Unser Blog soll Ihnen die Gelegenheit geben, rund ums Jahr an den aktuellen Arbeiten auf unserem kleinen Gut in Südfrankreich teilzunehmen. Unsere Webseite stellt uns zwar bereits in drei Sprachen vor, aber wie viele Webseiten, ist sie eher statisch aufgebaut. Ein Blog  (es gibt ihn schon in Französisch: hier) erlaubt hingegen, viel spontaner, aktueller und auch weitläufiger über das, was wir tun, was uns bewegt und wofür wir uns sonst noch interessieren, zu schreiben.

Begleiten Sie mich also auf dem Weg durchs Winzerjahr. Hinterlassen Sie Ihre Kommentare oder stellen Ihre Fragen, damit aus diesem Blog ein lebendiges Kommunikationsmittel wird.

Ihre Iris Rutz-Rudel



Mercredi 23 avril 3 23 /04 /Avr 12:42

auch wenn es nach so vielen Jahren manchmal so scheint, als sei alles schon einmal... ja eigentlich seit dem ersten Artikel dieses Blogs vor fast 9 Jahren unzählige Male bereits erzählt, beschrieben, fotografiert und hier veröffentlicht worden, so lehrt mich doch jedes Jahr, dass die Arbeit immer wieder neu beginnt und so wie der Wein ja zum größten teil im Weinberg bestimmt wird, nach den Planungen des Winzers, der rodet, pflanzt, auswählt, hegt und pflegt und dabei schon so viele Parameter zur Wahl hat, dass er - wie hier in Frankreich - durchaus als Faktor des so oft zu eingeengt gebrauchten Terroir-Begriffes mit eingerechnet werden kann - so spielt - und das kann jeder nachvollziehen, vor allem das nicht nur allmählich - siehe Klimaerwärmung - sondern oft auch jährlich - wenn nicht gar täglich wechselnde Wetter eine entscheidende Rolle, die es zu beachten/erdulden und manchmal auch zu erleiden gilt - und der Link aus 2010 zeigt, dass da auch der Monat Mai noch durchaus seine Kapriolen schlagen kann.

2014 - nach einem sehr milden Winter, der nur im Dezember des vorjahres einige wenige, leichte Frosttage bereithielt - ist da wieder ein gutes Beispiel. Und auch wenn der Winterschnitt bei recht warmen Temperaturen recht zügig voranging, hat ein eher feuchter Frühling mit kühlen Nächten den Austrieb an unseren Hängen doch noch auf ein normales Maß und Datum zurück gebracht.

Gleiches läßt sich allerding nicht für den Rest der Flora sagen - das Gras war lange nicht grüner, die Vegetation, beflügelt durch die im Boden vorhandenen Wasserreserven und frühsommerliche Temperaturen im April, spriesst mit Macht und es wird Zeit, so schnell wie möglich die Sense zu schwingen - bzw, da sie ja motorgetrieben ist, sie anzuwerfen und in geduldiger und ermüdender Kleinarbeit die Weinstöcke mitten in diesem grünen Meer wieder sichtbar zu machen, damit bald alles wieder so ordentlich aussieht, wie auf den im alten Artikel zu besichtigenden Bildern... und wie sich das Jahr 2014 anläßt, wird das "Alles sauber" wohl dieses Jahr mehrfach erklingen müssen - ein erster Durchgang im Mai - und je nach der weiteren Entwicklung unseres Mikroklimas vielleicht dieses Jahr im Juli schon ein zweites Mal. - Das kostet den Mietsenser Kraft und die Winzerin muss tiefer in die nicht sehr gefüllte Kasse greifen - so viel zu denen, die uns so schnell und 08/15 unsere Betriebskosten vorrechnen wollen - hier wird eben nicht mit der Giftspritze auf schon weitgehend sterilisierten Böden gearbeitet...

