der postbote hupte 2 mal - aber keine Angst, ich hatte gleich so eine Ahnung, dass er mir heute nur
Gutes bringen würde.
Denn heute, in der deutschen Blogwelt fast gänzlich unerwähnt, war ja der Tag - fast so gut überwacht,
wie das Erscheinungsdatum des Gault Millau - der dritte Donnerstag im November, an dem traditionell der Beaujolais Primeur oder Beaujolais Nouveau des laufenden Jahrgangs
Weltweit seine Premiere feiern darf.
Aber während immer mehr das internationale (und vor allem innerfranzösische) Beaujolais Bashing die Presse beherrscht - dünne, säuerliche Schnellschussweine mit Bonbonaromen für den dummen Konsumenten, der sich noch von alten Medienhype verführen
lässt - und während die Presse meldet, dass er in Japan, wo noch in Becken
mit diesem Massenwein gebadet wird, in diesem Jahr billig und in Plastikflaschen ankam, während in Kanada nur noch die Standartweine zwei Großkellereien von der
staatlichen SAQ eingeführt wurden, traf er in Lisson in seiner besten Form ein:
Ein Beaujolais Villages "Brut de Cuve" Trauben aus biologischem Anbau, vollreif geerntete Trauben
(12,5° Alkohol ohne Zuckerzusatz), ohne Schwefel in der Weinbereitung - also die pure Frucht für diesen Wein der Domaine des Côte de la
Molière in Vauxrenard, von Isabelle und Bruno Perraud, über die ich auf meinem französischen Blog schon berichtet
habe.
"Raisins cueillis sur une vigne en harmonie avec la nature" - Trauben aus einem Weinberg, der in
Harmonie mit der Natur lebt" - was könnte die Philosophie dieses Winzerpaares besser
ausdrücken. Hie gibt es auch im Keller keine Schnellverfahren, keine künstlichen Aromahefen, keine Zusatzstoffe: die natürliche Gärung nimmt ihren Verlauf - der Wein wurde gerade noch rechtzeitig
fertig - wenn nicht, hätte es ihn eben erst später gegeben.
Ein schöner Abschluss eines schwierigen Jahres für die Winzer, deren Weinberge zweimal von großen Hagelschauern heimgesucht wurden. Aber all's well that ends well - ein goldener Herbst machte all
das wieder wett und beschehrte eben diese vollreifen Trauben - zur Freude der Winzer und zu unserem Genuss.
Ich freue mich auf die Premiere mit diesem nicht ganz gewöhnlichen Primeur!
Par Iris Rutz-Rudel
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Publié dans : Essen und Trinken
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Wieder einmal ein eher originelles Thema von Thomas, dem Winzerblogger, für diese
27. Weinrallye: Wein von der Tankstelle - für ihn scheinbar einfach, für mich, aufgrund meiner geografischen
Lage im Hinterland und der französischen Rechtsprechung in punkto Alkoholgesetzgebung aber wieder mal ein ziemliches Problem.
Das beginnt damit, dass ich inzwischen gut 25 km mit dem Auto fahren muss, um überhaupt eineBezinzapfsäule
zu erreichen . Nach und nach haben in unserem Tal, im Hinterland des Hérault (Südfrankreich, Languedoc) alle kleinen Tankstellen geschlossen, die es vor 30 Jahren noch in jedem noch so
kleinen Dorf, oft zusammen mit einer kleinen Reparaturwerkstatt, gab.
Über Jahre haben wir lieber ein paar Cent pro Liter mehr gezahlt, um uns diesen Service in der Nähe zu
erhalten und auf das Volltanken beim Supermarktbesuch in einem der großen Einkaufszentren verzichtet, die inzwischen das Monopol auf Zapfsäulen haben. Genutzt hat es unserem letzten kleinen
Tankwart/Garagisten im Nachbarort Mons la Trivalle wenig - eines Tages lagen auch in seiner Einfahrt dicke Autoreifen quer und signalisierten, dass die Zapfsäulen jetzt trocken bleiben
würden.
Er war nur Pächter der Anlage, die auf europäische Sicherheits- und Umweltnormen hochgerüstet werden müsste und konnte sich diese Investition nicht leisten - und auch sein Vermieter war
offensichtlich nicht daran interessiert. Für uns hier im dünn besiedelten Land ein großer Verlust - einen "Shop" hatte er zwar nie, die drei verstaubten Flaschen von der örtlichen Kooperative,
die da hinter der Kasse vom grellen Sonnenlicht ausgebleicht wurden, waren wohl eher symbolisch gemeint - ich kann mir nicht vorstellen, dass viele davon zum Kauf angeregt hätten... aber
wenigstens bekam man an 6 Tagen in der Woche zwischen 7 und 19 Uhr Benzin, Diesel und Fioul, also Heizöl, ohne gleich mehrere Liter auf der An- und Abfahrt zu vergeuden...
