haben.
Ich selber habe sie vor ein paar Jahren auf einer Slow-Food Veranstaltung in Gap entdeckt und war von seinem Gamay 2005 so angetan, dass ich seit dem mit besonderem Interesse die Berichterstattung über ihn und seine Weine auf französischen Blogs verfolgt habe.
So hörte ich auch von seinem über 15 Jahre laufenden Prozess, den er führen musste, nachdem er den "Freiwilligen Pflichtbeitrag" die "Contribution Obligatoire Volontaire" (das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen) zum offiziellen Interloire-Vertretung verweigerte, weil er die kleinen, dem nicht standardisierten und industrialisierten Wein verpflichteten Winzer dort nicht adäquat vertreten sah. Nach langem, jetzt verlorenem Prozess wurden nun seine Konten durch einen Gerichtsvollzieher gesperrt....
Aber die Geschichte geht weiter und ist noch viel länger... Sylvie Augerau, eine engagierte Weinjournalistin, die vielen Besuchern der Messen, wie der Dive Bouteille wohl auch über die Grenzen hinaus bekannt ist, hat mir erlaubt, ihren Artikel "Tous Cousin" zu übersetzen, der auch den Aufruf zur Solidarität enthält, den inzwischen über 500 Kollegen aus dem In- und Ausland (bis auf Deutschland;-), unterschrieben haben.
Hier ihr Text in meiner bescheidenen Übersetzung:
Tous Cousin!
Ich wette, jeder kennt Olivier Cousin, Winzer aus dem Anjou in Martigné-Briand in der
Region Maine-et-Loire ! Tut mir leid, aber die geographischen Angaben mussten zensiert werden, weil Olivier freiwillig seine Weine zu Tafelweinen herabgestuft hat, bei denen man nicht
angeben darf, woher der Wein stammt Sagen wir also nur, dass sie großzügig auf den GPS Koordinaten länge -0,42834000 – breite 47,23584000 reifen und dass sie nie mit Pestiziden in
Berührung kamen und von seinen Pferden gerne verspeist werden.
Die Geschichte des Gutes hat schon einige Generationen auf dem Puckel. Die von Olivier beginnt mit seinem Großvater, der bei Kriegsende nicht bereit war, die chemischen Restbestände der Armee über den neuen Feind « Unkraut » auszugießen. „Die Unkrautvertilgungsmittel haben aus dem Layon den am meisten vergifteten Fluss von Maine-et-Loire gemacht. Vorher konnte man sich im Fluss waschen, heute muss man sich waschen, wenn man hinein gefallen ist.“ Der Apfel, wie der Chenin, fällt nicht weit vom Baum und so folgte Olivier langsam diesem Weg, ohne je denen die Tür zu schließen, die auf dem richtigen Weg in der Landwirtschaft waren.
.....
Aber nach und nach kippt das ländliche Idyll : unser Charles Ingles (er trägt oft die gleichen karierten Hemden und schlägt ständig Holz, um seine hübschen Kinder zu wärmen) wird zum Objekt zahlreicher behördlicher Verfolgungen und sonstiger Zollfahnder. Der Stänkerer gerät in die Mühlen… Vor nunmehr 20 Jahren beschließen Olivier und einige Unbeugsame, den Beitrag für die Interessenvertretung , die eigentlich den Weinbau der Loireregion (dem seinen diametral entgegengesetzt) verteidigen und fördern sollte, nicht mehr zu leisten. Allein steht er 15 Jahre Prozesse durch. « Es war meine Aufgabe, das aufzumischen. Gestern habe ich verloren: mein Konto wurde vom Gerichtsvollzieher blockiert. „ In Bordeaux strengt gerade ein besser zusammengeschlossener und mit Verteidigern ausgestatteter Zusammenschluss von Winzern die gleiche Prozedur gegen diese “Freiwilligen obligatorischen Beiträge“ (ja, Sie haben richtig gelesen so heißt das) an. Aber unser Pferdchen ist in schlechten Zeiten ein beliebtes leichtes Ziel geblieben…
2003, während die Reben vor lauter Sonne schon nicht mehr konnten, erlaubt man die Aufzuckerung und Nachsäuerung in der AOC Anjou. Olivier bäumt sich auf. 2005, in einem ebenfalls sonnenbeglückten Jahr, beschließt er, auf die AOC zu verzichten und seine Weine zu Tafelweinen zu erklären, « den einzigen, die kein Recht auf Aufzuckerung haben ! » Aber auch die einzigen, bei denen keine Angabe über die geographische Herkunft auf den Etiketten erlaubt ist…Viele bekannte Winzer aus dem Anjou haben sich auch dazu entschlossen (Mark Angeli, Richard Leroy…), die meisten stammen nicht von hier. Olivier wurde hier geboren. Seine Trauben wachsen hier auf und das Bedürfnis, das auch zu sagen, wächst ebenfalls. Also fügt er ein diskretes „Vigneron angevin - Winzer aus dem Anjou“ auf einige Etiketten, stempelt einige mit « Anjou » und markiert seine Weinkartons mit « Anjou Olivier Cousin » in roten Initialen (AOC). Weil er stolz ist, von hier zu stammen. Und was kommen musste, kommt…Die Zollinspektion klingelt, stellt fest, fotografiert, befürwortet eine Strafe von 30 000 Euro und stellt fest, dass „er seiner Appellation Schaden zugefügt hat“.