Und neben dieser Kraftanstrengung bleibt noch genügend Arbeit für die "kleinen Hände" - les petites mains, wie man hier sagt: die überflüssigen Knospen an den Rebstämmen und schon bald sprißenden Geiztriebe ausbrechen, damit die Kraft des steigenden Saftes sich in den im Winter ausgewählten Trieben mit ihren Fruchtansätzen, die unsere erhoffte Etragsmenge repräsentieren, konzentriert -  je nach Wetterlage und Krankheitsdruck zeitnah und möglichst präventiv die wenigen Hilfsmittel einsetzen, die wir uns erlauben: Netzschwefel und Kupferkalk - letzteren in immer homeopatischenen Dosen, um die Akkumulation im Boden und die Blockierung der hilfreichen Mikroorganismen zu vermeiden - und immer wieder der Blick zum Himmel und auf die Wettervorhersage - und die, die ihren Glauben nicht verloren haben, haben sicher auch schon das eine oder andere Mal gebetet, wenn Gewitter- und Hagelwolken am Horizont standen - uns bleibt da nur Daumen drücken...

Aber heute ist der Himmel frisch gewaschen blau über der liegenden Frau gegenüber - also genieße wir den warmen Sonnentag und träumen von einem guten Jahrgang 2014 - vielleicht wirkt das ja als self fullfilling prophecy :-)


Rosen-femme-couchee-Avril-2014.jpg

Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Arbeit im Weinberg - Voir les 0 commentaires
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Vendredi 27 décembre 5 27 /12 /Déc 15:15

 

WeinRallye70-300x300.jpg

 

So heißt das Thema der 70. Weinrallye -ausgerufen für heute von Cordula Eich, Weinkritikerin und Weinbloggerin, der Torsten Hammer heute schon ein unvergessliches Denkmal in seinem Weinrallye-Märchen-Beitrag gesetzt hat .

"Willkommen sind Hintergrundgeschichten, Anekdoten, Verkostungsnotizen und Inspirationen zu allen lustigen Witwen und anderen prickelnden Exemplaren! Herkunft spielt keine Rolle!" lautet die Direktive von Cordula.

Es gilt also, an einem eher der Ruhe und Erholung gewidmeten Tag zwischen den Festen zum Jahresende, an dem mir zusätzlich  ein wehes Knie jeden überflüssigen Schritt - und so auch einen Gang über die steile Kellertreppe - verbietet, eine Geschichte rund um die berühmten Bläschen, les bulles, zu finden.

Ein Thema, das, oft zum Jahresende, aber auch zu anderen Zeiten schon die Weinblogwelt und damit auch mich beschäftigt hat ... nachzulesen in den Archiven, ob auf Deutsch für die Weinrallye oder Französisch für die dortigen Vendredis du Vin.

So zur 6. Weinrallye 2007 unter dem Titel : Schaumwein? - Champager !

zur 18. Weinrallye 2008 mit : deutscher Winzersekt? - aber wenn schon klassisch und bio bitte !

oder bei den Vendredis im Juni 2008: Sekt ou Nul n'est Champagne dans son pays...

 

Und auch in meinem Leben haben die Prickler - nach den ersten Erfahrungen mit den gespritzten Bowlen bei Familienfeiern - zunächst meist auf Empfängen oder Vernissagen den Weg in mein Glas gefunden - meist sogar schon anonym auf vollen Tabletts eingefüllt, die man kaum unauffällig zurückweisen konnte ((für mich als damalige Nicht-Alkohol-Trinkerin immer ein Kunststück, rechtzeitig eine Topfpflanze in diskreter Position mit genügend großem Wurzelbehäkter zu finden... es sei denn, es gab den langeJhre üblichen "Sekt mit Orangensaft - da konnte man auch schon mal mit Sprudelwasser als Grundwein schummeln, ohne dass einen die Farbe des Getränks sofort als Spielverderber auswies ).

Wie so vieles im kulinarischen Bereich kam auch für mich die Entdeckung und Erleuchtung, dass da noch mehr als Kohlensäure im Spiel sein könnte, erst später peu à peu in Frankreich - siehe die oben verlinkten Artikel.