Die Öffnungszeiten zeigen schon, dass die Tankstellen hier nicht den gleichen Stellenwert als
Einkaufsquelle haben, wie offensichtlich in Deutschland (und vielleicht auch in französischen Großstädten - da kenne ich mich nicht aus.) Zu diesen Zeiten kann man auch im örtlichen
Lebensmittelladen oder beim Metzger einkaufen - selbst am Sonntag Morgen sind die geöffnet und bieten eine Auswahl von Flaschen und örtlichen BIB (bag-in box) Weinen an.
Wein bei unserem Metzger
Reich sortierte Läden an Tankstellen kenne ich nur von der Autobahn, auf größeren Rastplätzen findet man dann auch die getrennt zugänglichen Pavillons, in denen regionale Spezialitäten - und
auch häufig Wein der jeweiligen Region, angeboten werden.
Nun kaufe ich persönlich meinen Wein ja bekanntlich lieber direkt beim Winzer (auf Reisen beim Fachhändler:-), und bei überraschendem Besuch oder einer Einladung hilft mir natürlich der Gang in den eigenen Keller immer
aus der Verlegenheit...von daher gehöre ich wohl nicht zur typischen Zielgruppe von Tankstellenshops, selbst wenn es sie in meiner Umgebung gäbe.
Aber es gibt sie hier eben auch nicht. Inzwischen muss ich notgedrungen die Zapfsäule
einer Handelskette wie Intermarché oder Super-U nahe der nächsten Kleinstadt in Anspruch nehmen. Das bringt mich aber nicht dazu, in den dazugehörigen Märkten die Weinregale zu
durchforsten, die um diese Jahreszeit mit ihren FAVs (foire au vin), den alljährlichen und auch in den Foren,
Blogs und allen Weinzeitschriften ausgiebig kommentierten Sonderangeboten (vom großen Bordeaux zum "Schnäppchenpreis" bis zum Billigwein unter
2 €) die Weinfans in Atem halten.
Diese Geiz ist geil Mentalität widerspricht nun mal meiner Grundeinstellung. Da "geize" ich lieber mit den gefahrenen Kilometern - Einkäufe von Frischwaren werden im Dorf gemacht -
alle 6 Wochen gibt es dann die "Vorratstour" für lagerfähige Grundnahrungsmittel (bis auf Wein:-)...), da werden dann auch die Kanister für den Treibstoff für unsere landwirtschaftlichen Geräte
(Kettenfahrzeug, Kettensäge, Motorsense und das Elektroagregat) gefüllt - der Autotank ist nur so alle 3 Monate dran, denn inzwischen haben wir im Schnitt nur 250 km pro Monat auf dem Tacho
- unser kleiner Beitrag zum Energiesparen und zur Verringerung des CO2 Ausstoßes.
Also kein aktuell verkosteter Wein, der hier heute vorgestellt werden könnte. Aber noch ein kleiner
Exkurs über die Auswirkungen der französischen Anti-Alkohol-Politik: Die Gesetzesvorlage der Regierung, die ein generelles Verbot
des Verkaufs von alkoholischen Getränken in Tankstellenshops vorsah, ist zwar im März so radikal nicht angenommen worden, da war die Lobby - vor allem der regionalen Weinverbände, die
diesen Verkauf vor allem entlang der Autobahnen als eine Vitrine für Touristen ansehen, dann doch zu stark - dafür wurde aber der Verkauf von alkoholischen Getränken zwischen 18 und 8 Uhr
in den "stations service", wie sie hier heißen, verboten und mit einer angedrohten Strafe von 7.500 €, bei wiederholtem Verstoß bis zu einem Jahr Gefängnis, belegt.
Ob solche Strafen schon verhängt wurden, konnte ich im Netz nicht erforschen - eine Umfrage einer
Auto-Zeitschrift unter 50 Verkaufsstellen soll eher eine negative Haltung der Tankstellenpächter zu Tage gebracht haben, die sich so einer ihrer bedeutendsten Einnahmequellen beraubt fühlen, auch
wenn ein Zeitungsbericht aus dem Loiregebiet eher glauben lässt, dass
es auch folgsamere Verkaufsstellen gibt.
Eine weitere Maßnahme, die dem Gelegenheitskauf eines tiefgekühlten Sixpacks oder einer kühlen Flasche Rosé
für das Autobahnpicknick einen Riegel vorschieben soll, ist das generelle Verbot, auch zu anderen Öffnungszeiten alkoholische Getränke gekühlt zum Verkauf anzubieten. Die bekommt man also
an der Tanke nur noch lauwarm - ob's hilft?
Immerhin habe ich zu diesem "Nichtbeitrag" im Sinne der von Thomas ausgebenenen
Regel:
"Ich bitte euch also eine Tankstelle eurer Wahl aufzusuchen, dort irgend einen Wein zu erstehen, ihn zu
verkosten. einzige Bedingung ist also, der Wein muß aus einer Tankstelle kommen, ansonsten gibt es keine weiteren Regeln."
noch ein Foto gefunden, aufgenommen auf einer Autobahnraststätte im Aude im Juni- eingeordnet in die Rubrik: Wein, den ich nicht gekauft habe - vielleicht gibt's ja
mal eine Weinrallye: Wein und Sport
!
Par Iris Rutz-Rudel
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Publié dans : Weinrallye
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