crédit foto: Olivier Grosjean
Tusch!!!!- Olivier Cousin hat seiner Appellation etwas Gutes getan. Er braucht sie nicht, um seine Weine bis hin nach Japan zu verkaufen. Und es dient dem Ruhm dieser Region, die leidet (der Preis für Rosé im Handel ist der Gleiche, wie vor 30 Jahren geblieben), dass er ihren Namen verbreitet. Besser noch: das Gute, dass er nach außen bewirkt, ist auch in der Region sichtbar: hier ist Olivier inzwischen der Vater vieler junger Winzer. Sie kommen zu ihm, wenn sie Sorgen haben. Er versorgt sie mit gutem Rat, füttert sie und teilt sogar seine Weinberge mit ihnen, damit sie sich installieren können. Und er ist es auch, der sie lehrt, wieder mit dem Pferd zu arbeiten und dafür sogar ins Fernsehen kommt. Ein gutes Bild für seine Region….
Und deshalb schlagen wir auch vor, diesen Brief an die Staatsanwaltschaft zu unterzeichnen (mit Name, Funktion und Adresse)...
Brief an die Staatsanwaltschaft
Wir, Winzer, Journalisten, Weinhändler, Importeure, machen unsere Unterstützung für Olivier Cousin deutlich.
Wir lehnen uns dagegen auf, dass man ihn anklagt, dem Ruf seiner Appellation Schaden zuzufügen.
Olivier Cousin verkörpert eines der schönsten Bilder des Anjou. Seine Mediatisierung zeugt davon. Seine Kulturpraktiken im Weinberg respektieren seine Lagen. Der Wein, der daraus entsteht, bringt sie ohne jede Verfälschung zum Ausdruck und verbreitet die Identität des Anjou in der ganzen Welt.
Besser noch, Olivier Cousin ist einer der Hauptakteure der Erneuerung der Weingegend : er unterstützt aktiv und physisch die Installation junger Winzer.
Schließlich ist er auch der Ausgangspunkt der Revolution des Zugpferdes im ganzen Loiregebiet.
Wir, Winzer,Journlisten, Weinhändler, Importeure, bringen Olivier Cousin unsere solidarische Unterstützung und prangern die Verfolgungen an, deren Objekt er ist."
Zum Unterzeichnen bitte auf den Link zum Original dieses Artikels gehen und Name, Funktion und Adresse als Kommentar hinzufügen.
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Auch wenn Olivier Cousin die Buchstaben des Gesetzes, das bis vor kurzem für
Tafelweine die Angabe von Rebsorten, Jahrgang und eine Adresse, die auf die Herkunft schließen lassen könnte, untersagte (das ändert sich gerade erst bei der Umstellung von "Vin de Table" zu "Vin
de France",) wohl als bewußte Provokation verletzt hat - würde mich sehr freuen, wenn ein paar deutsche Winzer, Journalisten, Blogger und Weinliebhaber die Lister der Unterzeichner verlängern
könnten, um zu zeigen, dass die Solidarität an der Magino-Linie nicht halt macht, denn die Höhe der angedrohten Strafe (30 000€) scheint mir sehr disproportioniert und ist für einen
kleinen Winzer wohl bewußt existenzbedrohend gewählt - das wäre - zusammen mit der Sperrung der Konten - ein sehr teuer bezahlter Scherz.
Hier noch eine Liste von Links zu internationalen/nicht französischen Beiträgen zum Thema:
Verkostung Vinisud Off:
Die WinzerBlogger
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