Und so hatte ich im noch nicht ganz vergangenen Jahr bei meinem Aufbruch zur Teilnahme am 3. Vinocamp Deutschland, dem jährlichen großen Weinbloggertreffen in Geisenheim, das zwar nicht ganz, aber doch zu großen Teilen in seinenpraktischen Übungen den Pricklern gewidmet sein sollte, auch eine Flasche meines Lieblingschampagnerwinzers als Beitrag zu einer Verkostung von Winzerchampagnern im Fluggepäck:

Petrae.jpg Cuvée Petrae - Champagne Solera 1997 (XCVII) bis 2003 (MMIV) de Francis et Delphine Boulard

 

Leider konnte ich an er entsprechenden Arbeitsgruppe dann nicht teilnehmen, so dass ich nicht weiß, ob diese besondere Art der Grundweinbereitung ihre Liebhaber gefunden hat....

Weniger nobel, aber dafür umfassend und international war dann die Abschlussverkostung im großen Hörsaal von Geisenheim unter der fachkundigen Leitung von Champagnerspezialist Boris Maskow:  Bubbles, bulles, Bläschen aus aller Herren Länder defilierten vor unseren Bänken im Hörsaal, füllten die Gläser und gaben uns so in einem Schnelldurchlauf einen informativen und eindrucksvollen Eindruck all dessen, was außer Champagner und Sekt inzwischen überall auf der Welt gemacht wird, um unsere kleinen und großen festlichen Anlässe zu verschönern. Und schon längst sind ja auch bei Empfängen Cava, Prosecco, Blanquette und Crémant salonfähig geworden...

Schaumweinprobe-VCD-13.jpg

Nach dieser genialen Mamutheinführung am Sonntag Morgen (und immerhin schon am zweiten Tag der gut begossenen Veranstaltung) fand dann ein allgemeiner Run auf den Stand mit den türkisfarbenen Flaschen im Foyer statt - fast so, wie es wohl auch heute für viele Weihnachtsüberlebende der Fall war und wohl auch spätestens am 2. Januar wieder der Fall sein wird....

Aber schön war es doch - und in diesem Sinne: guten Rutsch, joyeuse fête - santé und na dann Prost - und möge das Glück im Neuen Jahr mit uns sein, - wenn's sein muss auch mit Bläschen

Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Weinrallye - Voir les 0 commentaires
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Dimanche 14 juillet 7 14 /07 /Juil 08:57

jeden-tag-ein-buch_arianebille.png

"Genussbuch
bedeutet, dass es sich nicht zwingend um ein Kochbuch oder Ähnliches handeln muss. Genuss liegt in so vielen Momenten und Dingen unseres Lebens verborgen, dass Du auch gerne über einen berauschenden Opernführer schreiben kannst."

So heißt die Aufforderung bei Arthurs Tochter, der ein Bücherwurm wie ich natürlich nicht wiederstehen kann.

 

Und dazu ist heute schon der letzte Tag - ich hab's mal wieder nicht geschafft, rechtzeitig an den Start zu gehen. Dafür gibt es Entschuldigungen, bin erst vorgestern aus Deutschland wieder hier in Lisson eingetroffen und habe sozusagen noch den "Jetlag" zu verdauen, die Post zu sortieren und zu reagieren, die Tomaten im Garten neu hochzubinden, die dank fleißigen Gießens meiner Dorfnachbarn die herrschende Hitzewelle einigermaßen überstanden haben, den Weinberg zu belaufen, um zu sehen, ob die Winzerin da nicht auch arg gefehlt hat... . ja, und natürlich auch die Küchenvorräte erst mal wieder aufzufüllen ... und mich auch etwas auszuschlafen....

Aber es ist eben auch noch bis kurz vor Mitternacht Zeit, meinen Beitrag zu leisten, zu dieser wunderschönen Sommer-Blogger-Aktion - also ab an die Bücherwände und noch mal aussortiert, worüber ich berichten könnte, wenigstens ein paar von meinen Genusslieblingen sollten bis heute Abend noch vorgstellt werden.


Jörg Utecht und  Christoph Raffelt haben schon zwei Lieblinge meiner Krimikochbücher behandelt, die kann ich mir also sparen (und ich hab sie noch, die antiquarischen Ausgaben der von ihnen genannten Bücher :-) ),also werde icheuch nichtnoch einmal  den Cavalho von Wasquez Montalban oder die Rezepte aus den Krimis von George Simeon vorstellen. Babettes Fest, das ich auch schon für eine vergangene Weinrallye rausgesucht hatte, findet man bei Pimpi-Mel-la - und sicher gibt es noch andere Überschneidungen mit Ideen, die mir durch den Kopf gingen und Büchern, die in meinen Regalen stehen, bei den zahlreichen Mitbloggern, die ich noch nicht entdeckt habe..

Tja, aber was wähle ich jetzt aus, aus dem reichen und gemischten und überall auf den mehr oder weniger improvisierten Regalen verteilten Schätzen meiner kulinarischen Büchersammlung?

Bücherregale
Die ist nämlich überall verteilt, in schwindelnder Höhe fast unter der Decke im Atelier, da brauche ich den Feldstecher oder die große Leiter, um ein verschwundenes kleines Bändchen zu entdecken ... oder auch ganz unten, hinter dem dicken Lesesessel - manches auch vermutlich in der zweiten Reihe hinten im tiefen Standregal.... von den irgendwann zur Nachschlagen benutzten Bänden, die auf diversen Stapeln in den Leseeckchen auf und unter Tischchen oder Fensterbänken landeten und dann noch denen, die an liebe Freunde ausgeliehen gerade gar nicht mehr im Haus sind, gar nicht erst zu reden....

Und genau zu dieser Sorte scheint ein weiterer Kandidat meiner "Lieblingsgenussbücher" zu gehören, das kleine Bändchen mit dem schönen Titelbild auf dem Umschlag, das mich schon über 40 Jahre begleitet:

Spoerri.jpg

Gastronomisches Tagebuch. Itinerarium für zwei Personen auf einer ägäischen Insel. Nebst einer Abhandlung über den oder die Keftedes.
Spoerri, Daniel - cuoco secreto.
Published by Luchterhand, (Neuwied Berlin) , 1970

Mein Exemplar hat schon etwas eingerissene Ecken am Umschlag, zahlreiche Umzugskisten, diverse vollgestopfte Regale und vor allem häufiges Lesen haben ihre Spuren hinterlassen. Und da ich jetzt hier - wegen momentaner Unauffindbarkeit - nicht aus dem Inhalt zitieren oder gar das namensgebende Rezept für die Fleischbällchen kopieren kann - eine kleine Erinnerung an die Zeit, als dieses Buch in meiner Bibliothek landete ...

Meine Sammlung von Kochbüchern hat natürlich lange Zeit vor der rund um den Wein begonnen. Dafür gibt's eine ganz einfache Erklärung: als ich mit 20 zum ersten Mal geheiratet habe, konnte ich gerade das berühmte harte Ei kochen, aber selbst  die damals für ein sonntägliches Familienessen so unverzichtbaren Salzkartoffeln veranlassten mich, in meinem ersten Basiskochbuch für junge Hausfrauen, das uns zum Glück jemand zur Hochzeit geschenkt hatte, nachzuschlagen - zum Glück stand auch das mit den Kartoffeln drin....

Es folgten lange Jahre der Ernährung (oder des Abfütterns) in der Hochschulkantine, aufgeheitert von Spaghettis aus der Miracoli Packung (an besonderen Tagen angereichert durch eine Dose Büchsenchampignons) ... immer im Bemühen, die notwendigen Essenszeiten durch möglichst angeregte Gesprächspartner zu würzen, um sich nicht zu sehr auf den Tellerinhalt konzentrieren zu müssen...

 

... bis ich eines Tages meine Freunding Erika Tischer traf, 15 Jahre älter als ich, aber ebenfalls noch Studentin, Mikatze hieß das damals, nach den amtierenden Kuiltusminister, aber auch schon Mutter zweier Kinder und verheiratet mit einem Fotografen, in deren Haushalt sich das "tout Düsseldorf" der damaligen Zeit - zumindest das zwischen Kunstakademie und Kunstahalle - die Klinke in die Hand gab.


Hier lernte ich zum ersten Mal wunderschön improvisierte Essen zu 8 oder 10 um den runden Tisch kennen oder auch von Zeit zu Zeit Empfänge für 40 Personen, auf denen die Tische unter den verschiedensten Gerichten - ebenso köstlich wie auch oft exotisch - fast zusammen brachen  - immer alles mit hervorragender Logistik und einem Minimum an finaziellem Einsatz organisiert und zubereitet. In diesen Jahren bei und mit Erika habe ich gelernt, meine Angst vor größeren Gesellschaften zu verlieren und dass eine gute Inspiration durch diverse Lektüre, eine gute Intendanz und keine Angst vor Improvisation, die Basis einer gastlichen Küche sein sollten.

In der Zeit fing ich also an, Kochbücher zu sammeln - nicht um sklavisch irgendwelche Rezepte nachzukochen, sonder einfach aus Neugierde und um - wie auf jedem anderen Forschungsgebiet - weiter in die Materie einzudringen. Die Originelleren, in denen es neben - oder oft sogar vor - den Rezepten auch etwas Philosophie, ein paar persönliche Anekdoten oder Informationen zum kulturellen Umfeld, der Geschichte einer Küche zu lesen gab, hatten dabei natürlich für mich den Vorzug. Und Spoerris kleines Bändchen hatte da natürlich immer einen, selten erreichten Vorzugsplatz auf meiner Lieblingsliste.

In diesen Jahren habe ich natürlich auch entdeckt, dass man sich während immer wieder aufflammender Diätperioden à la Brigitte oder bei leerer Kasse gegen Ende  besonders schwieriger Monate  auch schon mit der Lektüre köstlich ernähren, geradezu sattlesen konnte. Nichts lenkt so von einem knurrenden Magen ab, wie mit Spoerri auf seiner griechischen Insel über Keftedes und Hackfleischbällchen zu diskutieren, den Autoren der Weltküchenbände von Time-Life in ferne Länder zu folgen oder sich in die Geschichte der Alimentation zu vertiefen, mit Büchern über die Küche der Römer, das Mittelalter oder die Renaissance.....

Und so schmökere ich auch heute noch gerne in meiner alten, leinengebundenen Ausgabe von Salcia Landmanns Gepfeffert und gesalzen" - Geschichten über Gerichte. Ein streitbares Kochbrevier (Walter-Verlag, Olten und Freiburg im Breisgau 1965), in dem ich so schöne Passagen finde, wie:

"Sauerrahm bei Mark Twain

 
Mark Twain erzählt in seinem Buch 'Tom Sawyer' von einer Mutter, welch weinend berichtet, sie habe ihren Jungen georfeigt, weil sie glaubte, er habe aus der Speisekammer den Rahm genascht. Und dabei habe sie ihn selber am Tag vorher weggegossen, weil er schon sauer war!

 
Man stelle sich nur vor! Die Amerikaner hielten die delikaten saure Sahne für verdorben und schütteten sie weg! Konnten solche Menschen in Küchenhinsicht ernst genommen werden? Es gab mir einen regelrechten Schock." (S.120)"

 

 

oder lese mal wieder das erste Kapitel von Herrmann und Katinka Mostar "Katherlieschens Kochbuch - Was gleich nach der Liebe kommt" Ullstein Verlag Frankfurt 1970.


"Zum Neuen Jahr der alte Brauch
Daß es zum Neujahrstag einen Schweinebraten gibt, ist eine alte, gute Sitte, denn das Schwein ist das Sinnbild des Glücks, der Stärke und der Fruchtbarkeit seit Wotans Zeiten; daß es aber heute fast immer ein Braten vom zahmen Schwein zu sein pflegt, ist zwar keine schlechte, jedoch eine ziemlich neue und wenig sinnvolle Sitte; unseren Altvorderen wußten es noch besser und aßen zu Neujahr nur Wildschwein. Denn das Wildschwein alleine ist das wahre Symbol für Glück, Kraft und Liebe: wer es dereinst im harten Kampf erlegte, bekam die Hand der Schönsten im Land; die Heldenkraft des Achilles rührte daher, daß er mit Wildschweinleber aufgezogen wurde, und der weltbewegende Busen der  schönen Helena daher, daß sie viel Frischlingsfleisch aß - es stärkt nämlich nicht nur zu schwache Brüste, sondern es mindert auch zu großes. Temperament in der Liebe, hingegen erzeugt das Fleisch des weiblichen Wildschweins Lust und sinngemäß bringt es denn auch Kindersegen; ja, selbst die Kugel, die es tötete, hat Heilkraft: wenn ihr sie in eurem Neujahrsbraten findet, sol egt sie unter eure Zunge, und sie wird euch vor Zahnschmerzen bewahren. So jedenfalls lehrten die alten Ärzte; die neueren Zahnärzte lehren das nicht, aber sie sind Partei." (S. 13)

Und wenn man, wie ich,jedes Jahr seine Trauben aus dem Weinberg tonnenweise im Rachen von Wildschweinen verschwinden sieht, kann man ja auch nur die alten Bräuche wieder herbeiwünschen - und diesem amüsanten kleinen Rezeptbuch eine Neuauflage.

Und so könnte ein Streifzug durch meine Kochbuchsammlung jetzt noch stunden- und tagelang weiter gehen... aber es ist ja schon der letzte Tag der Blogaktion - und dies ist ja auch ein Wein-und kein Kochblog...


... obwohl, wenn man als Winzer Vin de "très bonne" Table auf seine Etiketten schreibt, hofft man natürlich auch, dass dieser Tisch auch gut gedeckt mit köstlichen Speisen ist, damit die Weine einen ihnen angemessen Rahmen finden :-).

Wenn dieser Artikel - trotz fehlender Rezepte und Hochglanzillustrationen - jetzt den einen oder anderen Leser und Kochblogger dazu anregt, auch mal in Bücherwühlkisten und Nachlässen (oder schlicht im Internet) nach in der Aufmachung weniger attraktiven, dafür aber durchaus gehaltvollen Genussbüchern aus der grauen Vorzeit des vorigen Jahrhunderts, aus der ich auch selber stamme, zu stöbern, so werdet ihr nicht nur dabei meist eure Scheckkarten entlasten, sondern da durchaus Bereicherndes und Kurioses finden - und sicher auch das eine oder andere Rezept, das vielleicht Gnade findet oder Erinnerungen weckt. Und auch sehen, dass Kritik an den Zutaten und denaturierten Lebensmitteln (wie der berühmten Milch, die auch vor 50 Jahren schon nur noch selten zu Sauerrahm mutierte - bevor im Siegeszug von Crème Fraiche auch die deutschen Molkereien eine neue Marktlücke entdeckten) immer schon von guten Köchen iund Genussmenschen geübt wurde!

So, und jetzt ab mit dem Artikel auf den Blog - damit ich endlich Zeit habe, alle Eure schönen, toll illustrierten Artikel zu lesen :-)!

Die gesamte Liste aller an der Aktion teilnehmenden Blogs mit den weit über 100 besprochenen Büchern und den Links zu den in der letzten Woche erschienenen Artiken findet ihr übrigens hier auf Facebook.




Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : Strandgut - Voir les 0 commentaires
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Dimanche 7 juillet 7 07 /07 /Juil 11:42

Nach einem noch manchmal gut begossenen Mai und seitdem viel Sonne, war es wieder höchste Zeit, unsere Dauerbegrünung im Weinberg, die von weitem so schön saftig aus dem Dunkelgrün der umliegenden Eichenwälder heraussticht, langsam zu zähmen.

vigne-June-2013.jpg

 

Und so werden langsam von unten nach oben am Berg die Konturen der Terrassen und die einzelnen Weinstöcke wieder sichtbar - dankbar, die volle Sonne zu genießen und vom teilweise noch heftigen Juniwind auch vor Attacken von Pilzkrankheiten, die eine Spritzung erfordert hätten, bewahrt worden zu sein.

Für mich war aber die zweite Hälfte des Monats voll der Kellerarbeit gewidmet. Wie schon im letzten Artikel erwähnt: Abfüllen des 2011 und erstes Umpumpen in frische Barriques nach Abschluss der zweiten Gärung des 2012.

Ausführlich wurde diese Arbeit, die ja jedes Jahr wieder anfällt, natürlich auch schon hier im Blog beschrieben. Damals eben 4 händig und mit Details der kleinen Abfüllanlage, Fotos, die mir diesmal alleine gute Dienste erwiesen, konnte ich doch mein Gedächtnis für die Art und Platzierung der Anschlüsse mit Hilfe meines eigenen Blogarchivs auffrischen :-).

Über 20 Hl Wein mit der kleinen Luftpumpe zu bewegen ersetzt glatt jede Muckibude :-)  und auch der Transport der (leeren) Fässer - raus aus dem Keller, spülen, rein in den Keller - ist selbst bei intelligenter Handhabung (und da liegt der Schwerpunkt manchmal deutlich tiefer als der Kopf) ein kleiner Kraftakt, der die Muskeln stählt.

Iris-shadock.jpg hier ein Archivbild, da leider kein Fotograf zur Hand war und die Winzerin beide Hände voll hatte

 

Aber nach langen Arbeitstagen war schließlich alles in "trockenen Tüchern", sprich, der 2011 gut verkorkt auf Flaschen und der 2012 - minimal geschwefelt für weitere lange Monate des langsamen Ausbaus im Keller  - in frisch gespülten Barriques.

3-viertel-fertig.jpg

 

Und so konnte es Ende Juni losgehen zu zwei weiteren Vs nach "Vigne" und "Vin" : Voyage und Vinocamp Deutschland in Geisenheim am Rhein, #vcd13 als hashtag für Twittergewohnte, zwei "Tolle Tage" mit 140 Internet-affinen und weinbewegten Mitmenschen aus dem deutschsprachigen Raum ... aber davon später einmal... 

Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : weingut-lisson - Voir les 0 commentaires
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Vendredi 24 mai 5 24 /05 /Mai 16:57

Wie ein aufmerksamer Leser in seinem Kommentar zum letzten Artikel dieser Tage schrieb: "Wo bleibt der Frühling,kommen Sie nicht mehr zum Schreiben?"

Nun, der Frühling ist auch in Südfrankreich recht wechselhaft - nach einer recht sonnigen Periode im Februar, die es mir ermöglichte, den Winterschnitt unter perfekten Bedingungen einmal früher als sonst zu beenden und schon Anfang März damit fertig zu sein,  nach ausgiebigem Regen, der die Wasserreserven der Böden und Quellen gut auffüllte und ettlichen Sonnentagen im April bis Anfang Mai, die die Vegetation so üppig wie lange nicht mehr sprießen ließen, herrschen auch hier seit 1 Woche für unsere wärmeverwöhnten Glieder ungewohnte Temperaturen : im Schnitt nur 16°C, eisiger, stark böiger Wind und immer wieder Schauer - also ein echtes Aprilwetter, das eigentlich im Süden schon im März abgehakt wird.

 

 

lecture-tronches.jpg

 

Im März waren die Lissonweine mit ihrer Winzerin auf Reisen: zur Pressevorstellung eines neuen französischen Weinführers über Weine mit eigenem Charakter "Tronches de Vin - le Guide des Vins qui ont d'la gueule", verfasst von einem generationsübergreifenden Kollektiv französischer Weinblogger, konnte man eine schöne Vertikalprobe des Clos des Cèdres (2002 - 2010) verkosten - die Weine machten Lisson alle Ehre und das junge Pariser Publikum in der neuen Weinbar "Le Lapin Blanc", rue Ménilmontan im 20. Arondissement war sehr angetan.

 

Lapin-Lefevre-Guillaume-Iris.jpg



Danach stand ein Besuch in Düsseldorf an - diesmal mit der Möglichkeit, 3 Tage in der Französischen Halle auf der PROWEIN zu arbeiten - eine gute Gelegenheit, mal wieder die Atmosphäre dieser großen Fachmesse zu schnuppern und alte und neue Freunde aus der Weinwelt zu treffen.

rencontres-auf-der-Prowein-p.jpg

 

 

Wieder zurück in Lisson gibt es genug Arbeit im Keller (und oft genug auch, dank der französischen Formularwut, die der Deutschen in Nichts nachsteht, ebenfalls am Schreibtisch) - die Weine im Keller müssen regelmäßig kontrolliert werden, sobald die Temperaturen sich entschließen, saisongerecht zu werden, könnte die malolaktische Gärung endlich ihr Ende finden und es muss die 2012 Ernte aus ihrer winterlichen Barriqueruhe geholt und in frische Fässer mit ganz leichter Schwefelung abgezogen werden, damit eine erste Klärung erfolgt und die Weine dann frisch gebettet ruhig durch den Sommer kommen.

Für den 2011 steht die Abfüllung auf Flaschen an. Die letzten Analysen laufen, um zu wissen, welche Alkohol- und Schwefelwerte auf die Etiketten kommen, Korken und Flaschen müssen bestellt werden - dann kann's losgehen und es gibt wieder das neue Subskriptionsangebot für die Stammkunden.

Da sich nun auch mein langjähriger Partner und Helfer Klaus, den Lesern meines Blogs von seinen Einsätzen in Weinberg beim Sensen und Spritzen, im Keller bei Weinbereitung, Barriquehandling oder Abfüllung, dem gemeinsamen Kampf gegen die Wildschweine, der Entwicklung unserer alternativen Energieversorgung und zahlreichen anderen, immer auf Recycling basierenden Bastelarbeiten bekannt war - von Sonnenpanelen bis zu hauseigenen Radioübertragungen - von mir verabschiedet hat, um in Deutschland wieder ein neues Leben zu beginnen, hat sich auch das Leben der Winzerin noch einmal sehr verändert.

 

Auch die Besucher der letzten Jahre werden ihn in guter Erinnerung halten - immer bereit, sich um Kinder, Hunde oder weniger am Wein interessierte Begleiter zu kümmern, während im Keller endlos verkostet und diskutiert wurde - oder einen kleinen Snack oder ein improvisiertes Abendessen zu zaubern, um nach all der flüssigen Nahrung auch für Handfesteres zu sorgen und so im Kreis um den Tisch unter der Pergola, die auch zu seinen Kreationen gehört, einen Nachmittag in Lisson in heiterer Runde ausklingen zu lassen. ... Adieu Klaus - und von Herzen Dank für diese gemeinsamen Jahre und viel Glück im neuen Leben in der alten Heimat ! *

Und bei so viel Veränderungen bleibt auch der Blog nicht verschont - ein neues Design soll in luftiger und lesbarer machen - und natürlich gehört dazu auch, dass ich wieder regelmäßiger von der Arbeit im Jahreslauf,  den Weinen, ihren Freunden und dem, was sonst noch ein erfülltes Leben ausmacht, berichten werde.**

Und auch vom eigentlich im Kalender stehenden Frühling - so er sich vor dem Sommer noch einstellen will....

 

bunter-Strauss.jpg

 

und zum Abschied heute für alle ein bunter Strauss vom Wegesrand, der uns an ihn erinnert: :-) !

* ... und da nichts endgültig ist, ist er nun, Ende 2013, wieder zurückgekehrt..

** und wie vieleVorsätze, kann auch dieser, frisch und fast ungebraucht, ins neue Jahr übernommen werden...

 


Par Iris Rutz-Rudel - Publié dans : weingut-lisson - Voir les 0 commentaires
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